Der mehrfach an den Küsten der Ostsee gestrandete Buckelwal ist seit dem Morgen wieder im offenen Meer. Doch die erwarteten Senderdaten zu seinem Weg blieben auch am Mittag weiterhin aus. Die Peildaten seien bei der Initiative mehrfach angefordert worden, hätten aber noch immer nicht vorgelegen, teilte Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, mit.
Kritik an mangelnder Transparenz
Umweltminister Till Backhaus äußerte sich in einem Statement beim Livestream-Anbieter News5 deutlich: „Was mich wirklich ärgert, ist ausdrücklich: Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können. (...) Uns sind bis heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden.“ Zudem sei vereinbart gewesen, ein Videosystem auf der Barge zu installieren, damit beauftragte Tierärzte den Wal weiter beobachten könnten – „auch das ist nicht erfolgt“.
Constanze von der Meden, Rechtsanwältin der privaten Initiative, die den Transport des Wals organisierte, erklärte am Vormittag der Deutschen Presse-Agentur, dass vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung des Wals gemacht werden könnten. Welche konkreten Probleme es gab, blieb zunächst unklar.
Meeresbiologe warnt vor Katastrophe
„Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das Rettungsteam“, sagte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. „Es gab bisher genug Anlässe, an der Professionalität des Teams zu zweifeln, dies wäre der folgenschwerste.“ Ohne die Daten des Senders sei es unmöglich, den Wal zu verfolgen und sein Verhalten einzuschätzen. Die gesamte Mission könne dann weder als erfolgreich noch als fehlgeschlagen bezeichnet werden.
Am Vortag hatte die Initiative mitgeteilt, dass ein Sender angebracht worden sei. Diese Informationen ließen sich jedoch nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Die Allgemeinheit könne den Weg des Wals ohnehin nicht verfolgen, da die Daten nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung stünden, so von der Meden.
Zustand des Wals weiter unklar
Auch in den Stunden nach der Freisetzung gab es keine Angaben zum Zustand des Tieres oder dazu, wie genau es von Bord schwamm oder bugsiert wurde. Während des Transports im Bereich des Übergangs von der Ost- in die Nordsee hatte es zeitweise starken Wellengang gegeben, sodass der Wal im Lastkahn stark hin- und hergeschaukelt wurde. Obwohl das Absperrnetz bereits am Freitagnachmittag entfernt worden war, war das Tier zunächst in der Barge geblieben.
Nach Angaben aus dem Team der Initiative verließ der Wal gegen 9.00 Uhr am Samstagmorgen den Lastkahn. Der Konvoi befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak. Auf Drohnenbildern des Livestream-Anbieters News5 war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen – ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich nicht mit Sicherheit sagen.
Greenpeace: Überlebenschancen minimal
Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass der Buckelwal in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt worden sei. „Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein.“ Nur mit Trackingdaten und dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt habe.
Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport verbrachte er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag war er in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.
Noch lange nicht gerettet
Als gerettet gilt der Wal nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, erklärte Ritter. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.“
Nach Meinung von Experten könnte das geschwächte Tier wieder gezielt zur Küste schwimmen. „In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen“, hatte das Deutsche Meeresmuseum erklärt.



