Erstnachweis in Deutschland: Invasive Asiatische Nadelameise in Stuttgart entdeckt
Forscher haben in einem Stuttgarter Stadtpark eine Kolonie der invasiven Asiatischen Nadelameise entdeckt. Es handelt sich um den ersten gesicherten Nachweis dieser Art in Deutschland. Die Entdeckung gilt als bedeutsam, da die Asiatische Nadelameise als invasive Art eingestuft wird und potenzielle Risiken für die heimische Fauna sowie für Menschen birgt.
Fund im Rosensteinpark mit vollständiger Kolonie
Die Ameisen wurden bereits im Juni des vergangenen Jahres im Stuttgarter Rosensteinpark aufgespürt. Brendon Boudinot vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt erklärte: "Wir konnten in dem Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadelameise mit Nachwuchs entdecken. Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokale überwinterungsfähige Population." Boudinot ist Erstautor einer Studie zum deutschen Erstnachweis, die im wissenschaftlichen Fachjournal "Zootaxa" veröffentlicht wurde.
Risiken durch die invasive Art
Die Asiatische Nadelameise kann heimische Ameisenarten verdrängen und somit das ökologische Gleichgewicht stören. Zudem kann ihr Stich in seltenen Fällen heftige allergische Reaktionen auslösen, im schlimmsten Fall einen potenziell lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock. Allerdings sind ähnliche Reaktionen auch von anderen Hautflüglern wie Bienen und Hummeln bekannt.
Optisch unterscheiden sich die Insekten von heimischen Ameisenarten durch ihre hell gefärbten Mundwerkzeuge und Beine – ein Unterschied, der häufig nur für Fachleute erkennbar ist. Die Tiere sind wenige Millimeter lang und verfügen über sechs Beine.
Verbreitung und Hintergründe
Die Asiatische Nadelameise stammt ursprünglich aus Ostasien und wurde in Europa unter anderem 2020 in Neapel gefunden. Invasive Ameisen verursachen weltweit erhebliche Schäden, da sie:
- öffentliche Grünanlagen und private Gärten beeinträchtigen können
- Nutztiere sowie geschützte Arten angreifen können
- ganze Lebensräume verändern können
Die Verbreitung erfolgt oft unbemerkt über den internationalen Pflanzenhandel, in Containern oder im Reisegepäck. Der Klimawandel erleichtert es den Tieren zusätzlich, sich in neuen Regionen auszubreiten.
Weitere Entdeckung im Stuttgarter Zoo Wilhelma
Kurz vor dem Fund im Rosensteinpark hatte der Stuttgarter Biologie-Student Max Härtel bereits ein Exemplar der Asiatischen Nadelameise (Brachyponera chinensis) im Stuttgarter Zoo Wilhelma entdeckt und bestimmt. Diese Entdeckung unterstreicht die Präsenz der Art in der Region Stuttgart und die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen.
Die Forscher betonen, dass der Nachweis einer überwinterungsfähigen Population auf eine etablierte Verbreitung hindeutet, die langfristige Auswirkungen auf die lokale Biodiversität haben könnte. Weitere Studien sind geplant, um das Ausmaß der Verbreitung und die potenziellen Gegenmaßnahmen zu erforschen.



