Zwischen Lasagne und Leistungssport: Zwei SSC-Stars geben Einblicke in ihre WG in Schwerin
Block-Monster und Punkte-Garantin – beim SSC Palmberg Schwerin sorgen Suus Gerritsen und Helena „Jet“ Kok für Furore auf dem Volleyball-Feld. Während sie ihren Gegnerinnen das Leben zur Hölle machen, geht es in ihrer Wohngemeinschaft in Schwerin deutlich ruhiger zu. Die Redaktion sprach mit der einzigen WG im SSC-Kosmos über Alltag, Ziele und das besondere Miteinander.
Gemeinsamer Weg von Papendal bis zur WG in Schwerin
„Wir kennen uns schon lange, aber hier in Schwerin in einer WG völlig selbstständig zu leben, das ist für uns neu“, erzählt die 20-jährige Suus Gerritsen. Sie spielte mit Jet Kok vor ihrem Wechsel zum SSC beim niederländischen Verein Dynamo Apeldoorn und wurde 2025 gemeinsam Pokalsieger. „Einige Fotos von dieser tollen Zeit hängen bei uns im Wohnzimmer“, sagt Suus. Der Weg der beiden weist schon länger Parallelen auf. „Kennengelernt haben wir uns im Sportzentrum Papendal. Ich bin zwar ein Jahr älter als Suus, aber wir haben schon zusammen in Jugendnationalteams gespielt“, erläutert Jet Kok.
Alltag in der WG: Sauberkeit, Kochen und Studium
Und wie sieht das WG-Leben der Powerfrauen konkret aus? „Jede von uns hat ihr eigenes Zimmer. Dazu kommt unser gemeinsames Wohnzimmer, die Küche und ein Bad. Wenn die Sonne scheint, kommt noch der Garten ins Spiel“, so Kok. Dorthin laden sie auch gerne ihre Mitspielerinnen ein. „Wir lernen hier nicht so viele Leute abseits der Volleyball-Welt kennen. Zum Glück haben wir einen sehr guten Teamspirit und den leben wir auch gerne in der Freizeit aus“, erläutert Gerritsen.
Ein heikles WG-Thema ist generell die Sauberkeit. Die beiden lachen. „Es muss bei uns ordentlich sein, aber nicht übertrieben sauber. In der Küche läuft es meist so: Wer gekocht hat, muss nicht zwingend anschließend aufräumen. Das hat sich gut eingespielt.“ Und was wird gekocht? „Natürlich gibt es bei uns relativ häufig Pasta mit Pesto“, antwortet Jet. Das typische Athleten-Futter also. „Wir lieben aber auch Chicken Terriyaki mit Reis oder zum Beispiel Lasagne.“ Wer ist denn die Lasagne-Spezialistin? Suus und Jet tauschen Blicke aus. „Um ehrlich zu sein – meine Mutter“, sagt Jet schließlich. „Wir schieben das Zeug nur in den Ofen.“
Studium und Ernährung im Fokus
Am Abend, wenn die letzte Trainingseinheit überstanden ist, passiert nicht viel, bestätigen beide. Zumal auch Zeit fürs Studium benötigt wird. Jet: „Ich studiere Ernährungswissenschaften an der Uni in Wageningen. Abends muss ich mich Online-Seminaren widmen.“ Suus nickt. „Ich mache ein reines Online-Fernstudium. Auch bei mir geht es um Ernährung.“ Da sich beide bei dem Thema so gut auskennen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass gewisse holländische Spezialitäten auf dem Speiseplan gänzlich fehlen. „Frikandel, Bitterballen und Pommes mit Mayo kommen bei uns nicht auf den Tisch“, bestätigt Suus.
Trainer prognostiziert Weltklasse-Karrieren
SSC-Coach Felix Koslowski, der die beiden auch im Kader der Nationalmannschaft fördert, ist voll des Lobes. Über Jet Kok sagt er: „Sie ist physisch schon unfassbar stark. Sie hat im Sprung und im Schlag extrem viel Kraft. Wenn sie so weiter macht, wird sie sich in zwei, drei Jahren vor Angeboten von Top-Clubs kaum noch retten können.“ Er ergänzt, dass die 1,87 Meter große Kok ihre Schläge im Optimalfall auf einer Höhe von knapp 3,20 Metern abfeuern kann. Damit liegt sie fast einen Meter über der Netzkante.
Er lobt ausdrücklich beide und spricht von absoluter Hingabe für den Sport, die ihm das Leben als Coach leicht mache. „Die beiden sind zu jeder Extraschicht bereit, wollen sich immer weiter verbessern.“ Über Mittelblockerin Suus Gerritsen sagt er explizit: „Sie ist noch jung, sehr ehrgeizig und 1,95 Meter groß. Für diese beachtliche Länge ist sie äußerst beweglich und dynamisch. Sie wird in der Nationalmannschaft eine feste Größe werden und für eine internationale Karriere stehen auch ihr schon bald viele Türen offen.“
Ziele: Deutscher Meister und Olympia 2028 in Los Angeles
Durch die Köpfe der Talente geistern schon einige konkrete Ziele. „Deutscher Meister mit Schwerin zu werden – das wäre natürlich gigantisch. Und eines Tages vielleicht mal in Italien aufzuschlagen – da hätte ich auch nichts dagegen“, gesteht Gerritsen. Jet Kok ergänzt: „Außerdem träumen wir natürlich von den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.“ In Paris waren beide – anders als der Ur-Schweriner Koslowski – noch nicht Teil des Spektakels.
Aktuell dreht sich alles um Spiel 2 gegen Suhl. Nach der knappen Niederlage in Thüringen geht es am Mittwoch ab 18 Uhr in der Palmberg Arena in Schwerin um sein oder nicht sein. „Ich will nicht, dass unser Weg vor unseren Fans vorzeitig zu Ende geht“, sagt Suus. „Wir wollen ins Finale“, sind sich die WG-Freundinnen einig. Und falls es dieses Jahr nicht klappen sollte, bietet sich kommende Saison zum Glück die nächste Chance. Die Verträge von Suus und Jet gelten auch für die Spielzeit 2026/27.



