Frühlingsstart für Kaninchen und Meerschweinchen: So gelingt die artgerechte Außenhaltung
Frühlingsstart für Kleintiere: Tipps für artgerechte Außenhaltung

Frühlingsbeginn für Kleintiere: Der Umzug ins Freigehege steht an

Wenn die Temperaturen langsam steigen, beginnt für viele Kaninchen und Meerschweinchen die schönste Jahreszeit: Der Umzug ins Freigehege steht bevor. Doch dieser Schritt will gut vorbereitet sein, damit die kleinen Säugetiere sicher und gesund die warme Saison genießen können.

Der richtige Zeitpunkt für den Umzug nach draußen

Ein dauerhafter Umzug in die Außenhaltung sollte erst erfolgen, wenn die Nächte komplett frostfrei sind, erklärt Selina Schlierenkamp vom Zentralverband der Heimtierbranche. Vorher können die Tiere bereits stundenweise nach draußen gebracht werden, sofern die Temperaturen tagsüber mindestens 15 Grad Celsius erreichen. Dieser behutsame Übergang hilft den Kleintieren, sich an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.

Gesellschaft ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit

Eines der wichtigsten Grundprinzipien bei der Haltung von Kaninchen und Meerschweinchen ist die Gruppenhaltung. Keinesfalls sollten diese sozialen Tiere alleine gehalten werden, betonen alle Experten übereinstimmend. Sie benötigen dringend die Gesellschaft von Artgenossen für ihr Wohlbefinden.

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Schlierenkamp empfiehlt mindestens zwei Tiere, idealerweise jedoch eine kleine Gruppe von drei bis fünf Individuen. Die beste Kombination stellt meist ein kastriertes Männchen mit mehreren Weibchen dar, so die Heimtierexpertin. Heiko Fröhlich, Betreiber der Internetseite "kaninchen-ratgeber", spricht sich bei Kaninchen für Gruppen von zwei bis sechs Tieren aus.

Bei Meerschweinchen funktionieren Dreiergruppen mit einem Männchen und zwei Weibchen besonders gut, aber auch größere Gruppen bis zu sechs Tieren sind möglich. Allerdings kann das Zusammensetzen einer harmonischen Gruppe zur Herausforderung werden, denn nicht alle Tiere sind sich automatisch sympathisch. Gemischte Gruppen mit Männchen und Weibchen vertragen sich in der Regel besser als reine Geschlechtergruppen.

Platz, Platz und nochmals Platz

Egal ob für Kaninchen oder Meerschweinchen - das Gehege sollte so groß wie möglich sein. Fröhlich empfiehlt eine Mindestgrundfläche von zehn Quadratmetern. Dieses Platzangebot werde häufig unterschätzt, warnt er: "Die Tiere wirken klein und zierlich, brauchen jedoch unbedingt genügend Freiraum, um sich artgerecht zu bewegen."

Das Gehege muss den Tieren nicht nur ausreichend Auslauf, sondern auch verschiedene Versteckmöglichkeiten bieten. Zudem benötigen sie zuverlässigen Schutz vor Zugluft, extremen Temperaturen und natürlich vor natürlichen Feinden.

Sicherheit hat oberste Priorität

Kaninchen und Meerschweinchen haben in der Natur zahlreiche Feinde, darunter Füchse, Hunde, Katzen und Greifvögel. Daher sollte beim Bau des Außengeheges auf stabile Materialien wie massives Holz und engmaschiges, verzinktes Drahtgitter geachtet werden.

Da die Kleinsäuger gerne knabbern, müssen ausschließlich ungiftige Materialien verwendet werden. "Für die Rahmenkonstruktion eignet sich Fichten- oder Lärchenholz", empfiehlt Fröhlich. Zum Versiegeln von Holzoberflächen könne Sabberlack eingesetzt werden, den die Tiere bedenkenlos anknabbern können. Schrauben und Nägel dürfen wegen der Verletzungsgefahr keinesfalls herausragen.

Da sowohl Kaninchen als auch Raubtiere graben können, muss das Gehege auch nach unten gesichert werden. Schlierenkamp empfiehlt hierfür eine stabile Bodenplatte, alternativ kann der Draht mindestens einen halben Meter tief in den Boden eingelassen werden. Nach oben muss das Gehege ebenfalls vollständig gesichert sein.

Die tödliche Gefahr der Hitze

Hitze stellt für Meerschweinchen und Kaninchen eine deutlich größere Gefahr dar als Kälte, denn die Tiere können nicht schwitzen. Bereits ab 25 Grad Celsius kann es kritisch werden, ab 30 Grad ist sogar ein lebensbedrohlicher Hitzschlag möglich.

"Es ist unbedingt notwendig, die Tiere bei hohen Temperaturen zu kühlen oder eventuell sogar ins Haus zu holen", betont Fröhlich nachdrücklich. Besonders ältere oder kranke Tiere vertragen Hitze schlecht. Daher sind gut isolierte Schutzhütten und ausreichend schattige Plätze im Gehege essenziell.

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Im Gegensatz zur Hitze sind Temperaturen bis minus zehn Grad Celsius für gesunde Tiere in einem gut ausgestatteten Wintergehege in der Regel kein Problem. Sie müssen daher nicht zwingend zurück ins Haus ziehen, wenn der Sommer endet. Bei optimalen Bedingungen können Kaninchen und Meerschweinchen theoretisch das ganze Jahr im Freien gehalten werden.

Abwechslung und artgerechte Einrichtung

Die Tiere schätzen Abwechslung in ihrer Umgebung. Regelmäßig neue Erkundungsmöglichkeiten wie Äste oder Holzrinde fördern ihr Wohlbefinden. Entsprechend platziert, können diese Elemente zum Springen oder Klettern genutzt werden, außerdem knabbern Meerschweinchen und Kaninchen gerne daran.

Aber Vorsicht: "Nicht alle Hölzer sind geeignet", warnt Schlierenkamp. Harzende Hölzer oder Zweige von giftigen Bäumen gehören nicht ins Gehege. Unbedenklich sind dagegen Äste von ungespritzten Obstbäumen.

Der Außenstall sollte großzügig mit saugfähiger und isolierender Einstreu eingestreut werden. Stroh erweist sich hierfür als besonders geeignet. Regelmäßiges Reinigen ist absolute Pflicht, betont Schlierenkamp. Als Futter sollte neben Heu auch frisches Grün wie Gräser, Wildkräuter und Blattgemüse angeboten werden.

Das Frischfutter muss regelmäßig ausgetauscht werden, bevor es verwelkt und im verdorbenen Zustand Ungeziefer anzieht. Auch das Trinkwasser sollte täglich erneuert werden. Ein rohfaserreiches Futter wie Heu, Gräser und geeignete Hölzer ist für die Tiere unverzichtbar - es fördert nicht nur die Darmgesundheit, sondern sorgt auch für den notwendigen Zahnabrieb bei den lebenslang nachwachsenden Zähnen dieser reinen Pflanzenfresser.