Tilos: Griechische Insel wird zum Vorbild für Zero Waste
Tilos: Griechische Insel wird zum Vorbild für Zero Waste

Urlauber auf kleinen Inseln kennen das Problem: überfüllte Mülleimer, die schnell stinken und das Urlaubsgefühl trüben. Auf Tilos, einer Insel in der Ägäis mit rund 900 Einwohnern, ist das anders. Hier gibt es kaum Abfall – denn die Insel recycelt nahezu ihren gesamten Müll. 2023 wurde sie dafür als „Zero Waste Certified City“ ausgezeichnet.

Das Geheimnis des Erfolgs

Der Kern des Erfolgs liegt in einem radikal umgestellten Müllsystem, wie TRAVELBOOK berichtet. Öffentliche Abfalltonnen gibt es auf Tilos nicht mehr. Stattdessen erhält jeder Haushalt spezielle Taschen, der Müll wird direkt abgeholt und per QR-Code erfasst. Mit einer App können die Bewohner ihren eigenen Recyclinganteil in Echtzeit verfolgen. Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, in der Abfälle vermieden oder wiederverwertet werden.

So funktioniert das System

Bioabfälle werden zu Dünger verarbeitet oder energetisch genutzt. Möbel und Elektrogeräte landen nicht auf der Deponie, sondern werden repariert, wiederverwendet oder in ihre Rohstoffe zerlegt. Nur was sich nicht recyceln lässt, wird verbrannt, um Energie zu gewinnen. Entwickelt wurde das System im Programm „Just Go Zero“, das gemeinsam mit europäischen Organisationen und lokalen Partnern umgesetzt wird.

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Die Maßnahmen zeigen Wirkung, sind aber an bestimmte Bedingungen geknüpft. Das Modell funktioniert vor allem, weil Tilos klein ist und vergleichsweise wenige Einwohner hat. Besonders in der Hochsaison, wenn viele Touristen die Insel besuchen, muss das System stabil bleiben.

Mehr als nur weniger Müll

Die Abfallstrategie ist Teil eines größeren Umbaus. Bereits zwischen 2015 und 2019 investierte Tilos in erneuerbare Energien. Ein Hybridkraftwerk aus Wind- und Solarenergie versorgt die Insel zeitweise nahezu vollständig mit Strom; überschüssiger Strom wird gespeichert. Ergänzt wird das durch einen Solarpark, und die Insel liefert sogar Energie an die Nachbarinsel Kos.

Auch andere griechische Inseln ziehen nach: Über die Initiative „GR-eco Islands“ fördert Griechenland seit 2023 ähnliche Projekte. Ziel sind erneuerbare Energien, bessere Infrastruktur und mehr Klimaschutz auf kleineren Inseln. Tilos gilt dabei als Vorbild, bleibt aber ein Sonderfall mit spezifischen Voraussetzungen.

Die Insel zeigt vor allem eines: Tourismus und ein deutlich reduzierter Umgang mit Abfall können zusammengehen – wenn Systeme konsequent umgesetzt werden.

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