Polizeigewerkschaft nach Dresden-Krawallen: Vereine müssen Sicherheit im Stadion garantieren
Die Polizeigewerkschaft hat nach den gewalttätigen Ausschreitungen beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC im Harbig-Stadion eine klare Forderung an die Fußballclubs gestellt. Die Vereine müssen die Sicherheit in ihren eigenen Stadien gewährleisten können, ansonsten seien Geisterspiele unumgänglich. Diese Position vertritt Heiko Teggatz, stellvertretender Bundesvorsitzender der Bundespolizeigewerkschaft (DPolG), nach den chaotischen Szenen am Karsamstag.
„Skandal, dass Sicherheitsdienste nicht für Ordnung sorgen“
In einem Interview mit dem TV-Sender RTL/ntv äußerte Teggatz deutliche Kritik an den Sicherheitsdiensten, die von den Vereinen eingesetzt werden. „Es ist eigentlich ein Skandal, dass der Sicherheitsdienst, der durch die Vereine eingesetzt wird, in den Stadien nicht dafür sorgt, dass so etwas nicht passiert“, sagte der Gewerkschaftsvertreter. Er betonte weiter: „Wenn ein Verein nicht in der Lage ist, für Sicherheit im eigenen Stadion zu sorgen, dann dürfen solche Spiele auch nicht mehr vor Publikum ausgetragen werden. Ich spreche da ganz konkret von Geisterspielen.“
Polizeikosten sollen nicht länger Steuerzahler tragen
Beim Zweitliga-Topspiel waren rund 750 Polizeibeamte im Einsatz, um die Sicherheit zu gewährleisten. Teggatz kritisierte, dass diese Kosten derzeit vom Steuerzahler getragen werden. „Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler für die Fußballchaoten zahlen muss“, erklärte er. Im Vergleich zu anderen privaten Veranstaltungen wie Eishockey, Handball oder Schützenfesten, bei denen die Veranstalter selbst für die Sicherheit sorgen müssen, sei die Finanzierung von Polizeieinsätzen im Fußballbereich eine Ausnahme.
Der Gewerkschafter wies darauf hin, dass Fußball eine private Veranstaltung sei, bei der die Organisatoren Millionen, wenn nicht Milliarden verdienen. „Der Steuerzahler stellt sozusagen den Polizeieinsatz zur Verfügung“, sagte Teggatz und fügte hinzu: „Die Polizei muss für die Sicherheit sorgen, nämlich für die Sicherheit, die die Vereine ihren Zuschauern selbst nicht gewährleisten können.“
Ermittlungsgruppe „Fahne“ analysiert Gewaltexzesse
Nach den gewalttätigen Vorfällen in Dresden hat die Polizei inzwischen eine spezielle Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Fahne“ gebildet. Diese Gruppe hat die Aufgabe, die Abläufe der Ausschreitungen aufzuklären und die Tatverdächtigen zur Rechenschaft zu ziehen. Laut Dresdens Polizeipräsident Lutz Rodig stehen folgende Delikte im Fokus der Ermittlungen:
- Schwerer Landfriedensbruch
- Körperverletzungsdelikte
- Sachbeschädigungen
- Beleidigungen
Zur Aufklärung der Vorfälle wertet die Polizei umfangreiches Videomaterial aus, das mehr als 330 Gigabyte umfasst. Bei den Ausschreitungen waren Pyrotechnik abgebrannt worden, Anhänger beider Mannschaften hatten über Absperrzäune geklettert und sich im Innenraum gegenseitig mit Feuerwerkskörpern beschossen.
Forderung nach klaren Konsequenzen
Die Polizeigewerkschaft sieht dringenden Handlungsbedarf, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Teggatz betonte, dass die Vereine ihrer Verantwortung für die Sicherheit im Stadion nachkommen müssen. Sollten sie dieser Pflicht nicht nachkommen, müssten Konsequenzen wie Geisterspiele gezogen werden. Diese Maßnahme würde nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die finanzielle Belastung der Steuerzahler reduzieren, die derzeit für den Polizeieinsatz bei Fußballspielen aufkommen müssen.



