Thomas Doll: Vom Malchiner Talent zum international gefeierten Fußball-Trainer
Thomas Doll: Fußball-Karriere zwischen Ost und West

Thomas Doll: Ein Leben für den Fußball zwischen Ost und West

Thomas Doll telefoniert täglich mit seiner 88-jährigen Mutter, die im Norden Deutschlands lebt. „Wir machen das jeden Tag, es ist mir sehr wichtig“, betont der ehemalige Fußballstar. Diese Gespräche sind für ihn stets eine emotionale Rückkehr in die Heimat – und manchmal, so gesteht er, überkommt ihn dabei sogar das Heimweh.

Neue Heimat in Budapest

Seine eigentliche Heimat liegt inzwischen weit entfernt. Seit 2014 lebt der gebürtige Malchiner in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Damals übernahm er das Traineramt beim Topklub Ferencvaros und lernte dort seine heutige Frau Edina kennen. 2019 heirateten sie, und Doll wurde sogar noch zweimal Vater – eine Tochter und ein Sohn bereichern seither sein Leben.

„Die Lebensqualität ist sehr hoch. Es ist eine wunderschöne Ecke hier, ich habe es nie bereut“, schwärmt Thomas Doll, der am Donnerstag seinen 60. Geburtstag feiert. Am Balaton bauen die Dolls derzeit ein Ferienhaus, während der Jubilar sich in Budapest pudelwohl fühlt.

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Trainer-Karriere mit internationaler Prägung

Fast 20 Jahre spielte Doll Profifußball, weitere 20 Jahre ist er mittlerweile als Trainer tätig. Sein letztes Engagement beim indonesischen Verein Persija Jakarta endete vor gut eineinhalb Jahren. „Es war ein Abenteuer, aber schön“, resümiert er. Doch Doll wollte bewusst eine Pause einlegen, um Zeit für seine Familie zu haben.

„Ich habe ja schon zwei erwachsene Töchter, die ich nicht aufwachsen sehen konnte, weil ich als Fußballer ständig unterwegs war“, erklärt er. „Jetzt habe ich die Pampers gewechselt und miterlebt, wie meine Tochter das Fahrrad fahren lernt. Das ist traumhaft gewesen.“

Bereit für ein Comeback

Doch nun ist für Thomas Doll der Zeitpunkt gekommen, wieder als Trainer arbeiten zu wollen. „Ich bin bereit“, bekräftigt er. Er weiß, dass ein neuer Job wohl nur im Ausland zu finden sein wird. In Deutschland ist der ehemalige HSV- und Borussia-Dortmund-Trainer derzeit nicht gefragt, obwohl er durchaus erfolgreiche Stationen vorweisen kann.

Sein Engagement bei Hannover 96 entpuppte sich allerdings als großes Missverständnis. „Ich kam zwei Tage nach Ende der Vorbereitung, der Kader war nicht bundesligatauglich. Ich hätte es nicht machen sollen“, blickt er selbstkritisch zurück.

Bewegte Spieler-Karriere

Thomas Dolls Fußball-Laufbahn begann in Malchin bei der damaligen BSG Lok. Seine Begabung machte schnell die Runde, 1979 wurde er zum FC Hansa Rostock delegiert. Mit 17 Jahren feierte er im August 1983 seinen Oberligaeinstand.

Drei Jahre später wechselte das Supertalent zum BFC Dynamo. „Für mich war es der nächste Schritt, beim BFC spielten fast ausschließlich Nationalspieler“, erinnert er sich. Mit dem Hauptstadtklub wurde er mehrmals DDR-Meister und Pokalsieger.

Doch die Zeit in Berlin war für den jungen Doll auch schwierig. „Wir haben nicht nur gegen unsere Gegner gespielt, sondern immer auch gegen die Fans, die ihre Wut auf das Land an uns ausgelassen haben“, erzählt er. „Das hat alle Spieler beim BFC geprägt.“

Internationale Erfolge

Nach dem Mauerfall stand für Thomas Doll die große Fußball-Welt offen. Gemeinsam mit Frank Rohde wechselte er 1990 zum Hamburger SV. Nach einer sehenswerten Saison in Hamburg lockte ihn der italienische Erstligist Lazio Rom für rund 15 Millionen Mark in die Serie A.

Drei Jahre kickte er für Lazio, wo ihn die Fans liebevoll „Fanthomas“ nannten. 1992 gehörte Doll zum Kader der deutschen Nationalmannschaft, die in Schweden Vize-Europameister wurde. Insgesamt absolvierte er 18 Länderspiele für den DFB.

Trainer-Erfolge in Ungarn

Als Trainer von Ferencvaros Budapest erlebte Thomas Doll eine besonders erfolgreiche Zeit. 2016 wurde er in Ungarn zum Trainer des Jahres gewählt und führte den Klub zu Meisterschaft und Pokalsieg. Neben Stationen in der Türkei, Indonesien, Zypern und Saudi-Arabien hat er im Ausland viel erlebt und Erfahrungen gesammelt.

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Geburtstagsfeier mit Familie

Seinen 60. Geburtstag wird Thomas Doll mit der Familie am Balaton feiern. Auch seine Mutter kommt zu Besuch. „Wir haben meinen 50. damals groß gefeiert, diesmal sollte es etwas kleiner sein“, plant er. Im Sommer ist jedoch ein Treffen mit alten Weggefährten wie Andreas Thom und Frank Rohde geplant.

„Wir wollen am Timmendorfer Strand gemeinsam ein paar Tage verbringen“, verrät Thomas Doll. Und dann dürfte mit Sicherheit auch das eine oder andere Bier auf seinen runden Geburtstag geöffnet werden – ein passender Abschluss für einen Mann, dessen Leben der Fußball auf so vielfältige Weise geprägt hat.