Eisiger Winter stoppt Ausbreitung der gefürchteten Killerqualle in der Ostsee
Kalter Winter stoppt Killerqualle in der Ostsee

Eisiger Winter stoppt Ausbreitung der gefürchteten Killerqualle in der Ostsee

Nach Jahren rasanter Ausbreitung und großer Sorge um die Fischbestände hat die invasive Rippenqualle Mnemiopsis leidyi, auch als „Killerqualle“ bekannt, in der Ostsee einen dramatischen Rückschlag erlitten. Der eisige Winter 2025/26 mit seinen gefrorenen Buchten und tiefen Temperaturen hat die Population des gefräßigen Räubers drastisch reduziert, wie Meeresforscher jetzt berichten.

Drastischer Rückgang nach Expeditionen

Das dänische Forschungsschiff „Dana“ entdeckte bei seiner jüngsten Expedition nur noch vereinzelte Exemplare der Rippenqualle. Missionsleiterin Marie Storr-Paulsen erklärte dem Rundfunk DR, dass nach mehreren explosionsartigen Vermehrungsphasen nun eine unerwartete Talsohle erreicht wurde. Die Forscher hatten in den Vorjahren Rekordzahlen gemeldet und eine dauerhafte Etablierung der Art befürchtet.

Ursprung und Ausbreitung der invasiven Art

Die Rippenqualle stammt ursprünglich von der amerikanischen Ostküste und gelangte über das Ballastwasser von Frachtschiffen zunächst ins Schwarze Meer und später in die Ostsee. In der Ostsee fehlten ihr natürliche Feinde, was zu einer nahezu ungebremsten Ausbreitung führte. Besonders der Kabeljau, einst Symbolfisch der Ostsee, litt unter der gierigen Quallenart, die nicht nur Zooplankton, sondern auch Fischlarven und Eier verschlingt.

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Biologische Besonderheiten und Wachstum

Die Rippenqualle ist ein Zwitter, der sich selbst befruchten kann – aus einem einzelnen Tier können so innerhalb eines Monats bis zu 10.000 Nachkommen entstehen. Milde Winter begünstigten dieses explosive Wachstum in den vergangenen Jahren. Ein fotografischer Beweis zeigt sogar kannibalistisches Verhalten: Larven der sogenannten Meerwalnuss wurden im Innern erwachsener Tiere gefunden, was die extreme Anpassungsfähigkeit der Art unterstreicht.

Historische Parallelen und langfristige Gefahr

Bereits im Winter 2011/12 war ein ähnlicher Zusammenbruch der Population beobachtet worden, als Teile der Ostsee zufroren. Trotz des aktuellen Rückgangs geben Forscher keine Entwarnung. Die Rippenqualle besitzt extreme Überlebensfähigkeiten: Bei Nahrungsmangel kann sie ihren Körper schrumpfen, Energie sparen und auf bessere Bedingungen warten.

Ökosystemare Bedrohung ohne natürlichen Gegenspieler

Wie gefährlich die Art werden kann, zeigt das Beispiel des Schwarzen Meeres: In den 1980er Jahren brachte Mnemiopsis leidyi dort das Ökosystem an den Rand des Kollapses, die Sardellenfischerei brach zusammen und eine ganze Küstenwirtschaft geriet ins Wanken. Erst das Auftauchen ihres Fressfeinds, der Melonenqualle Beroe ovata, beendete das Desaster. In der Ostsee ist bislang kein natürlicher Gegenspieler in Sicht, und Wissenschaftler warnen, dass bei erneuter Erwärmung des Wassers die Bestände der Killerqualle rasch zurückkehren könnten.

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