Kulinarische Höhenflüge: So wird die Artemis-2-Crew im All bekocht
Was steht bei Astronauten auf dem Speiseplan, wenn sie durch den Weltraum reisen? Die Antwort kommt direkt aus der Küche des Johnson Space Centers der NASA in Houston. Von zarter Rinderbrust über würziges Hühnchen mit Salsa bis hin zu cremigen Makkaroni mit Käse – die Artemis-2-Crew wird während ihrer zehntägigen Mondreise kulinarisch verwöhnt. Besonders zum Abendessen gibt es besondere Köstlichkeiten.
Die Wissenschaft hinter der Weltraumverpflegung
Verantwortlich für diese außergewöhnliche Verpflegung ist Wissenschaftlerin Xulei Wu, die Leiterin des Labors für Weltraumnahrungssysteme der NASA. Die Gerichte werden nicht klassisch serviert, sondern in speziellen Beuteln verpackt, gefriergetrocknet und erst im All mit Wasser und Hitze wieder essbar gemacht. „In der Schwerelosigkeit gibt es keine Teller“, erklärt Wu die praktischen Herausforderungen.
Das Essen hat jedoch nicht nur eine praktische Funktion. Bereits seit den Apollo-Missionen wissen Forscher, dass gute Verpflegung entscheidend für Leistung und Psyche der Astronauten ist. Heute umfasst das Angebot rund 200 verschiedene Speisen, die bis zu mehreren Jahren haltbar sind. Allerdings gelten im All besondere Regeln:
- Krumel sind streng tabu, deshalb gibt es statt Brot meist Tortillas
- Der Geschmack kann sich verändern, weil sich Körperflüssigkeiten im Kopf sammeln und den Geruchssinn beeinflussen
- Alle Speisen müssen speziell verpackt und vorbereitet werden
Intensive Vorbereitung und persönliche Vorlieben
Obwohl die Artemis-II-Mission nur zehn Tage dauert, probierten die Astronauten im Vorfeld alle 200 angebotenen Produkte in vier einstündigen Sitzungen vor ihrem Flug, wie Wu erklärt. „Es ist unmöglich, ein Standardmenü zu erstellen, das allen schmeckt, aber es gibt immer Verbesserungspotenzial“, so die Wissenschaftlerin. Sie wollte sicherstellen, dass nichts mitgenommen wird, was die Crewmitglieder auf dem Flug nicht essen würden.
Moderne Weltraumküche: Vom Heißwasser zur High-Tech-Erwärmung
Die Zeiten von einfacher Tuben-Nahrung sind längst vorbei. Die Weltraumküche ist heute deutlich vielfältiger und anspruchsvoller. „Wir müssen auch im Weltraum Gemüse essen, aber keine Sorge, es gibt auch Nudeln mit Käse“, berichtete Astronautin Christina Koch während einer früheren Mission.
Gekocht wird allerdings nicht klassisch, denn offenes Kochen ist im All unmöglich. Stattdessen hat die Crew ihre Mahlzeiten mit einem neuen Gerät erwärmt, das speziell für die „Orion“-Kapsel entwickelt wurde. Dieses Gerät erreicht 85 Grad Celsius und erwärmt Speisen und Getränke auf 68 bis 79 Grad Celsius – eine deutliche Verbesserung gegenüber den Apollo-Zeiten, als Astronauten ihre Speisen mit einfachen Heißwasser-Pistolen aufwärmten.
Die Mahlzeiten werden in speziellen Beuteln mit einem Hightech-Gerät erwärmt, das Speisen innerhalb von rund 15 Minuten auf Temperatur bringt. Der sogenannte Speisenwärmer läuft inzwischen fast den ganzen Tag, auch wenn das viel Energie kostet. „Wenn die Besatzung ihn jedes Mal öffnet, gelangt Wärme in die Kabine, die wir dann kühlen müssen“, erklärt NASA-Manager Paul Boehm die thermischen Herausforderungen.
Zukunft der Weltraumnahrung: Vorbereitung auf Mars-Missionen
Für die Zukunft wird weiter intensiv geforscht. Für lange Missionen – etwa zum Mars – arbeiten Wissenschaftler bereits an neuen Methoden, um Lebensmittel noch länger haltbar zu machen und die Ernährung der Astronauten über Monate oder Jahre hinweg sicherzustellen. Die Entwicklung der Weltraumnahrung ist damit ein kontinuierlicher Prozess, der mit jeder Mission neue Erkenntnisse und Verbesserungen bringt.
Die Artemis-2-Mission markiert nicht nur einen wichtigen Schritt in der Raumfahrt, sondern zeigt auch, wie sich die Verpflegung von Astronauten von einfacher Notnahrung zu einer ausgewogenen, abwechslungsreichen und psychologisch wichtigen Komponente der Raumfahrt entwickelt hat.



