Deutsches Frauen-Tennis erlebt historisches Tief: Abstieg und Qualifikations-Aus
Historisches Tief im deutschen Frauen-Tennis

Deutsches Frauen-Tennis erlebt historisches Tief

Es war ein Wochenende, das in die Annalen des deutschen Frauen-Tennis eingehen wird – allerdings aus den falschen Gründen. Innerhalb weniger Stunden erlebte der deutsche Damen-Tennissport gleich zwei herbe Rückschläge, die die aktuelle Krise des einst so erfolgreichen Sports deutlich machen.

Doppelte Niederlage für das deutsche Team

In Portugal stieg das deutsche Billie-Jean-King-Cup-Team innerhalb von nur fünf Monaten zum zweiten Mal ab. Nachdem die Mannschaft bereits aus der Weltgruppe gefallen war, musste sie nun auch den Abstieg aus der Regionalgruppe I hinnehmen und findet sich damit in der Regionalgruppe II wieder. Dieser sportliche Tiefpunkt markiert wahrscheinlich den schwärzesten Moment in der Geschichte des deutschen Frauen-Tennis.

Parallel dazu verlief die Qualifikation für den prestigeträchtigen Porsche Grand Prix in Stuttgart katastrophal. Von allen deutschen Spielerinnen, die über die Qualifikation ins Hauptfeld gelangen wollten, schaffte es nur eine einzige in die zweite Runde – und das auch nur, weil sie gegen eine andere Deutsche antrat. Anna-Lena Friedsam besiegte Jule Niemeier, scheiterte dann aber ebenfalls. Für Victoria Pohle, Eva Bennemann und Julia Stusek war bereits in der ersten Qualifikationsrunde Schluss.

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Junge Talente können nicht überzeugen

Teamchef Torben Beltz, der bei diesem Turnier seine Premiere als Verantwortlicher feierte, hatte bewusst auf ein junges Team gesetzt, um in die Zukunft zu investieren. Doch die erhofften Erfolge blieben aus. „Das Ergebnis entspricht nicht dem Anspruch, den wir für das deutsche Damen-Tennis haben“, musste Beltz nach den enttäuschenden Leistungen eingestehen.

Besonders bitter: Mit Ella Seidel und Noma Noha Akugue waren zwei Spielerinnen im Team, die bereits seit mehreren Jahren auf der WTA-Tour aktiv sind, aber den endgültigen Durchbruch noch nicht geschafft haben. Auch Tessa Brockmann und die lange verletzte Nastasja Schunk warten weiter auf ihre ersten großen internationalen Erfolge.

Fehlende Top-Spielerinnen verschärfen die Krise

Die Situation wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass mit Eva Lys, Laura Siegemund und Tatjana Maria die drei besten deutschen Spielerinnen beim Billie-Jean-King-Cup fehlten. Lys musste krankheitsbedingt passen, was die ohnehin schwierige Ausgangslage weiter verschlechterte.

Laura Siegemund, die selbst beim Porsche Grand Prix über ihr Ranking für das Hauptfeld qualifiziert ist, kommentierte die Niederlagen in Portugal deutlich: „Rein vom Papier her müssen diese Matches gewonnen werden.“ Gemeint waren die Begegnungen gegen Portugal, Litauen und Schweden – Nationen, die international im Tennis keine bedeutende Rolle spielen.

Verband setzt auf langfristige Strategie

Veronika Rücker, Leistungssport-Direktorin beim Deutschen Tennis-Bund, versucht die aktuelle Krise in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Sie verwies auf den langfristigen Plan des Verbandes, bis 2032 jeweils acht bis zehn deutsche Spielerinnen und Spieler in den Top 100 der Weltranglisten zu platzieren.

Das nächste konkrete Ziel ist allerdings näherliegend: 2027 soll die Rückkehr in die Regionalgruppe I des Billie-Jean-King-Cups gelingen. Dies wäre der erste wichtige Schritt für eine Trendwende im deutschen Frauen-Tennis, das dringend wieder an frühere Erfolge anknüpfen muss.

Beim Porsche Grand Prix in Stuttgart werden ab Montag immerhin fünf deutsche Spielerinnen im Hauptfeld vertreten sein: Tatjana Korpatsch, Noma Noha Akugue und Ella Seidel dank Wildcards sowie Eva Lys und Laura Siegemund über ihre Weltranglistenposition. Doch die jüngsten Ergebnisse zeigen deutlich, dass der deutsche Frauen-Tennissport vor einer großen Herausforderung steht.

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