VfL Gummersbach-Boss Schindler kritisiert Videobeweis-Willkür im Handball
Handball-Boss kritisiert Videobeweis: „Sehr viel Willkür dabei“

Handball-Boss kritisiert Videobeweis: „Sehr viel Willkür dabei“

Christoph Schindler ist seit fast 19 Jahren als Spieler und Funktionär beim VfL Gummersbach aktiv. Vor sieben Jahren stand der Verein aus der Daikin Handball-Bundesliga kurz vor der Pleite. Heute hofft der 42-jährige Geschäftsführer auf die Champions League und spricht im ausführlichen Interview über die Herausforderungen der Schwalbe-Arena sowie aktuelle Kontroversen im Profihandball.

Champions-League-Hoffnung und strukturelle Probleme

Sie jagen mit dem VfL Gummersbach die Champions-League-Plätze. Hat sich aus der Wiener Zentrale der Europäischen Handballföderation (EHF) schon jemand bei Ihnen gemeldet, ob auch Platz 3 für die Königsklasse reicht?

Schindler: „Nein, aber ich habe natürlich die Berichterstattung rund um dieses Thema gelesen. Grundsätzlich haben wir uns nicht tagtäglich mit der Champions League beschäftigt, weil es bis vor ein paar Wochen nicht realistisch war. Aber klar, wir können die Tabelle lesen und wissen, dass es ein Thema für uns werden kann.“

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Der VfL-Boss zeigt sich kritisch gegenüber den Unklarheiten: „Ich habe diese ganzen Konjunktiv-Sachen gesehen und es zeigt mir einmal mehr, welche strukturellen Probleme der Handball hat. Trotzdem rechne ich einfach damit, dass die ersten drei Plätze in der Bundesliga sich für die Champions League qualifizieren.“

Entscheidungszeitpunkt und Professionalisierungsdefizite

Auf die Frage nach dem Zeitpunkt einer EHF-Entscheidung antwortet Schindler: „Ich rechne gegen Saisonende damit.“ Und fügt kritisch hinzu: „Natürlich ist das viel zu spät, das ist einfach schlecht. Wir alle wissen mal wieder nicht, welcher Tabellenplatz bei uns wofür in Europa reicht. Das ist verrückt und zeigt das Problem im Handball auf.“

Der Geschäftsführer betont die Notwendigkeit klarer sportlicher Qualifikationswege: „Wir reden über Professionalisierung und in welchen Bereichen Vereine investieren müssen. Und dann hat man solche Geschichten. Und das ist gefühlt jedes Jahr so. Sportliche Qualifikationswege müssen vorher klar definiert sein.“

Finanzielle Rettung und aktuelle Erfolge

Der VfL Gummersbach hat die finanziellen Altlasten aus der Vergangenheit nahezu vollständig getilgt. Schindler erinnert sich an schwierige Anfänge: „Es war schlimmer, das muss man ganz klar so sagen. Speziell im ersten Jahr, also ein halbes Jahr vor dem Abstieg 2019 und das halbe Jahr danach war finanziell der Sargnagel eigentlich schon drauf.“

Heute könne man alles genießen, weil man wisse, woher man komme: „Heute reden wir viel von Strategie, damals haben wir nur von Tag zu Tag gedacht und wie wir am nächsten Tag die Rechnungen bezahlen können. Als Startphase in den neuen Job als Geschäftsführer war das für mich eine Extrem-Situation.“

Schwalbe-Arena: Fluch und Segen

Die bei Gegnern gefürchtete Gummersbacher Schwalbe-Arena beschreibt Schindler als Fluch und Segen zugleich: „Die Halle ist ein Segen von Stimmung und Lage in der Stadt her, wir waren jetzt 43 Mal in Folge ausverkauft. Ein Fluch ist sie, weil sie mit ihren 4132 Plätzen mittlerweile zu klein ist.“

Dies stelle den Verein vor wirtschaftliche Herausforderungen: „Wir hatten zuletzt wieder Preiserhöhungen in allen Kategorien. Es ist klar, dass so etwas nur bis zu einem gewissen Maß machbar und möglich ist. Wir haben innerhalb der Top 5 der Liga die mit Abstand kleinste Halle. Das macht es für uns im Wettbewerb deutlich schwerer.“

Kritik am Videobeweis-System

Besonders deutlich wird Schindler bei seiner Kritik am Videobeweis-System. Nach einer umstrittenen Entscheidung im Dezember-Heimspiel gegen den SC Magdeburg sagt er: „Was die damalige Situation angeht, ist die Wut natürlich weg, es war eine emotionale Situation. Was aber meine grundsätzliche Einstellung angeht, hat sich nichts verändert.“

Der Geschäftsführer beobachtet regelmäßige Probleme: „Wenn ich Woche für Woche Spiele sehe, wie sich manche Trainer während der Partie präsentieren und wenn ich sehe, wann ein Videobeweis genommen wird und wann nicht, dann habe ich Woche für Woche Unmut in mir. Da ist im Moment sehr viel Willkür und Undurchsichtigkeit dabei.“

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Schindler betont jedoch: „Ich war von Anfang an ein Freund des Videobeweises. Aber wenn er so genutzt wird wie derzeit, geht es absolut in die falsche Richtung.“ Er nimmt dabei die Handball-Bundesliga (HBL) und den Deutschen Handball-Bund (DHB) in die Pflicht und wünscht sich einen deutlich besseren Umgang im Sinne der Liga und des Sports.

Der Aufschwung des VfL Gummersbach bleibt für Schindler eine „überragende Momentaufnahme und Lohn unserer harten Arbeit der letzten Jahre“, auch wenn der Weg dorthin von finanziellen Nöten und strukturellen Herausforderungen im Handball geprägt war.