Deutsche Tennisfrauen vor historischem Tiefpunkt im Billie Jean King Cup
Die deutsche Tennisdamen-Nationalmannschaft steht im Billie Jean King Cup vor einer historisch negativen Zäsur. Nach dem deutlich verpassten Wiederaufstieg in die Weltgruppe droht dem Team nun sogar der Absturz in die dritte Spielklasse des prestigeträchtigen Nationenwettbewerbs. Die entscheidende Partie gegen Litauen am Samstag in Oeiras, Portugal, wird über das weitere Schicksal der deutschen Frauentennis-Riege bestimmen.
Trübe Gegenwart mit möglicher Verschlimmerung
Die aktuelle Situation des deutschen Frauentennis präsentiert sich beim Turnier in Portugal in düsteren Farben. Außenplätze ohne nennenswerte Tribünen, Zuschauerzahlen im niedrigen zweistelligen Bereich und offensichtliche spielerische Defizite zeichnen ein ernüchterndes Bild. Doch dieses Bild könnte sich am Samstag noch deutlich verdunkeln, sollte das unerfahrene DTB-Team die entscheidende Playdown-Partie gegen Litauen verlieren.
Teamchef Torben Beltz versucht trotz der bedrohlichen Lage Optimismus zu verbreiten. „Den Mädels ist bewusst, dass das ein Finale ist, und sie sind heiß und wollen das gewinnen“, erklärte der Bundestrainer im Gespräch. Sein ersatzgeschwächtes Team hatte zuvor die angestrebte Rückkehr in die Weltgruppe deutlich verfehlt, nachdem Niederlagen gegen Portugal und Schweden den Aufstieg vereitelten.
Historischer Absturz droht nach bereits erfolgtem Niedergang
Die mögliche weitere Talfahrt wäre historisch beispiellos. Bereits im vergangenen Jahr war die deutsche Mannschaft unter Beltz' Vorgänger Rainer Schüttler erstmals seit 2012 in die zweitklassige Regionalgruppe Europa/Afrika I abgestiegen. Ein weiterer Abstieg in die Drittklassigkeit wäre jedoch ein absolutes Novum in der deutschen Tennisgeschichte.
Beltz hatte nach dem letzten Abstieg einen bewussten Umbruch eingeleitet, der auf Zukunftsinvestition setzt, aber nicht ohne Risiko ist. Die erfahrenen Spielerinnen Tatjana Maria und Laura Siegemund, beide 38 Jahre alt und ehemalige Top-100-Athletinnen, wurden für die Portugal-Partien trotz ihrer Verfügbarkeit und trotz des verletzungsbedingten Ausfalls von Hoffnungsträgerin Eva Lys nicht nominiert.
„So wie wir hier sind, ist das gut“, verteidigte Beltz seine Personalentscheidungen. „Die Mädels haben es verdient, hier zu spielen und Erfahrungen zu sammeln.“
Pflichtaufgabe gegen unterlegenen Gegner
Auf dem Papier erscheint die Partie gegen Litauen als machbare Aufgabe für das deutsche Perspektivteam. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Litauens Nummer eins, Justina Mikulskyte, rangiert auf Platz 255 der Weltrangliste. Beim Vorrundenspiel gegen Serbien trat mit Iveta Dapkute sogar die 805. der Welt an. Zum Kader gehört zudem die 14-jährige Kamile Seliukaite, die überhaupt noch keine Erfahrung auf Tour-Level sammeln konnte.
Im Vergleich dazu führt Ella Seidel als Deutschlands Nummer eins die Mannschaft an und belegt Platz 85 der Weltrangliste. Als zweite Einzelspielerin wird voraussichtlich Noma Noha Akugue (Platz 192) antreten.
„Natürlich sind wir laut Ranking der Favorit und wollen dieser Rolle auch gerecht werden“, stellte Beltz klar. Der immense Druck auf die junge Mannschaft ist jedoch allgegenwärtig. Dass das Team diesem Druck standhalten kann, konnte es in den Vorrundenpartien nicht durchgängig unter Beweis stellen.
Letzte Chance vor weiterem Niedergang
Dank des 2:0-Siegs über Dänemark ging Deutschland immerhin als Vorrundendritter in die Playdowns. Zwei Einzel und gegebenenfalls ein entscheidendes Doppel stehen nun an, um die Zukunft des deutschen Frauentennis im Billie Jean King Cup zu bestimmen.
Sollte der Klassenerhalt gelingen, bietet sich im nächsten Jahr erneut die Möglichkeit, dem ernüchternden Status quo zu entfliehen. Die Rückkehr in die Weltgruppe, Spiele in angemessenen Stadien und Begegnungen mit internationaler Spitzenkonkurrenz bleiben selbst in diesen schwierigen deutschen Tenniszeiten der klare Anspruch des Deutschen Tennis Bundes.
Beltz betonte zwar: „Wir denken noch nicht darüber nach, was passieren würde, wenn wir verlieren. Wir wollen rausgehen und mit einer guten Energie das Ding holen.“ Doch im Hintergrund lauert die historische Drohung eines weiteren, diesmal noch tieferen Absturzes, der das deutsche Frauentennis auf ein neues Tief führen würde.



