Nagelsmann sucht Erfolgserlebnisse für positives WM-Gefühl
Bundestrainer Julian Nagelsmann steht vor einer entscheidenden Phase der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Amerika. Bei den Testspielen gegen die Schweiz in Basel und gegen Ghana in Stuttgart geht es dem 38-Jährigen vor allem darum, ein gutes WM-Gefühl im Team und bei den deutschen Fans zu entfachen. „Idealerweise beenden wir die Woche mit zwei Erfolgserlebnissen“, sagte Nagelsmann im Vorfeld des ersten Auftritts im neuen blauen WM-Trikot.
Härtetest gegen unangenehmen Gegner
Das Wiedersehen mit der Schweiz im St. Jakob-Park birgt für die deutsche Mannschaft besondere Herausforderungen. DFB-Kapitän Joshua Kimmich erinnert sich noch gut an das letzte Aufeinandertreffen bei der Heim-EM 2024, als Niclas Füllkrug die Mannschaft erst in der Nachspielzeit mit einem Kopfball zum 1:1 rettete. „Ich erwarte schon einen sehr unangenehmen und harten Gegner, der uns fordern wird“, sagte der 31-Jährige über den WM-Teilnehmer aus dem Nachbarland.
Die Schweiz ist mit zahlreichen Bundesliga-Profis wie Dortmunds Torwart Gregor Kobel oder dem ehemaligen Leverkusener Granit Xhaka stark besetzt. Nagelsmann betonte: „Die Schweiz wird uns alles abverlangen.“ Obwohl es sich um ein Testspiel handelt, hat das Kräftemessen für beide Teams ernsthaften Charakter – immerhin trennen nur noch 76 Tage vom WM-Start in Amerika.
Personelle Fragen und taktische Festigung
Trotz einiger Ausfälle – darunter die Münchner Jamal Musiala und Aleksandar Pavlovic sowie der Dortmunder Felix Nmecha – will Nagelsmann die verbleibende Vorbereitungszeit maximal nutzen. „Die Zeit, die wir haben, wollen wir maximal nutzen, um Dinge zu festigen“, erklärte der Bundestrainer. „Experimentieren werden wir nichts mehr“, fügte er bezüglich des etablierten 4-2-3-1-Systems hinzu.
Spannend bleiben personelle Fragen:
- Wie präsentiert sich Oliver Baumann nach seiner Ernennung zum Turniertorwart?
- Wie geht Antonio Rüdiger mit seiner neuen Rolle als Herausforderer von Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck um?
- Kann Kai Havertz nach 16 Monaten Verletzungspause sofort wieder eine Hauptrolle übernehmen?
Vertrauen in Woltemade und Debütchancen
Nick Woltemade, der in der WM-Qualifikation mit vier Toren bester DFB-Schütze war, genießt das volle Vertrauen des Bundestrainers trotz aktueller Schwierigkeiten bei Newcastle United. „Ich habe totales Vertrauen in Nick und gebe ihm auch die nötige Geduld“, sagte Nagelsmann.
Im Hintergrund warten weitere Spieler auf ihre Chance. Der formstarke Stuttgarter Deniz Undav hat aus 18 Saisontoren in der Bundesliga viel Selbstvertrauen geschöpft. Und Bayern-Youngster Lennart Karl darf mit seinem Länderspieldebüt rechnen. Nagelsmann erwartet von ihm: „Er soll frei von der Seele weg spielen.“
Positive Erinnerungen als Vorbild
Nagelsmann verweist auf die erfolgreiche Vorbereitung vor der Heim-EM 2024, als ihm nach einem radikalen Kaderumbau mit der spektakulären Rückholaktion von Toni Kroos und zwei Testspielsiegen gegen Frankreich (2:0) und die Niederlande (2:1) der Aufbau eines positiven Teamgefühls hervorragend gelang. Das furiose 6:0 gegen die Slowakei im November zeigte zudem, was Siege auslösen können – die gesamte WM-Qualifikation rückte dadurch in ein positiveres Licht.
Kimmich betonte die Bedeutung des Zusammenspiels: „So wie wir das letzte Spiel gespielt haben, stellen wir uns das vor in der Art und Weise. Da haben wir wirklich füreinander gespielt, das muss die Basis in jedem Spiel sein.“ Für Nagelsmann bleibt jedoch auch bei weniger erfolgreichen Ergebnissen die Perspektive wichtig: „Sollte es nicht der Fall sein, bricht die Welt auch nicht zusammen, wenn wir den Inhalt trotzdem gut rüberbringen und uns richtig entwickeln.“



