Prominente Uckermärker setzen Zeichen für Naturschutz
Mit einer außergewöhnlichen kulturellen Aktion macht die neu gegründete Bürgerinitiative „Wir sind Biosphäre“ auf eine ernste Bedrohung aufmerksam. Die Aktionsgruppe befürchtet, dass die strengen Schutzstandards des UNESCO-Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin durch eine geplante Novellierung der Biosphärenreservatsverordnung erheblich geschwächt werden könnten.
Lesung als Protestform
Am Sonnabend, dem 11. April, ab 19 Uhr findet in der Reihe Warnitzer Lesungen im Gasthof Deutsche Eiche eine besondere Veranstaltung statt. Prominente Persönlichkeiten aus der Uckermark werden aus der aktuellen Schutzverordnung des Biosphärenreservates vorlesen. Zu den Lesenden gehören die renommierte Fotografin und Kamerafrau Donata Wenders, die vielseitige Autorin und Radiomoderatorin Manuela Reichardt, der bekannte Autor und FAZ-Theaterkritiker Simon Strauß sowie der preisgekrönte Dokumentarfilmregisseur Andres Veiel.
Im Anschluss an die Lesung bietet sich für das Publikum die Gelegenheit, mit Experten der Bürgerinitiative ins Gespräch zu kommen. Hartmut Lindner von der BI und der promovierte Waldökologe Michael Egidius Luthardt, der als Forstwirtschaftler und BI-Sprecher fungiert, stehen für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.
Gefährdung eines einzigartigen Schutzgebiets
Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wurde am 12. September 1990 per Verordnung gegründet und genießt seitdem UNESCO-Schutzstatus. Es handelt sich um eine einzigartige Kulturlandschaft, in der Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung modellhaft im Einklang organisiert werden sollten. Die ursprüngliche Zielsetzung sah vor, diese historisch gewachsene Landschaft zu erhalten und gleichzeitig eine natur- und sozialverträgliche, nachhaltige Nutzung zu gewährleisten.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative äußern jedoch ernste Bedenken, dass mit der geplanten Novellierung der Verordnung diese Nachhaltigkeitsprinzipien und der behutsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen in den Hintergrund treten könnten. Besonders kritisch betrachtet die Aktionsgruppe mögliche Lockerungen beim Schutz vor Zersiedlung und Flächenverbrauch.
Konkrete Befürchtungen der Initiative
In der offiziellen Ankündigung zu den Warnitzer Lesungen formuliert die Bürgerinitiative konkrete Sorgen: Bislang waren etwa 78 Prozent der historisch gewachsenen Kulturlandschaft innerhalb der Biosphäre vor intensiver Nutzung und Veränderung geschützt. Diese Schutzbestimmungen könnten durch die geplante Novellierung aufgeweicht werden.
Als Auslöser für diese Entwicklung sieht die BI das Verwaltungs-Vereinfachungsgesetz des Landes Brandenburg vom Juli 2025, das entsprechende rechtliche Grundlagen geschaffen habe. Die Befürchtungen der Naturschützer umfassen mehrere Aspekte:
- Künftige Bauvorhaben könnten mehr als 300 Meter über bisherige Siedlungsgrenzen hinausreichen
- Ackerflächen könnten vermehrt für Windkraft- und Solaranlagen umgewidmet werden
- Ein unkontrollierter Flächenverbrauch könnte die Einzigartigkeit der Kulturlandschaft gefährden
Aktueller Stand der Verordnungsarbeit
Das brandenburgische Umweltministerium arbeitet derzeit intensiv an einem neuen Verordnungsentwurf, der auch topografische Karten enthalten soll. Bereits im Sommer 2025 hatten die betroffenen Landkreise Barnim und Uckermark sowie verschiedene Ämter und Verbände die Möglichkeit, Stellungnahmen zu ersten Formulierungsvorschlägen abzugeben.
Sobald der Entwurf vorliegt, werden die Träger öffentlicher Belange in den betroffenen Regionen in das Verfahren eingebunden. Aus dem Umweltministerium heißt es, dass mit einer öffentlichen Auslegung des Verordnungsentwurfes Mitte 2026 gerechnet werde. Dann erhalten auch interessierte Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, sich über die neuen Karten, Schutzziele, Gebote und Grenzziehungen zu informieren und gegebenenfalls Einwände oder Hinweise vorzubringen.
Die Bürgerinitiative „Wir sind Biosphäre“ nutzt die Zeit bis dahin, um mit kreativen Aktionen wie der geplanten Lesung auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen und eine breite öffentliche Diskussion über die Zukunft dieses einzigartigen Naturschutzgebiets anzuregen.



