Politische Entscheidung über WM-Teilnahme des Iran steht bevor
Die iranische Fußballnationalmannschaft, die sich bereits im vergangenen Jahr als Gruppenerster direkt für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat, befindet sich in einer politisch brisanten Situation. Seit dem 28. Februar 2026 befindet sich der Iran im Kriegszustand, insbesondere mit den Vereinigten Staaten von Amerika, die gemeinsam mit Mexiko und Kanada Gastgeber der WM vom 11. Juni bis 19. Juli sind.
Entscheidungsgewalt liegt beim Nationalen Sicherheitsrat
Wie der iranische Sportminister Ahmed Donjamali (66) im Staatsfernsehen Irib deutlich machte, liegt die finale Entscheidung über die WM-Teilnahme nicht mehr beim Fußballverband oder Sportministerium. „Letztendlich unterwerfen wir uns der finalen Entscheidung des Nationalen Sicherheitsrates und der Regierung“, erklärte Donjamali. Beide Institutionen sind damit nur noch für die sportliche Vorbereitung des Teams zuständig.
Der Nationale Sicherheitsrat im Iran stellt das höchste Entscheidungsgremium der Islamischen Republik dar. Er steht unter der Aufsicht des neuen Obersten Führers Modschtaba Chamenei (56), der seit März 2026 Nachfolger seines getöteten Vaters Ali Chamenei (86) ist, und wird von Präsident Massud Peseschkian (71) geleitet. Ein genauer Zeitpunkt für die erwartete Entscheidung wurde nicht kommuniziert, wobei Entwicklungen im Kriegsverlauf in den kommenden Wochen abgewartet werden dürften.
FIFA-Präsident Infantino setzt sich für Teilnahme ein
FIFA-Präsident Gianni Infantino (56) positionierte sich in einem Interview mit dem mexikanischen Fernsehsender N+ Univision deutlich für die Teilnahme des Iran. „Wir wollen, dass der Iran spielt, Iran wird bei der Weltmeisterschaft spielen. Es gibt keinen Plan B, C oder D – es gibt Plan A“, betonte der seit 2016 amtierende Chef des Weltfußballverbandes.
Infantino beschrieb die Lage als „sehr kompliziert“, verwies aber auf die verbindende Kraft des Fußballs. „Iran repräsentiert sein Volk – die Menschen, die im Iran leben, ebenso wie jene, die im Ausland leben“, so der FIFA-Präsident, der zudem die große Fußballleidenschaft im Land hervorhob.
Logistische Herausforderungen bei Spielen in den USA
Die iranische Mannschaft würde bei der WM in der Vorrunde folgende Spiele in den USA bestreiten:
- 16. Juni in Los Angeles gegen Neuseeland
- 21. Juni in Los Angeles gegen Belgien
- 27. Juni in Seattle gegen Ägypten
Das Teamquartier befindet sich mit Tucson in Arizona ebenfalls auf US-amerikanischem Boden. In den vergangenen Wochen wurden vermehrt Berichte über mögliche Visa-Probleme für iranische Spieler und Betreuer laut. Eine Verlegung der iranischen WM-Spiele nach Mexiko ist für die FIFA derzeit kein Thema, was die politische Dimension der Entscheidung zusätzlich unterstreicht.
Die Situation verdeutlicht, wie stark internationale Sportveranstaltungen von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst werden können. Während die sportliche Qualifikation längst abgeschlossen ist, bleibt die tatsächliche Teilnahme des Iran an der Weltmeisterschaft bis zur Entscheidung des Nationalen Sicherheitsrates in Teheran ungewiss.



