Artemis II: Historischer Countdown zur ersten bemannten Mondmission seit 1972
Erstmals seit der Mission »Apollo 17« im Dezember 1972 startet die US-Raumfahrtbehörde NASA eine bemannte Mondmission. Unter dem Projektnamen Artemis II begeben sich drei Astronauten und eine Astronautin im Orion-Raumschiff auf eine rund zehntägige Flugbahn, die den Mond umrunden wird. Die Mission markiert einen Meilenstein in der modernen Raumfahrt und dient als entscheidender Test für zukünftige Mondlandungen.
Vorbereitungen am Startplatz in Florida
Am Kennedy Space Center in Florida laufen die finalen Vorbereitungen auf Hochtouren. Die 98 Meter hohe SLS-Rakete (Space Launch System) wurde mit über 700.000 Gallonen Treibstoff betankt, darunter 144 Tonnen flüssiger Wasserstoff und 847 Tonnen flüssiger Sauerstoff. Trotz aufziehender Wolken und erwartetem Regen bleibt die Startwahrscheinlichkeit bei 80 Prozent, da keine Gewittergefahr besteht.
Die Crew, bestehend aus Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und Missionsspezialist Jeremy Hansen, hat bereits gefrühstückt und ihre ikonischen orangefarbenen Raumanzüge angelegt. Sie liegen nun auf ihren Sesseln und werden von NASA-Mitarbeitern auf den Start vorbereitet, während Meteorologen ein finales Wetterbriefing geben.
Deutsche Technologie an Bord
Deutschland spielt eine zentrale Rolle bei dieser Mission. Das 13 Tonnen schwere Europäische Servicemodul, unter Leitung von Airbus in Bremen gebaut, sorgt für Antrieb, Energieversorgung und Lebenserhaltungssysteme. Zudem stellt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt Messgeräte zur Überwachung der Strahlenbelastung bereit.
Weitere deutsche Beiträge umfassen Sensoren von Jena-Optronik zur Orientierung des Raumschiffs und einen Kleinsatelliten aus Berlin von Neuospace, der die Strahlungsbeständigkeit von Elektronik testet. Diese Technologien sind entscheidend für den Erfolg der Mission und zukünftiger Weltraumflüge.
Diverse Crew und technologische Fortschritte
Die Besatzung von Artemis II ist historisch divers: Christina Koch ist die erste Frau, die die Erdumlaufbahn verlässt, Victor Glover der erste schwarze Astronaut auf einer Mondmission und Jeremy Hansen der erste Nichtamerikaner. Im Vergleich zu den Apollo-Missionen zeigt sich der technologische Fortschritt deutlich: Die Orion-Kapsel verfügt über Computer, die 20.000-mal schneller sind und einen 128.000-mal größeren Speicher haben.
Die Datenübertragung erfolgt mittels Laser mit 260 Megabit pro Sekunde, was HD-Videoübertragungen ermöglicht – ein großer Sprung gegenüber den körnigen Fernsehbildern der Apollo-Ära. Die Mission folgt einer hybriden freien Rückkehrbahn, bei der die Gravitation von Erde und Mond die Kapsel automatisch zurück zur Erde führt.
Ausblick auf zukünftige Missionen
Artemis II dient als Testlauf für spätere Mondlandungen, für die aktuell noch keine Raumfähren oder geeigneten Astronautenanzüge verfügbar sind. Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin arbeiten an Lösungen. Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat im Austausch für das Servicemodul drei Tickets für zukünftige Mondmissionen erhalten, wobei deutsche Astronauten wie Alexander Gerst und Matthias Maurer Hoffnungen auf einen Flug haben.
Der Startfenster beginnt um 22:24 Uhr mitteleuropäischer Zeit und dauert zwei Stunden. Mit Spannung verfolgt die Welt diesen historischen Moment, der die Rückkehr der Menschheit zum Mond einläutet.



