Kieler Handballer demonstrieren Stärke im Nord-Duell
Der THW Kiel hat im Nord-Derby der Daikin Handball-Bundesliga einen beeindruckenden Auftritt gezeigt und den HSV Hamburg mit 34:27 (19:13) bezwungen. Vor 11.619 Zuschauern in der voll besetzten Barclays Arena bewies der Rekordmeister trotz einer enttäuschenden Saison Nervenstärke und Spielqualität.
Duvnjak führt Kiel zur Derby-Überlegenheit
Kiels Kapitän Domagoj Duvnjak (37) kehrte in sein früheres Handball-Wohnzimmer zurück und warf sieben Tore. „Das tut mir weh, weil uns die Konstanz fehlt. Manchmal bin ich sprachlos“, hatte der Kroate vor dem Spiel erklärt. Doch im Derby zeigte der THW genau jene Energie und Intensität, die Torwart Gonzalo Pérez de Vargas in der Vorbereitung gefordert hatte.
Nach ausgeglichenen ersten 15 Minuten erhöhten die Kieler die Schlagzahl und begannen zu zaubern. Nationalspieler Lukas Zerbe traf nach einem 30-Meter-Zuspiel von Rune Dahmke mit einem spektakulären Kempa-Tor. Pérez de Vargas krönte seine Weltklasse-Leistung mit einem 35-Meter-Wurf ins leere HSV-Tor zur 19:13-Pausenführung.
Hamburgs Defensivprobleme und Kieler Coolness
Der HSV Hamburg kämpfte erneut mit löchriger Defensive und technischen Fehlern im Spielaufbau. Zwar zeigte Co-Kapitän Andreas Magaard nach seiner Knie-OP im Januar ein Comeback, doch die erhoffte Power blieb aus. Nicolaj Jörgensen glänzte mit zwei Siebenmeter-Legern über Pérez de Vargas und Andreas Wolff.
Die Partie erhielt eine emotionale Zuspitzung, als Schiedsrichter Fabian Friedel und Rick Herrmann nach VAR-Studium Lukas Zerbe nach einem Foul an Frederik Bo Andersen überraschend die Rote Karte zeigten (37. Minute). Die fast ausverkaufte Barclays Arena verwandelte sich in einen brodelnden Stimmungstempel.
Doch Kiel blieb cool: Mit dem spanischen Weltklasse-Keeper Pérez de Vargas im Tor und der erfahrenen Führung von Duvnjak kontrollierten die Gäste die Schlussphase souverän. Der THW musste im Vorfeld auf Emil Madsen (Knie-OP), Elias Ellefsen á Skipagøtu (Schulter) und Veron Nancinovic (Nasenbeinbruch) verzichten, zeigte aber dennoch eine geschlossene Mannschaftsleistung.
Bedeutung des Sieges für die Saisonziele
Der Sieg ist für den THW Kiel von besonderer Bedeutung, da der Rekordmeister in dieser Spielzeit seinen eigenen Erwartungen hinterherhechelt. Mit 13 Punkten Rückstand auf Tabellenführer SC Magdeburg und dem jüngsten Stolperer gegen Eisenach (30:30) brauchte das Team dringend einen Vertrauensbeweis.
Die zwei Punkte im Kampf um die Champions-League-Qualifikation sind ein wichtiger Schritt nach vorne. Für den HSV Hamburg hingegen setzt sich die wechselhafte Saison fort – die erhoffte Konstanz bleibt weiterhin Fehlanzeige.
Das Nord-Derby, einst ein Top-Duell der Bundesliga, war diesmal der Vergleich der Enttäuschten. Doch die Kieler Handballer bewiesen, dass sie in wichtigen Momenten ihre Klasse abrufen können und bleiben im Rennen um internationale Plätze.



