Cannabis-Gefahr für Hunde im Park: Immer mehr Vierbeiner nach Spaziergängen in Tierkliniken
Bei schönem Wetter zieht es Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern in Parks und Grünanlagen. Doch was als harmloser Spaziergang beginnt, kann für Hunde gefährlich enden. Immer häufiger landen Zamperl nach der Gassi-Runde in der Notaufnahme von Tierkliniken – schuld sind oft weggeworfene Joint-Stummel oder andere Cannabis-Produkte, die die neugierigen Tiere vom Boden aufschnappen.
Ein konkreter Fall: Labradors Beinahe-Drama
Labrador-Rüde Toni aus München ist ein typisches Beispiel. Der fünfjährige Vierbeiner gilt als braver Familienhund, der beim Spazierengehen an der Isar oder in Grünanlagen besonders fröhlich ist. Doch bei einem Abendspaziergang am Rande des Forstenrieder Parks geschah etwas Unerwartetes.
„Ich konnte nicht sehen, was mein verfressener Labrador dort im Gebüsch in Sekundenschnelle aufschnappte“, berichtet Besitzerin Monica Cusan. Kaum zuhause angekommen, verhielt sich Toni plötzlich apathisch, starrte regungslos und war wackelig auf den Beinen. Noch besorgniserregender: Der eigentlich stubenreine Hund pinkelte mehrfach im Liegen.
Die schnelle Reaktion der Besitzerin rettete vermutlich Tonis Leben. In der Tierklinik Oberhaching diagnostizierten die Ärzte eine mögliche THC-Vergiftung. „Sie haben zu uns gesagt, dass je nachdem, wie viel er davon gefressen hat, es auch lebensbedrohlich für ihn sein kann“, schildert Cusan. Toni musste zur Überwachung über Nacht in der Klinik bleiben – hatte aber Glück und konnte am nächsten Tag bereits wieder abgeholt werden.
Dramatischer Anstieg seit der Legalisierung
Solche Fälle sind längst keine Einzelfälle mehr. Die Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, die nahe dem Englischen Garten liegt, verzeichnet einen deutlichen Anstieg.
„Subjektiv haben wir auf jeden Fall eine Häufung“, bestätigt René Dörfelt, leitender Oberarzt des Service Intensiv- und Notfallmedizin. „Wir haben beobachtet, dass seit der Legalisierung etwa viermal so viele Fälle wie vorher aufgetreten sind.“ Je nach Witterung könnten es mehrere Hunde pro Woche sein, die mit entsprechenden Symptomen in der Tierklinik vorgestellt werden.
Wie Hunde mit Cannabis in Kontakt kommen
Die Aufnahmewege sind vielfältig. „Oft wissen wir nicht, wie das Cannabis aufgenommen wurde“, erklärt Experte Dörfelt. Mögliche Szenarien:
- Hunde fressen weggeworfene Joint-Stummel oder ganze Joints vom Boden
- Aufnahme von Haschkeksen oder anderen Cannabis-Produkten
- Kontakt über menschlichen Kot oder Erbrochenes
Symptome und Gefahren für Vierbeiner
Die Symptome einer THC-Vergiftung bei Hunden können variieren. „In vielen Fällen hat die Aufnahme des THC bei Hunden keine schwerwiegenden Folgen“, so Dörfelt. Häufige Anzeichen sind:
- Schwanken und Ataxie (Bewegungsstörungen)
- Desorientiertheit und Schreckhaftigkeit
- Unter-sich-urinieren trotz Stubenreinheit
In schwereren Fällen können jedoch Herzrasen, aggressives Verhalten und sogar Krampfanfälle auftreten. „Dann wird es richtig problematisch – und im Zweifel sogar lebensbedrohlich für den Hund“, warnt der Experte.
Was Hundehalter wissen und tun sollten
THC wirkt bei Hunden besonders schnell. „Bis die Vergiftungssymptome beim Hund auftreten, vergehen in der Regel nur wenige Minuten bis Stunden“, erklärt Dörfelt. Die Symptomdauer liege oft bei weniger als einem Tag, wobei geringe Beschwerden nach etwa zwölf bis 24 Stunden wieder verschwinden können.
Im Verdachtsfall sollten Halter:
- Den Hund in eine reizarme Umgebung bringen
- Bei schwerwiegenden Symptomen sofort den tierärztlichen Notdienst aufsuchen
- Nicht auf menschliche THC-Tests vertrauen – diese sind bei Hunden unzuverlässig
Tierärzte arbeiten meist symptomorientiert und behandeln mit Infusionen, krampflösenden Medikamenten und weiteren Maßnahmen. „Relativ viele Patienten mit schweren Symptomen werden stationär für einen Tag in die Tierklinik aufgenommen“, so Dörfelt. Die Kosten für solche Notfälle können für Hundebesitzer schnell mehrere Hundert Euro oder mehr betragen.
Die zunehmende Gefahr durch weggeworfene Cannabis-Produkte in Parks und Grünanlagen erfordert erhöhte Aufmerksamkeit von Hundebesitzern. Während die Legalisierung für Menschen neue Freiheiten bringt, bedeutet sie für neugierige Vierbeiner ein zusätzliches Risiko bei jedem Spaziergang.



