Abschied nach sieben Jahren: Stefan Horngacher beendet Ära als Skisprung-Bundestrainer
An diesem Wochenende geht eine bedeutende Ära im deutschen Skispringen zu Ende. Stefan Horngacher verabschiedet sich nach sieben Jahren als Bundestrainer von seiner Mannschaft. Der 56-Jährige, der mit seiner Familie in Titisee-Neustadt im Schwarzwald lebt, wird künftig mehr Zeit für seine Hobbys wie Radfahren, Wandern und Pilzesammeln haben. „Das letzte Mal als Bundestrainer die Fahne zu schwingen, ist noch einmal eine große Ehre. Darauf freue ich mich sehr“, erklärt Horngacher im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Goldmedaille als Saisonhöhepunkt trotz gemischter Bilanz
Der zurückliegende Winter gestaltete sich für Horngacher und sein Team äußerst wechselhaft. Während die Vierschanzentournee und die Skiflug-Weltmeisterschaft in Oberstdorf Enttäuschungen brachten, gelang mit Philipp Raimunds Olympia-Gold von der Normalschanze der große Saisonhöhepunkt. Diese Goldmedaille stellt für Horngacher einen bleibenden Moment dar, den er auf eine Stufe mit früheren Erfolgen wie Karl Geigers Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Peking oder dessen Titel bei der Skiflug-WM 2020 stellt.
Horngacher betont jedoch, dass ihm die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team mindestens ebenso wichtig ist wie einzelne Medaillenerfolge. „Das sind alles bleibende Momente, die herausragend waren“, so der scheidende Bundestrainer, der eine Rangliste besonderer Ereignisse bewusst vermeidet.
Persönlichkeit und Führungsstil: Ruhig, analytisch und konfliktfähig
2019 übernahm der Österreicher Horngacher den Posten von seinem Landsmann Werner Schuster. Anders als sein extrovertierter Vorgänger trat Horngacher eher introvertiert auf, doch seine ruhige, analytische und offene Art fand ebenfalls großen Anklang. Er scheute sich nicht vor öffentlicher Kritik an einzelnen Springern und ging Konflikten nicht aus dem Weg.
Besonders deutlich wurde dies im Verhältnis zu Olympiasieger Philipp Raimund. Vor der Weltmeisterschaft in Trondheim kam es zu erheblichen Spannungen zwischen Trainer und Athlet. „Es hat wirklich gekracht vor der WM in Trondheim, danach hat man sich ausgesprochen“, berichtete Raimund später. Diese Auseinandersetzung trug letztlich zur positiven Entwicklung des 25-Jährigen zum deutschen Vorzeigespringer bei.
Der ungelöste Makel: Das Vierschanzentournee-Dilemma
Trotz aller Erfolge bleibt ein bedeutender Makel in Horngachers Bilanz: Der seit 2002 andauernde Vierschanzentournee-Fluch konnte auch unter seiner Führung nicht gebrochen werden. Seit Sven Hannawalds Triumph wartet der Deutsche Skiverband (DSV) vergeblich auf einen weiteren Sieg bei diesem Traditionsevent.
„Das war schon immer unser Hauptfokus. Das wird von allen erwartet“, räumt Horngacher ein. „Leider konnten wir die Erwartungen nicht erfüllen.“ Der scheidende Bundestrainer hofft nun, dass sein Nachfolger diese Mission erfolgreich abschließen kann: „Ich hoffe, dass es mein Nachfolger schafft. Das würde ich ihm echt wünschen.“
Zukunftsperspektiven für das deutsche Team
Obwohl die vergangene Saison insgesamt durchwachsen verlief, sieht Horngacher das deutsche Skispringen gut aufgestellt. „Das deutsche Team wird auch nächstes Jahr sehr stark sein. Davon bin ich überzeugt“, erklärt er optimistisch.
Für den neuen Bundestrainer werden jedoch bedeutende Herausforderungen anstehen:
- Die etablierten Springer wie Andreas Wellinger (30), Karl Geiger (33) oder Pius Paschke (35) müssen zurück in Topform gebracht werden
- Junge Talente müssen systematisch ins Team integriert und auf Übernahme-Verantwortung vorbereitet werden
- Eine ausgewogene Mischung aus Erfahrung und Nachwuchs muss gefunden werden
Horngacher weist darauf hin, dass die jüngeren Sportler derzeit noch nicht in der Lage seien, ganz vorne mitzuspringen. Der Deutsche Skiverband hat noch keine Entscheidung über Horngachers Nachfolger bekanntgegeben, doch in den kommenden Wochen soll eine entsprechende Verkündung erfolgen.
Persönliche Zukunftspläne: Im Skispringen bleiben, aber weniger reisen
Für seine eigene Zukunft hat Horngacher bereits klare Vorstellungen. „Ich werde definitiv im Skispringen bleiben“, betont er, auch wenn die genaue Rolle noch nicht feststeht. Wichtig ist ihm vor allem, künftig weniger zu reisen und mehr Zeit mit seiner Frau an der frischen Luft verbringen zu können.
Der als Rock-Fan und Gitarrist bekannte Horngacher sieht sich jedoch mit einem typischen Problem konfrontiert: „Leider habe ich zu viele Hobbys, die ich sehr gerne mache, aber zu wenig Zeit.“ Nach sieben intensiven Jahren als Bundestrainer freut er sich nun auf eine Phase mit mehr Freiraum für private Unternehmungen, bleibt aber seiner Sportart weiterhin eng verbunden.



