Forscher untersuchen Gehirnaktivität bei Go-Spiel: Elektroden-Experiment in Jena
Gehirnaktivität bei Go-Spiel: Elektroden-Experiment in Jena

Gehirnaktivität bei Go-Spiel: Jenaer Forscher starten Elektroden-Experiment

Das asiatische Brettspiel Go gilt als eines der komplexesten Strategiespiele der Welt. Nun wollen Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena genau erforschen, was im Gehirn von Spitzenspielern während einer Partie vor sich geht. Dazu starten sie ein außergewöhnliches Experiment, bei dem acht Spielerinnen und Spieler der europäischen Go-Elite mit Elektroden am Kopf verkabelt werden.

Blutfluss und Sauerstoffversorgung im Fokus

Die Forscher verfolgen mit modernster Messtechnik, wie sich während des Spiels der Blutfluss im Gehirn verändert und welche Hirnregionen in bestimmten Spielsituationen stärker mit Sauerstoff versorgt werden. „In jeder Go-Partie gibt es durch Fehler hervorgerufene Wendepunkte, in denen sich die Dominanzverhältnisse auf dem Spielbrett verändern“, erklärt die klinische Psychologin Ilona Croy von der Universität Jena. „Macht ein Spieler einen Fehler und ärgert sich darüber, dann sieht man das auch im Gehirn.“

So könne beispielsweise nachvollzogen werden, was während eines Spielfehlers im Denkzentrum passiert. Die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse über kognitive Prozesse bei höchster geistiger Anstrengung.

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Projektinitiatorin ist selbst Weltmeisterin

Initiiert wurde das Projekt von der Jenaer Bioinformatikerin und erfahrenen Go-Spielerin Manja Marz. Die Professorin sitzt den Angaben zufolge selbst am Spielbrett und wurde erst vor wenigen Wochen in Tokio Weltmeisterin der Amateure. „So erfahre ich vielleicht, wie lange ich mir nach einem Fehler für den nächsten Zug Zeit lassen sollte, bis das rationale Zentrum meines Gehirns wieder die Kontrolle übernommen hat“, sagte Marz zu ihrer Motivation.

Untersuchung von Geschlechterunterschieden

Ein besonderer Fokus des Experiments liegt auf Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Die Forscher wollen untersuchen:

  • Ob die Gehirne von Männern und Frauen bei langfristiger geistiger Höchstleistung unterschiedlich funktionieren
  • Ob Männer oder Frauen besser auf Reserven im Gehirn zurückgreifen können
  • Wie schnell sich die Geschlechter von kognitiven Belastungen erholen

Die Ergebnisse könnten nicht nur für das Verständnis von Go-Spielen relevant sein, sondern auch allgemeine Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Unterschiede in kognitiven Prozessen liefern.

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