Handball-Boss Schindler kritisiert Videobeweis: Willkür und fehlende Transparenz
Im Fußball sorgt der Video-Assistent (VAR) regelmäßig für kontroverse Diskussionen und emotional aufgeladene Debatten. In der Daikin Handball-Bundesliga wurde der Videobeweis zur Saison 2023/24 eingeführt und hat seitdem ebenfalls für regelmäßigen Gesprächsstoff gesorgt. Nun äußert sich mit Christoph Schindler erstmals ein Geschäftsführer eines Bundesliga-Klubs öffentlich und äußerst deutlich zu diesem Thema.
„Sehr viel Willkür und Undurchsichtigkeit“
Christoph Schindler, seit fast 19 Jahren beim Altmeister Gummersbach aktiv und seit Dezember 2018 dessen Geschäftsführer, übt in einem Interview mit SPORT BILD scharfe Kritik an der aktuellen Nutzung des Handball-Videobeweises. Der 42-jährige Ex-Profi erklärt: „Wenn ich Woche für Woche Spiele sehe, wie sich manche Trainer während und nach der Partie präsentieren und wenn ich sehe, wann ein Videobeweis genommen wird und wann nicht, dann habe ich Woche für Woche Unmut in mir.“
Schindler führt weiter aus: „Da ist im Moment sehr viel Willkür und Undurchsichtigkeit dabei. Ich würde mir im Sinne der Liga und des Sports einen deutlichen besseren Umgang damit wünschen. Da nehme ich ganz klar die Handball-Bundesliga (HBL) und den Deutschen Handballbund (DHB) in die Pflicht.“
Inkonsistente Anwendung als Kernproblem
Mit seiner Kritik zielt Schindler insbesondere auf die inkonsistente Anwendung des Videobeweises ab. Vergleichbare Szenen würden im Handball zu oft völlig unterschiedlich von den Schiedsrichter-Gespannen bewertet werden. Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht dieses Problem:
- Am 14. Dezember 2025 kam es bei Gummersbachs 31:32-Heimniederlage gegen den SC Magdeburg in der Schlussphase zu einer strittigen Szene. Der Videobeweis wurde nicht genutzt, und Schindler musste in seiner Wut von Hallenordnern zurückgehalten werden.
- Nur sechs Tage später, beim 29:29 des THW Kiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf, kam es in einem exakt gleichen Fall zum Videobeweis. Dieser ermöglichte den Gästen den Ausgleich per Siebenmeter.
Diese unterschiedliche Handhabung ähnlicher Situationen innerhalb kurzer Zeit verdeutlicht die von Schindler kritisierte Willkür bei der Anwendung des technischen Hilfsmittels.
Kein Gegner, aber Kritiker des Systems
Ist Christoph Schindler inzwischen zum Gegner des Videobeweises geworden? Der Gummersbach-Boss stellt klar: „Nein, ich war von Anfang an ein Freund des Videobeweises. Aber wenn er so genutzt wird wie derzeit, geht es absolut in die falsche Richtung.“
Beim Handball-Videobeweis können die Schiedsrichter-Duos bei strittigen oder im ersten Moment unklaren Szenen ein „Video-Replay“ nutzen. Anders als im Fußball, wo der VAR aus dem „Kölner Keller“ operiert, gibt es im Handball keine übergeordnete zentrale Stelle für die Videobewertung. Diese dezentrale Struktur könnte nach Ansicht von Experten zu den von Schindler kritisierten Inkonsistenzen beitragen.
Die Diskussion um den Videobeweis im Handball zeigt, dass technische Neuerungen nicht automatisch zu mehr Fairness und Transparenz führen müssen. Entscheidend ist die konsistente und nachvollziehbare Anwendung durch die Schiedsrichter. Christoph Schindlers deutliche Worte könnten den Anstoß für eine notwendige Debatte über Verbesserungen des Systems geben.



