Gold für Eiskunstläufer: Hase/Volodin auf dem WM-Thron
Jubel, Tränen und ein nächtliches Selfie um 1.40 Uhr: Minerva Hase und Nikita Volodin haben sich mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft im Paarlaufen einen langgehegten Traum erfüllt. In der goldenen Stadt Prag krönten die beiden deutschen Eiskunstläufer eine außergewöhnliche Saison mit dem höchsten Titel – und lassen nun die Frage nach ihrer gemeinsamen Zukunft offen.
Ein Traum wird Wirklichkeit
„Es war mein Traum, Weltmeister zu werden“, gestand Nikita Volodin nach der beeindruckenden Leistung in der tschechischen Hauptstadt. Für den gebürtigen Russen, der seit August des vergangenen Jahres die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, erfüllte sich damit ein Kindheitswunsch. „Meine Mutter hat mir vor dem Wettbewerb eine Nachricht geschickt über etwas, was ich in der ersten Klasse gesagt habe: Ich will Weltmeister werden. Damals hat man nicht gedacht, dass das möglich ist – und jetzt ist es passiert.“
Minerva Hase, bei der nach der Medaillenentscheidung Tränen flossen, sprach von einem „unglaublichen Gefühl“. „Das ist das Größte, was sich jeder wünscht“, sagte die 26-Jährige. Nach Bronze 2024 im kanadischen Montreal und Silber 2025 in Boston vervollständigte das Duo nun seine Medaillensammlung bei Weltmeisterschaften – bemerkenswerterweise erst nach dreieinhalb Jahren als Eiskunstlauf-Paar.
Begeisternde Atmosphäre in Prag
Schon früh in ihrem WM-Kürprogramm sorgten Hase und Volodin für eine elektrisierende Stimmung in der Prager Arena. „Das Publikum war unglaublich“, schwärmte Hase. „Nach unserer Sprungkombination konnten wir unsere Musik nicht mehr hören, weil es so laut war. Sie haben uns heute so viel Kraft gegeben, und es fühlte sich so leicht an, das Programm durchzulaufen.“
Auch ein kleiner Patzer beim geplanten dreifachen Salchow konnte die Stimmung nicht trüben. Weil die Konkurrenz zuvor ebenfalls Fehler gemacht hatte, konnte sich das deutsche Duo den kleinen Ausrutscher erlauben und den Vorsprung aus dem Kurzprogramm sogar ausbauen. Besonders bemerkenswert: Der Sieg gelang in Abwesenheit der japanischen Olympiasieger Riku Miura und Ryuichi Kihara, die auf den Saisonabschluss verzichtet hatten.
Ende einer achtjährigen Durststrecke
Mit dem WM-Titel beendeten Hase und Volodin eine acht Jahre währende Durststrecke für den deutschen Paarlauf. Das letzte deutsche Eiskunstlauf-Gold holten Aljona Savchenko und Bruno Massot 2018 in Mailand. „Sie sind große Vorbilder“, sagte Hase mit Blick auf die legendären Vorgänger.
Nun hoffen die beiden Weltmeister, dass ihr Erfolg einen neuen Eiskunstlauf-Hype in Deutschland auslöst. „So viel Unterstützung wie hier in Prag haben wir noch nie gespürt“, betonte Hase. „Wir sehen es auf Instagram und in den Medien, aber es bei einem Wettkampf tatsächlich zu erleben, ist etwas ganz anderes.“ Das Duo möchte „diesen Hype in Deutschland aufrechterhalten und den Sport wieder groß machen“ – in der Hoffnung, dass auch das Sponsoring für Athletinnen und Athleten wieder besser wird.
Die offene Zukunftsfrage
Trotz des triumphalen Erfolgs bleibt eine wichtige Frage unbeantwortet: Wie geht es für Hase und Volodin gemeinsam weiter? „Wir haben gerade erst die Weltmeisterschaften hinter uns gebracht, daher hatten wir noch keine Zeit, um über die Zukunft zu sprechen“, erklärte Hase. Die gebürtige Berlinerin hatte vor der WM angekündigt, die Entscheidung auch vom Trainingsumfeld in Berlin abhängig zu machen.
„Wir werden auch etwas Zeit abseits des Eises haben, um darüber nachzudenken, was wir brauchen und was wir wollen“, sagte sie und kündigte Gespräche mit allen Beteiligten an. „Dann werden wir schauen, wie es weitergeht oder ob es überhaupt weitergeht. Wir lassen es offen.“
Optimismus im Verband
Innerhalb der Deutschen Eislauf-Union herrscht nach wie vor Zuversicht. „Es ist ein junges Eiskunstlauf-Paar, das in drei Jahren Unglaubliches erreicht hat“, sagte Sportdirektor Jens ter Laak. „Sie sind jung genug, um auch noch in vier Jahren Weltklasse zu sein.“
Zumindest direkt nach der Kür-Darbietung machte Volodin allen Fans große Hoffnung auf eine Fortsetzung. Vielleicht sei der WM-Titel ein guter Start einer gemeinsamen Reise, sagte er im Siegerinterview. Für den Moment jedoch genießen die beiden Weltmeister ihren Triumph – und das Selfie mit der Goldmedaille in den frühen Morgenstunden.



