Befreiter Buckelwal schwimmt in Ostseebucht - mit Helfer-Eskorte
Timmendorfer Strand • Nach tagelangen Rettungsbemühungen hat sich ein gestrandeter Buckelwal in der Nacht selbst von einer Sandbank in der Lübecker Bucht befreit. Das Tier, das am Montagmorgen vor Timmendorfer Strand entdeckt worden war, schwimmt nun wieder in der Ostsee-Bucht. Doch die eigentliche Herausforderung beginnt erst: Helfer versuchen, den Wal auf Kurs in Richtung Nordsee zu halten, um ihn dauerhaft zu retten.
Erleichterung und anhaltende Sorge nach der Befreiung
Die vorläufige Rettung löste bei allen Beteiligten große Erleichterung aus. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) bestätigte, dass der Wal zunächst auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht war. Allerdings wurde das Tier später erneut vor Timmendorfer Strand gesichtet, bevor es sich wieder von der Küste entfernte. Natur- und Umweltschützer von Organisationen wie Sea Shepherd und Greenpeace sind mit Schlauchbooten vor Ort, um den Wal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten.
Ein Sprecher von Sea Shepherd erklärte, der Wal sei zeitweise wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen. Mit den Schlauchbooten hätten die Helfer eine Art Blockade gebildet, um ihn in tieferes Wasser zu geleiten. Daniela von Schaper, Meeresexpertin von Greenpeace, betonte, dass so auch verhindert werde, dass der Wal in Stellnetze gerate.
Zickzack-Kurs und erschöpftes Tier
Der Biologe Robert Marc Lehmann schilderte die Situation als kritisch. In einem Instagram-Video sagte er, der Großwal mache „Sperenzchen – Zickzack hin und her“. Man versuche, das völlig erschöpfte Tier in Richtung Fehmarn und an der Küste bei Neustadt vorbeizumanövrieren, mit dem Ziel Dänemark. Dafür stehe man bereits in Kontakt mit dänischen Polizeibehörden und Einsatzkräften.
Lehmann betonte, die Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht die Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Der Wal sei erst im Atlantik zu Hause. Stephanie Groß verwies darauf, dass es immer wieder Großwale in der Ostsee gebe, die den Weg in die salzreichere Nordsee zurückfänden. Allerdings kann der Kurs des Meeressäugers nicht technisch verfolgt werden, da aufgrund erkrankter Haut kein Sender angebracht wurde.
Koordinierter Einsatz und öffentliche Anteilnahme
Die Rettungsaktion war ein koordinierter Einsatz von Feuerwehr, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Rettungsdiensten und Experten. Sven Partheil-Böhnke, Bürgermeister von Timmendorfer Strand, lobte die Zusammenarbeit und äußerte sich erleichtert über den bisherigen Verlauf. Die Kosten der Aktion werden auf 40.000 Euro geschätzt, wobei sich das Land Schleswig-Holstein beteiligen wird.
Das Schicksal des Wals hat ganz Deutschland und auch das Ausland bewegt. Viele Menschen verfolgten die Rettung vom Strand aus. Partheil-Böhnke sagte dazu: „Das, glaube ich, brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate, nach Kriegen und Krisen. Das ist das eine gute Nachricht und alleine, das ist schon ein Grund, sich zu freuen.“
Tagelange Rettungsbemühungen und unklare Ursache
Tagelang wurde versucht, den Wal zu befreien. Nach einem gescheiterten Rettungsversuch mit einem Saugbagger am Dienstag wurde am Donnerstag mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Biologe Lehmann stand dabei im Neoprenanzug neben dem Wal, um ihn zu beruhigen und den Baggerführer zu unterstützen. Am Abend versuchten Helfer, den Wal mit Lärm wie Hupen oder Rufen zu animieren, doch die Aktion musste bei Dunkelheit abgebrochen werden. In der Nacht schaffte es der Wal dann, sich durch die gegrabene Rinne zu befreien.
Warum der Wal in der Ostsee auftauchte, bleibt unklar. Stephanie Groß vermutet, dass das Tier krank, verletzt oder erschöpft sein könnte, oder es durch einen unglücklichen Zufall ins Flachwasser geriet. Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch; sie könnten Fischschwärmen folgen oder durch Unterwasserlärm beeinflusst worden sein. Sea Shepherd geht davon aus, dass es sich um denselben Wal handelt, der zuvor vor Mecklenburg-Vorpommern und im Hafen von Wismar gesichtet wurde.



