Berliner Freibäder bereiten sich auf die Sommersaison vor
Obwohl die aktuellen Temperaturen noch nicht an sommerliche Badefreuden denken lassen, laufen in den Berliner Freibädern die Vorbereitungen für die kommende Saison bereits auf Hochtouren. Während überall geschrubbt, repariert und vorbereitet wird, bleibt die Diskussion um Sicherheitsmaßnahmen wie die Ausweispflicht weiterhin aktuell.
Eröffnungstermine und umstrittene Sicherheitsvorkehrungen
Erste Berliner Freibäder – darunter das Sommerbad Kreuzberg, das Strandbad Wannsee und das Kombibad Seestraße – planen ihre Öffnung für Anfang Mai. Wie bereits in den Vorjahren gilt auch für diese Saison die umstrittene Ausweispflicht, die nach gewalttätigen Vorfällen im Jahr 2023 eingeführt wurde. In mehreren Badeanstalten kommen zusätzlich Videoüberwachungsanlagen im Eingangsbereich zum Einsatz.
Die Berliner Datenschutzbeauftragte hat diese Maßnahmen kritisiert und den Berliner Bäder-Betrieben eine Verwarnung ausgesprochen. Der Badbetreiber wehrt sich gegen diese Einschätzung und hat den Fall vor Gericht gebracht. Das Verwaltungsgericht Berlin wird die Angelegenheit am 6. Mai – nur wenige Tage nach Saisonbeginn – verhandeln.
Polizeistatistiken aus der vergangenen Saison
Wie stellt sich die Sicherheitslage in der Praxis dar? Ein Blick auf die Zahlen aus dem Sommer 2025 gibt Aufschluss:
- Polizeieinsätze: Zwischen dem 15. Mai und 7. September 2025 verzeichnete die Berliner Polizei 346 Einsätze mit dem Stichwort „Sommerbad“. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 295 Einsätze.
- Straftaten: In der Saison 2025 registrierte die Polizei insgesamt 208 Straftaten in oder vor Berliner Freibädern. Dabei handelte es sich häufig um Diebstähle – auch von Fahrrädern im Außenbereich – sowie um 46 Gewalttaten, überwiegend einfache Körperverletzungen.
- Hausverbote: Die Berliner Bäder erteilten in der gesamten Saison 2025 insgesamt 143 Hausverbote. Besonders betroffen waren das Freibad Pankow (26 Verbote) und das Sommerbad am Insulaner (24 Verbote). In 56 Fällen wurden Besucher beim unerlaubten Überklettern von Zäunen erwischt.
Bewertung der Ausweispflicht durch Beteiligte
Die Berliner Bäder-Betriebe betonen, dass seit Einführung der Ausweispflicht die Zahl der Zwischenfälle deutlich zurückgegangen sei. „Durch die Ausweispflicht können wir im Zweifelsfall Personalien feststellen und bei Vorfällen wirksame Hausverbote aussprechen“, erklärt eine Sprecherin. Zudem seien online gekaufte Eintrittskarten nur in Verbindung mit einem Ausweisdokument gültig.
Auch die Polizei bestätigt einen Rückgang der Straftaten seit 2023, kann jedoch keinen direkten Zusammenhang mit der Ausweispflicht herstellen. Gleichzeitig weisen die Beamten darauf hin, dass die Kontrollen gelegentlich zu Konflikten zwischen Bademeisterpersonal und Besuchern führen können, die dann polizeiliche Hilfe erforderlich machen.
Diana Reimann, Badleiterin des Sommerbads Humboldthain, berichtet von einer gewissen Gewöhnung der Besucher an die Regelung: „Die Menschen haben sich inzwischen daran gewöhnt, Reibereien sind selten geworden.“ Das Freibad Humboldthain plant seine Eröffnung für den 1. Juni.
Videoüberwachung in ausgewählten Bädern
Seit 2023 sind in den Eingangsbereichen der Freibäder in Neukölln, am Insulaner, in Kreuzberg und Pankow Videoüberwachungsanlagen installiert. Im Jahr 2024 kam das Sommerbad Gropiusstadt hinzu. Nach Angaben der Bäder-Betriebe hat die Polizei die für 72 Stunden gespeicherten Videodaten bisher nur in Einzelfällen abgefragt.
Während die einen die Sicherheitsmaßnahmen als notwendigen Schutz vor Gewalt und Vandalismus verteidigen, kritisieren andere den Eingriff in die Privatsphäre der Badegäste. Die anstehende Gerichtsentscheidung im Mai könnte hierfür wichtige Weichen stellen.



