Vor 85 Jahren: Heinkel He 280 startete in Rechlin als erster zweistrahliger Düsenjäger
Heinkel He 280: Erster zweistrahliger Düsenjäger startete vor 85 Jahren

Vor 85 Jahren: Heinkel He 280 startete in Rechlin als erster zweistrahliger Düsenjäger

Am 30. März 1941 hob auf dem Versuchsgelände in Rechlin erstmals ein Flugzeug mit zwei Strahltriebwerken vom Boden ab – die Heinkel He 280. Testpilot Fritz Schäfer steuerte das neuartige Jagdflugzeug sicher über das Testgebiet. Dieser historische Moment markierte den Beginn einer technologischen Entwicklung, die die Luftfahrt dauerhaft verändern sollte.

Entwicklung in Rostock-Marienehe

Entwickelt wurde die He 280 in den Heinkel-Werken in Rostock-Marienehe. Firmengründer Ernst Heinkel hatte gemeinsam mit dem Physiker Hans Joachim Pabst von Ohain schon 1939 mit der He 178 das erste Düsenflugzeug der Welt vorgestellt. Mit dem Nachfolgemodell sollte nun ein kampffähiges Flugzeug entstehen, das auf Strahltriebwerke setzte, statt auf Kolbenmotoren und Propeller.

Von Schleppflügen zu Strahltriebwerken

Die Arbeiten an der He 280 begannen 1939. Da die benötigten Triebwerke zunächst nicht einsatzbereit waren, wurde das erste Versuchsmuster im September 1940 bei Rechlin als Segler getestet. Eine He 111 zog die Maschine im Schleppflug auf rund 4.000 Meter Höhe. Pilot Paul Bader konnte den antriebslosen Prototyp stabil fliegen und sicher landen – ein wichtiger Schritt, um Aerodynamik und Steuerverhalten zu prüfen.

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Erst als im Frühjahr 1941 die HeS-8-Triebwerke zur Verfügung standen, konnte die zweite Versuchsausführung (V2) angetrieben starten. Der kurze Flug endete ohne Störungen und bestätigte die grundlegende Funktionsfähigkeit eines zweistrahligen Düsenjägers.

Fortschritt und Risiko in der Erprobung

Die He 280 stellte die Ingenieure immer wieder vor neue Herausforderungen. Die Triebwerke erreichten nicht die gewünschte Leistung, und bei hohen Geschwindigkeiten kam es zu Schwingungen am Leitwerk. Gleichzeitig arbeiteten die Heinkel-Konstrukteure an einer technischen Neuerung, die die Sicherheit der Piloten deutlich verbessern sollte: dem Schleudersitz.

Das System war ab 1938 in den Rostocker Werken entwickelt worden und wurde in die He 280 eingebaut – ein Novum im Flugzeugbau. Es ermöglichte dem Piloten, sich mithilfe von Pressluft aus dem Cockpit katapultieren zu lassen und anschließend per Fallschirm zu landen.

Erste Rettung in der Luftfahrtgeschichte

Am 13. Januar 1943 kam der Schleudersitz in Rechlin erstmals unter realen Bedingungen zum Einsatz. Versuchspilot Rudolf Schenk befand sich mit seiner He 280 im Schlepp einer He 111, als sich in rund 2.000 Metern Höhe das Schleppseil nicht mehr ausklinken ließ. Die Maschine geriet ins Trudeln. Schenk löste das Rettungssystem aus, wurde durch Pressluft aus dem Cockpit geschleudert und schwebte mit dem Fallschirm unverletzt zu Boden. Das führerlose Flugzeug stürzte wenig später in ein Waldstück. Dieses Ereignis gilt als erste erfolgreiche Rettung mit einem Schleudersitz.

Das Rettungssystem wurde weiterentwickelt und kam später serienmäßig in der Heinkel He 219, einem Nachtjäger, zum Einsatz. Während des Zweiten Weltkriegs konnten sich dadurch rund 60 Besatzungsmitglieder vor dem Tod retten. Die Erprobung der Sitze erfolgte zunächst durch Ingenieure in Rostock und Rechlin. In der Folge wurden jedoch auch Häftlinge aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen zu Tests herangezogen.

Konkurrenz zur Me 262

Während die Versuche mit der He 280 andauerten, arbeitete auch Messerschmitt an einem eigenen Strahlflugzeug. Die Me 262 erwies sich als technisch stabiler und leistungsfähiger. Mit gepfeilten Tragflächen und den fortschrittlicheren Jumo-Triebwerken erreichte sie höhere Geschwindigkeiten. Das Reichsluftfahrtministerium entschied sich 1943, die Heinkel-Entwicklung zugunsten der Me 262 zu beenden.

Von der He 280 entstanden insgesamt zwölf Versuchsmuster, von denen neun tatsächlich fliegen konnten. Einige nutzte man später noch für Forschungszwecke, etwa zur Erprobung neuer Triebwerksarten.

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Bedeutung für die Luftfahrtgeschichte

Auch ohne Serienfertigung blieb die Heinkel 280 ein Meilenstein des Flugzeugbaus. Sie war das erste Flugzeug der Welt, das mit zwei Strahltriebwerken flog, und das erste, in dem ein Schleudersitz eingesetzt wurde. Es markierte den Übergang vom Propeller- zum Düsenzeitalter. Heute erinnern nur noch wenige Exponate und Dokumente an die Versuchsflüge von Rechlin – den Ort, an dem vor 85 Jahren ein Stück Luftfahrtgeschichte begann.