Rasenpflege-Experte erklärt: Wann und wie Sie Ihren Rasen richtig kalken sollten
Wer einen gesunden, dichten Rasen im eigenen Garten kultivieren möchte, benötigt mehr als nur hochwertiges Saatgut und regelmäßige Düngergaben. Eine oft unterschätzte, aber entscheidende Komponente für optimales Graswachstum ist der Säuregehalt des Bodens. Ist dieser zu hoch – der Boden also zu sauer – kann das Gras Nährstoffe nur schlecht aufnehmen und gedeiht nicht optimal. Hier kommt Kalk als möglicher Helfer ins Spiel, doch Experten warnen: Nur wenn der pH-Wert tatsächlich zu niedrig ist, bringt das Kalken einen echten Nutzen.
Wann sich das Kalken des Rasens wirklich lohnt
Kalk beeinflusst direkt den Säuregrad des Bodens und verändert damit die chemischen Bedingungen, unter denen Pflanzenwurzeln Nährstoffe aus der Erde lösen und aufnehmen können. Ein zu saurer Boden bindet wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, sodass sie dem Rasengras nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Ob eine Kalkung notwendig ist, lässt sich nicht durch bloße Vermutung, sondern nur durch einen präzisen Bodentest feststellen. Solche Testsets sind im Baumarkt erhältlich und messen den pH-Wert – die zentrale Kennzahl für die Bodenchemie. Als Richtwerte gelten: Bei sandigen Böden ist ein Kalken sinnvoll, wenn der pH-Wert unter 5,5 fällt. Bei lehmigen oder tonhaltigen Böden liegt die Grenze bei einem pH-Wert von 6. Liegt der gemessene Wert hingegen über 7, ist der Boden alkalisch. In diesem Fall sollte man auf Kalk unbedingt verzichten, da eine zusätzliche Kalkgabe den Zustand des Bodens weiter verschlechtern würde.
Auch das Erscheinungsbild des Rasens kann erste Hinweise liefern: Ein starker Moosbewuchs kann auf einen sauren Boden hindeuten. Allerdings bekämpft Kalk das Moos nicht direkt. „Eine direkte Bekämpfung des Mooses durch den Kalk erfolgt jedoch nicht“, stellt Dr. Harald Nonn von der Deutschen Rasengesellschaft klar. Der Kalk verbessert lediglich die Bodenbedingungen für das Gras, sodass dieses das Moos langfristig verdrängen kann. Ein vermehrtes Auftreten von Klee im Rasen spricht dagegen eher für einen bereits zu hohen, also alkalischen pH-Wert.
Die richtige Menge, der optimale Zeitpunkt und die korrekte Anwendung
Die benötigte Kalkmenge variiert stark in Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit. Für leichte, sandige Böden werden etwa 100 Gramm kohlensaurer Kalk pro Quadratmeter empfohlen. Schwere, lehmige Böden benötigen mit etwa 200 Gramm pro Quadratmeter etwa die doppelte Menge. Von der Verwendung von Branntkalk wird im Gartenbereich abgeraten.
Der ideale Zeitpunkt für die Kalkung liegt im späten Frühjahr. Ein zu frühes Ausbringen im Winter oder sehr frühen Frühling kann laut Dr. Nonn das Risiko für die gefürchtete Pilzkrankheit Schneeschimmel erhöhen. Soll im Herbst gekalkt werden, sollte diese Maßnahme spätestens bis Ende September abgeschlossen sein, damit der Kalk noch vor dem Wintereinbruch in den Boden eindringen kann.
Kalk wird in der Regel als Granulat ausgebracht. Für eine gleichmäßige Verteilung eignet sich am besten ein Streuwagen oder Düngerstreuer. Wer von Hand arbeitet, sollte unbedingt Handschuhe tragen, um Hautreizungen durch den direkten Kontakt mit dem Kalk zu vermeiden.
Was nach dem Kalken unbedingt zu beachten ist
Nach dem Ausbringen des Kalks ist Wasser der entscheidende Faktor. Ein gründliches Wässern oder ein passender Regenschauer sind notwendig, damit der Kalk in den Boden einsickern und dort seine Wirkung entfalten kann. Erst nachdem der Kalk vollständig aufgenommen wurde, sollte wieder gedüngt werden. Dr. Nonn warnt: „Manche Nährstoffe können in direktem Kontakt mit Kalk durch chemische Reaktionen verloren gehen oder im Boden fixiert werden.“ Eine zu frühe Düngung wäre daher kontraproduktiv.
Wichtig ist auch zu wissen, dass das Kalken keine jährliche Routinearbeit sein sollte. Eine Kontrolle des pH-Werts alle zwei bis drei Jahre reicht in der Regel völlig aus. Das blinde, regelmäßige Kalken ohne vorherige Messung kann dem Rasen sogar mehr schaden als nützen, indem es den Boden unnötig alkalisch macht und die Nährstoffverfügbarkeit verschlechtert. Eine fundierte Entscheidung basierend auf einem Bodentest ist daher der Schlüssel zu einem gesunden, grünen Rasen.



