Pyro und Platzsturm überschatten Zweitliga-Topspiel in Dresden
Das hochkarätige Zweitliga-Duell zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC am Samstag im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion ist von schweren Ausschreitungen überschattet worden. Statt eines sportlichen Spektakels dominierten Platzstürme, Pyrotechnik und zweimalige Spielunterbrechungen das Geschehen vor 31.414 Zuschauern. Der knappe 1:0 (0:0)-Sieg des Hauptstadtclubs geriet dabei zur absoluten Nebensache.
Fan-Eklat sorgt für chaotische Szenen
Die Partie begann bereits nach wenigen Minuten turbulent, als beide Fanlager Pyrotechnik abbrannten. Die Situation eskalierte vollends, als plötzlich Anhänger beider Vereine über die Zäune sprangen und auf das Spielfeld stürmten. Vermummte Dynamo-Fans rannten quer über den Rasen in Richtung des Hertha-Fanblocks, während beide Lager Pyrotechnik hin und her schossen.
Schiedsrichter Sven Jablonski sah sich gezwungen, die Begegnung zu unterbrechen und beide Teams in die Kabinen zu schicken. Währenddessen versuchten mehr als 100 Polizisten, die Situation unter Kontrolle zu bringen und die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block zu drängen. Dort wurde anschließend eine Fahne des Gastvereins verbrannt.
Verantwortliche verurteilen die Vorgänge
Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Stephan Zimmermann zeigte sich beim Pay-TV-Sender Sky entsetzt: „Das ist nicht das, was wir hier sehen wollten. Wir wollten ein tolles Topspiel am Samstag sehen. Realität ist leider, dass wir 100 Menschen auf dem Platz gesehen haben, die sich Pyrotechnik entgegengeworfen haben.“
Bei RTL ergänzte Zimmermann: „Es ist allen klar im Stadion, dass das Bilder sind, die man nicht sehen will.“ Der Verein habe seit Wochen einen Austausch mit der Politik in Sicherheitsfragen geführt und verabscheue die Vorgänge zutiefst.
Auch Sport-Geschäftsführer Sören Gonther äußerte sich bei Sky schockiert: „Wir stehen da alle so ein bisschen unter Schock, weil wie gesagt, wir wollen Fußball spielen und nichts anderes.“ Zur Frage des Polizeieinsatzes wollte Gonther keine Bewertung abgeben, betonte aber die anschließend massive Präsenz der Sicherheitskräfte.
Spielverlauf mit dramatischen Wendungen
Nach einer halben Stunde konnte das Spiel offiziell in der 19. Minute fortgesetzt werden. Die erste Halbzeit dauerte durch die Unterbrechungen insgesamt 71 Minuten, wobei sich beide Teams sportlich weitgehend neutralisierten und Großchancen Mangelware blieben.
In der zweiten Halbzeit erhöhte Dynamo nach einer roten Karte gegen Herthas Josip Brekalo (66. Minute) den Druck. Ein nach Videoüberprüfung gegebener Elfmeter für Dresden wurde jedoch von Hertha-Keeper Tjark Ernst gehalten (77. Minute). Quasi im Gegenzug köpfte Marten Winkler (80. Minute) den Siegtreffer für die Berliner.
Der gelbgesperrte Dresdner Kapitän Stefan Kutschke hatte während der Ausschreitungen versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln und zu schlichten. Die Hertha-Fans, die nach den Vorkommnissen ihren Support vorübergehend eingestellt hatten, stimmten nach dem Führungstreffer wieder Gesänge an.
Sportliche Konsequenzen
Durch den Auswärtssieg rückte Hertha BSC wieder etwas näher an die Aufstiegszone der 2. Bundesliga heran. Dynamo Dresden hingegen bleibt mitten im Abstiegskampf stecken. Die Bilder der Ausschreitungen werden jedoch länger in Erinnerung bleiben als das sportliche Ergebnis dieses denkwürdigen Samstags.



