Luxus auf vier Beinen: Warum Schafzucht in MV Tausende Euro einbringt
Ein leises Blöken mischt sich unter das aufgeregte Gemurmel der Zuschauer und Juroren, während sich die prächtigen Böcke im Vorführring in Position bringen. Ihre lockige Wolle glänzt makellos im grellen Licht der Auktionshalle, jedes Haar perfekt gestylt. Ein letzter prüfender Blick, ein kurzer Griff ins dichte Vlies – dann beginnt die Versteigerung. Am Rand steht Schäfer Michael Pundt aus Alt Meteln, die Hände fest ineinander verschränkt. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung ist die Anspannung deutlich spürbar. Auktionstage bleiben immer eine Herausforderung für die Nerven.
Schäfer aus Alt Meteln räumen bei Elite-Bockauktion ab
Doch genau auf diesen großen Bühnen der Zucht zeigt sich regelmäßig, welche Spitzenqualität in Mecklenburg-Vorpommern heranwächst. Die Agrargenossenschaft Lübstorf hat mit ihrer herausragenden Schafzucht erneut bundesweit für Aufsehen gesorgt. Auf der prestigeträchtigen Elite-Bockauktion im nordrhein-westfälischen Krefeld wurden ihre Tiere zu Höchstpreisen gehandelt – ein klarer Beleg für die kontinuierliche und erfolgreiche Zuchtarbeit über mehrere Generationen hinweg.
Bereits am Tag vor der Hauptauktion sicherten sich die Lübstorfer Böcke mehrere Gruppensiege und qualifizierten sich damit für die Auswahl um den begehrten Bundessieg. Dort errang ein Tier schließlich den Reservesieg. Auch bei der anspruchsvollen Züchtersammlung, bei der drei möglichst ausgeglichene und harmonische Böcke präsentiert werden müssen, gab es den Reservesieg für die Züchter aus Mecklenburg. Diese Erfolge sind keineswegs zufällig, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger, sorgfältiger Arbeit.
„Wir haben seit vielen Jahrzehnten einen sehr guten Schafbestand. Das ist der Verdienst von drei Generationen Arbeit. So etwas lässt sich nicht von heute auf morgen züchten“, erklärt der 38-jährige Schäfer Michael Pundt, der im Betrieb bereits in dritter Generation tätig ist.
Jahrzehntelange Tradition und modernes Know-how
Gemeinsam mit seinem Vater Jörg Pundt arbeitet Michael Pundt unermüdlich daran, die bereits erreichte Qualität nicht nur zu erhalten, sondern kontinuierlich weiter zu verfeinern. Obwohl die Routine längst eingekehrt sein müsste, bleibt die Aufregung vor jeder Auktion spürbar. „Es ist jedes Mal wieder ein Nervenkitzel“, gesteht der erfahrene Schäfer. Kein Wunder, denn oft entscheidet ein einziger Moment im Ring darüber, ob sich die mühevolle Arbeit eines ganzen Jahres auszahlt.
Dabei spielt nicht nur die reine Leistung eine Rolle, sondern auch das äußere Erscheinungsbild. Das Schwarzköpfige Fleischschaf mit seinem markanten dunklen Kopf und der dichten, hellen, fein gelockten Wolle ist nicht nur ein herausragender Leistungsträger, sondern auch ein echter Hingucker. Damit die Tiere im Ring optimal überzeugen können, werden sie im Vorfeld mit größter Sorgfalt gepflegt – allerdings immer nur an den Wollspitzen. „Das Auge kauft schließlich mit. Und damit die Schafe schön sauber bleiben, bekommen sie sogar einen speziellen Jutemantel angezogen, wenn sie frisch gewaschen sind“, berichtet Michael Pundt mit einem wohlwollenden Schmunzeln.
Selektion der Besten und wirtschaftlicher Erfolg
Jedes Jahr werden in Alt Meteln zwischen 600 und 700 Lämmer geboren, von denen etwa die Hälfte Böcke sind. „Wir suchen dann die 70 besten heraus. 35 davon gehen bereits als Lämmer weg, und die restlichen bleiben für die großen Auktionen“, erläutert der Schäfer den strengen Selektionsprozess. Am Ende schaffen es nur die allerbesten fünf Tiere zu den bedeutendsten Wettbewerben im ganzen Land.
Und selbst diese Spitzentiere bleiben nicht im Bestand der Lübstorfer Agrargenossenschaft. „Alle zu behalten, das wäre utopisch. Man muss auch Geld verdienen, das machen wir nicht als Hobby“, betont Michael Pundt die wirtschaftliche Komponente der Zuchtarbeit. Dass sich der enorme Aufwand lohnt, zeigte sich eindrucksvoll in Krefeld: Mit stolzen 3600 Euro stellten die Lübstorfer den zweitteuersten Bock der gesamten Auktion. Alle fünf vorgestellten Tiere erzielten Preise von mehr als 2000 Euro – ein klares Signal für die außergewöhnliche Qualität der Zucht.
Weitere Erfolge und kommende Herausforderungen
Auch bei der Eliteschau in Kölsa bei Leipzig haben die Schafe aus Lübstorf in diesem Jahr bereits kräftig abgeräumt. Mit acht Tieren waren die Schäfer aus Alt Meteln in Sachsen vertreten. „Wir hatten am Ende einmal den Gesamtsieger der Schwarzköpfigen Fleischschafe und dann auch einen Fleischsieger 1A, der als Preisträger in seiner Gruppe hervorging“, berichtet Michael Pundt stolz von den weiteren Erfolgen.
Doch lange Zeit zum Durchatmen bleibt den engagierten Züchtern nicht. Der nächste Höhepunkt steht bereits unmittelbar bevor: Am 11. April werden in Karow bei Plau am See erneut erstklassige Böcke versteigert. Dann treffen die Lübstorfer Tiere auf starke Konkurrenz aus ganz Deutschland, und das vertraute leise Blöken im Ring wird erneut zum Auftakt für große Entscheidungen und möglicherweise weitere Rekordpreise.



