Eichenprozessionsspinner: So bekämpfen Kommunen die gefährlichen Raupen in Deutschland
Eichenprozessionsspinner: Bekämpfung der gefährlichen Raupen

Eichenprozessionsspinner: So bekämpfen Kommunen die gefährlichen Raupen in Deutschland

Mit dem beginnenden Frühling startet in vielen Regionen Deutschlands auch die Saison des Eichenprozessionsspinners. Die Ausbreitung dieses Nachtfalters wird durch den fortschreitenden Klimawandel deutlich begünstigt und stellt Kommunen sowie Forstbetriebe vor wachsende Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zeigt, dass bundesweit verschiedene Bekämpfungsstrategien zum Einsatz kommen.

Gefährliche Brennhaare der Raupen

Während der ausgewachsene Falter selbst harmlos ist, entwickeln seine Raupen ab etwa dem dritten Larvenstadium – meist ab Mitte Mai – feine Brennhaare. Diese enthalten das Nesselgift Thaumetopoein und brechen leicht ab. Durch Windverbreitung können sie bei Menschen und Tieren starke allergische Reaktionen, Hautreizungen und erhebliche Atembeschwerden verursachen. Die höchste Gesundheitsgefahr besteht traditionell zwischen Mitte Mai und Juni, wenn die Raupen ihre Millionen Gifthärchen entwickeln.

Betroffene Regionen in Deutschland

In Brandenburg befinden sich die Populationen aktuell in der frühen Aufbauphase. Experten rechnen hier mit einem deutlichen Anstieg und lokalem Kahlfraß an Eichen. Besonders betroffen sind die Landkreise Prignitz, Uckermark und der Spreewald. In Berlin wird die Lage als stabil eingeschätzt, wobei die Larven bei beständigem Wetter bereits um Ostern schlüpfen könnten.

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In Hessen konzentriert sich der Befall vor allem auf die wärmeren Regionen in Süd- und Mittelhessen. Auch in Rheinland-Pfalz breiten sich die Raupen weiter aus, insbesondere im Neuwieder Becken, im Hunsrück, in der Rheinebene und Teilen des Pfälzer Waldes.

Vielfältige Bekämpfungsmethoden im Einsatz

Um die Gesundheitsbelastung im Frühsommer zu minimieren, setzen Fachleute auf ein breites Spektrum an Maßnahmen:

  • Biologische Spritzmittel: In vielen Städten wie Frankfurt, Kaiserslautern, Mainz und Wiesbaden werden Eichen präventiv mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis behandelt. Dessen Giftstoffe – sogenannte Bt-Toxine – stoppen die Larvenentwicklung. In Brandenburg kommt ein darauf basierendes Präparat zum Einsatz. In Darmstadt werden für die großflächige Ausbringung in unzugänglichen Gebieten sogar Hubschrauber eingesetzt.
  • Fadenwürmer (Nematoden): Eine immer beliebtere Methode ist der Einsatz von Nematoden. Diese natürlich vorkommenden Würmer werden in einem Wasser-Alkohol-Gemisch auf die Bäume ausgebracht und lassen die Larven absterben. Diese ökologische Methode wird unter anderem in Kassel, Fulda und in Teilen von Rheinland-Pfalz erfolgreich genutzt.
  • Mechanische Verfahren: Bewährt hat sich das Absaugen der Nester mit Spezialsaugern durch Fachfirmen. Dies wird bundesweit in fast allen betroffenen Kommunen praktiziert. In Worms werden zudem spezielle Kunststoff-Manschetten als Fallen um die Stämme von Bäumen gewickelt, um die Raupen auf ihrem Weg in die Baumkronen abzufangen.

Prävention durch natürliche Feinde

Einige Städte setzen verstärkt auf ökologische Lösungen und fördern die natürlichen Fressfeinde des Eichenprozessionsspinners. In Trier und Marburg wurden tausende Nisthilfen für Vögel – insbesondere Meisen – und Fledermäuse aufgehängt. Zudem experimentiert Trier mit der Pflanzung südwesteuropäischer Eichenarten, die weniger anfällig für den Befall sein sollen.

Vorsichtsmaßnahmen und Warnungen

Trotz aller Bekämpfungsmaßnahmen lässt sich ein Befall nicht überall verhindern. In sensiblen Bereichen wie an Schulen, Kitas und in Parkanlagen ist die Wachsamkeit besonders hoch. Forstbehörden und Stadtverwaltungen warnen eindringlich davor, den Raupen oder ihren gespinstartigen Nestern nahezukommen.

Bei starkem Befall können Waldbereiche oder öffentliche Wege temporär gesperrt und Warnschilder aufgestellt werden. Die Kommunen appellieren an die Bevölkerung, gefundene Nester umgehend den zuständigen Behörden zu melden und keinesfalls selbst zu entfernen.

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