Undavs Siegtor ändert nichts an Nagelsmanns Plänen
In Stuttgart feierte die deutsche Nationalmannschaft einen wichtigen 2:1-Testspielsieg gegen Ghana, doch während die Fans den Matchwinner Deniz Undav bejubelten, blieb Bundestrainer Julian Nagelsmann erstaunlich zurückhaltend. Der 29-jährige VfB-Stürmer kam erst in der zweiten Halbzeit ins Spiel und erzielte kurz vor Schluss den entscheidenden Treffer. Trotz dieser Leistung sieht Nagelsmann Undavs Rolle weiterhin klar definiert – als Einwechselspieler.
Der Bundestrainer bleibt bei seiner Linie
Nach dem Spiel entwickelte sich ein interessanter Dialog zwischen Trainer und Spieler. Undav äußerte deutlich den Wunsch nach einer verbesserten Rolle: „Mit jedem Tor, das ich mache, kann sich meine Rolle verändern. Natürlich würde ich sie gerne verändern, aber ich bin nicht der Entscheider.“ Doch Nagelsmann reagierte prompt und deutlich: Die Rollen seien für die WM bereits festgelegt, und ein einzelnes Tor ändere daran nichts.
Der Bundestrainer erklärte seine Entscheidung mit taktischen Überlegungen. In seinem System seien Kai Havertz und Nick Woltemade die favorisierten Stürmer, während Undav sogar nur als dritte Option hinter Jamal Musiala und Serge Gnabry auf der Offensivposition gesehen werde. „Wir werden auch im Sommer Joker brauchen, die in der Lage sind, ein Spiel zu entscheiden. Das ist sein Auftrag, seine Rolle“, so Nagelsmann.
Kritische Worte trotz Siegtor
Besonders bemerkenswert waren Nagelsmanns Bewertungen von Undavs Gesamtleistung. „Ich fand seine Leistung bis zum Tor nicht gut. Er hat, glaube ich, nur einmal den Ball berührt“, analysierte der Trainer nüchtern. Gleichzeitig erkannte er die Qualität des Stürmers an: „Aber deswegen ist er auch ein Topstürmer, dass er dann da steht, wo der Ball hinfällt.“
Auf Undavs öffentliche Äußerungen zur Rollenfrage reagierte Nagelsmann mit einer klaren Botschaft: „Er setzt sich mit seinen Aussagen selbst unter Druck, das ist okay. Wenn er damit klarkommt, kann er das gerne machen. Jeder Spieler sollte den Drang haben, eine bessere Rolle zu spielen.“ Doch dieser Ehrgeiz müsse sich in konstanter Leistung zeigen, nicht nur in Einzelaktionen.
Fans fordern Undav – Druck auf Nagelsmann wächst
Die Stuttgarter Fans zeigten während des gesamten Spiels deutlich, wo ihre Sympathien liegen. Bereits in der ersten Halbzeit forderten Sprechchöre den Einsatz des lokalen Lieblings, und Undav winkte sogar von der Bank aus in Richtung der begeisterten Zuschauer. Als er dann tatsächlich eingewechselt wurde und den Siegtreffer erzielte, steigerte sich die Begeisterung noch einmal.
Doch trotz dieser öffentlichen Unterstützung und Undavs aktueller Torjägerqualitäten – er gilt momentan als bester deutscher Stürmer – bleibt Nagelsmann bei seiner Einschätzung. „Die Rollengespräche habe ich nicht für die März-Maßnahme gemacht, sondern für die WM“, betonte er nach dem Spiel.
Interessant bleibt die Frage, ob Undav überhaupt mit zur Weltmeisterschaft fährt. Während seine Torgefährlichkeit für die Nationalmannschaft unbestritten ist, scheint Nagelsmann taktische Vorbehalte zu haben. Mit jedem weiteren Tor für den VfB Stuttgart und jeder weiteren guten Leistung in der Nationalmannschaft wird der Druck auf den Bundestrainer jedoch wachsen, dem Stürmer vielleicht doch eine größere Rolle zuzugestehen.
Deutschland geht mit zwei Siegen aus den letzten beiden Testspielen in die direkte WM-Vorbereitung und hat damit wichtiges Selbstvertrauen für das Turnier gesammelt. Doch die Diskussion um die optimale Sturmformation wird Nagelsmann sicherlich noch bis zum Turnierbeginn begleiten.



