Ein neues Zuhause für traumatisierte Hunde im Harz
Verängstigt, misshandelt oder einfach aufgegeben: In der Nähe von Westerhausen entsteht derzeit ein besonderes Hundedorf, das traumatisierten Tieren weit mehr bietet als ein herkömmliches Tierheim. Der Hundetrainer Steve Kaye und sein noch junger Verein „Mission: Zweite Chance“ schenken diesen Hunden vor allem drei Dinge: viel Zeit, absolute Sicherheit und die echte Aussicht auf ein neues, glückliches Leben.
Resozialisierung statt Verwahrung
Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Resozialisierungszentrum und nicht als reine Auffangstation. Acht Hunde, darunter die Mischlingshündin Liana, haben hier bereits ein neues Zuhause gefunden. Diese Tiere stammen aus schwierigen Verhältnissen – sie wurden misshandelt, vernachlässigt oder ihre vorherigen Halter waren mit der Situation schlichtweg überfordert.
Steve Kaye, der ausgebildete Hundetrainer und Vorsitzende des Vereins, erklärt das Konzept: „Wir geben den Hunden den Raum und die Ruhe, die sie brauchen, um ihr Trauma zu verarbeiten. Jedes Tier bekommt sein eigenes kleines Häuschen und wird individuell betreut.“
Die bewegende Geschichte von Hündin Liana
Die Entwicklung der Hündin Liana zeigt exemplarisch, wie das Konzept des Hundedorfs funktioniert. Als sie vor sechs Tagen in Westerhausen ankam, war sie zutiefst verängstigt. Sie lag zusammengekauert in ihrem Hundebett, war jedem Menschen gegenüber äußerst skeptisch eingestellt und hätte vermutlich nach der Hand von Steve Kaye geschnappt, hätte er sie zu früh berührt.
Der erfahrene Trainer nahm daher zunächst Kontakt über einen speziellen verlängerten Arm auf, an dem eine künstliche Hand befestigt war. Mit dieser berührte er vorsichtig Lianas Fell. Diese behutsame Annäherung zeigte Wirkung: Keine zwei Monate später fordert dieselbe Hündin aktiv Streicheleinheiten ein und sucht die Nähe zu ihren Betreuern.
Individuelle Betreuung und viel Geduld
Ein weiteres Beispiel ist die Hündin Cara, die Steve Kaye regelmäßig in ihrem Häuschen besucht. Auch sie ist noch immer ängstlich, wenn Fremde in der Nähe sind, zeigt aber bereits deutliche Fortschritte. Die Betreuer im Hundedorf arbeiten mit großer Geduld und speziellen Methoden, um das Vertrauen der Tiere langsam wieder aufzubauen.
„Jeder Hund hat seine eigene Geschichte und braucht daher einen individuellen Ansatz“, betont Kaye. „Manche benötigen Wochen, andere Monate, bis sie wieder Vertrauen fassen können. Wir geben ihnen diese Zeit.“
Ein Modell mit Zukunft
Das Hundedorf bei Westerhausen könnte zum Vorbild für ähnliche Projekte in anderen Regionen werden. Der Verein „Mission: Zweite Chance“ setzt dabei auf eine Mischung aus fachlicher Expertise im Umgang mit traumatisierten Tieren und einem liebevollen, respektvollen Ansatz.
Die bisherigen Erfolge geben dem Konzept Recht: Hunde, die zuvor kaum ansprechbar waren, öffnen sich wieder, lernen, Menschen zu vertrauen und finden schließlich oft sogar ein dauerhaftes neues Zuhause in liebevollen Familien. Für Steve Kaye und sein Team ist jeder dieser Erfolge eine Bestätigung ihrer wichtigen Arbeit im Dienste des Tierschutzes.



