Biber in Vorpommern: Vom scheuen Nager zum handzahmen Energie-Sparer
Biber in Vorpommern: Handzahme Energie-Sparer

Biber in Vorpommern: Vom scheuen Nager zum handzahmen Energie-Sparer

In der idyllischen Landschaft Vorpommerns, unweit der Stadt Anklam, vollzieht sich ein faszinierendes Naturschauspiel. Die sonst so scheuen Biber, Europas größte Nagetiere, verlieren zunehmend ihre Scheu vor dem Menschen. Naturreporter Norbert Warmbier berichtet von außergewöhnlichen Beobachtungen, die er während seiner über 50-jährigen Arbeit mit diesen beeindruckenden Tieren gemacht hat.

Ungewöhnliche Begegnungen am Nachmittag

Die Biber in dieser Region nutzen bereits die Nachmittagsstunden für ihre Nahrungssuche. Ab 15 Uhr verlässt der erste dieser etwas kauzig wirkenden Riesennager seine Burg und begibt sich auf die Straße, die beidseitig von Sumpfland umgeben ist. "Als der Biber zum Südufer wechselte, fuhr ich mit meinem Jeep zu der Stelle", erzählt Warmbier. "Tatsächlich graste der Pelzträger nur zehn Meter von meinem Standort entfernt völlig frei auf der Straßennebenfläche."

Ein Dialog mit der Natur

Warmbier gelangen dutzende Fotos aus dem Jeep heraus. Als er ausstieg, begann er sogar, mit dem Biber zu sprechen. "Ich erzählte dem Biber, dass ich 1975 als hauptamtlicher Naturschutzwart beim Rat des Bezirkes Neubrandenburg seine Vorfahren in Sachsen-Anhalt mitgefangen hatte", berichtet der erfahrene Naturbeobachter. "Danach hatte ich mit dem Fangkollektiv die Biber ins Peenetal ausgesetzt."

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Ende der 1970er-Jahre musste Warmbier die Tiere zwischen Jarmen und Anklam erfassen und fand tatsächlich die ersten Biberburgen in Norddeutschland zwischen Jarmen, Gützkow und Anklam.

Gefährliche Schönheiten

Der Biber hörte sich geduldig Warmbiers Geschichte an, doch plötzlich lief er auf ihn zu. "Etwas mulmig wurde mir dann schon", gesteht der Reporter, "denn unvermittelt fing er an zu schnauben. Vielleicht war er auch etwas verärgert, weil er meine Geschichte missverstanden hatte."

Vollkommen harmlos sind diese majestätischen Nagetiere nämlich nicht. Ihre gewaltigen Zähne dienen nicht nur dem Baumfällen, sondern auch der Verteidigung. Biber können Menschen böse Verletzungen zufügen, ähnlich wie im Mittelalter Stöberhunde bei der Baujagd.

Ein Naturfreund in Sachsen-Anhalt erhielt zwei durch den Straßenverkehr verletzte Biber zur Pflege. Als er die beiden zusammen setzte, verbissen sie sich ineinander. Der Mann ging dazwischen, um die Raufbolde zu trennen, woraufhin einer der kampffreudigen Gesellen ihm in den Bauch biss. Der schwer verletzte Mann musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Kuriose Beobachtungen und natürliches Verhalten

In Warmbiers Begegnung kam es jedoch nicht so weit. Die bucklige Gestalt lief nur zwei Meter am Jeep vorbei, querte die Straße und betrieb dann ganz ohne Deckung am angrenzenden Schilfrand intensive Fellpflege.

Noch kurioser war die Geschichte eines Bewohners dieser Ortschaft. Auch er hatte einen Biber beobachtet, als das Tier plötzlich direkt unter sein stehendes Auto lief. Um den Nager nicht zu verletzen, schaute der Mann unter seinen Transporter, doch das Tier war nicht mehr darunter zu finden.

Fünf Jahrzehnte Biberforschung

Mehr als 50 Jahre lang beschäftigt sich Norbert Warmbier mit dem Elbebiber, wissenschaftlich Castor fiber albicus, einer Unterart des euroasiatisch verbreiteten Bibers Castor fiber. Seine Beobachtungen deuten darauf hin, dass einige Tiere dieser Population im zurückliegenden Winter große Schwierigkeiten hatten, an Weidennahrung zu kommen.

"Von den fünf jüngst registrierten Exemplaren sahen drei sehr abgemagert aus", berichtet Warmbier. "Man kennt das von den kanadischen Bibern, dass hier bei großer Kälte ganze Familien in den Burgen einfrieren und verhungern. Sie gelangen nicht mehr an ihre Nahrungsflöße, die sich außerhalb der Burg unter Wasser befinden."

Unter optimalen Bedingungen können Biber bis zu 25 Jahre alt, 35 Kilogramm schwer und 1,35 Meter lang werden. Die Menge der Weidenspäne an den Schnittplätzen in der Region ist gewaltig und zeugt von der regen Aktivität der Tiere.

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Naturerlebnisse für gestresste Seelen

Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und Blühwundern Stress abbauen möchte, kann bei geführten Naturwanderungen Kraft tanken. Mehrfach flog während Warmbiers Beobachtungen ein Seeadler über das Biberrevier – ein Zeichen dafür, dass wahrscheinlich ein Biber verendet war.

Diese einzigartigen Naturerlebnisse bieten nicht nur Entspannung, sondern auch tiefe Einblicke in das faszinierende Leben der größten Nagetiere Europas, die sich in Vorpommern zunehmend von ihrer scheuen Seite zeigen.