Löschteiche als Todesfallen für Tiere: Sanierte Gewässer in Kessin und Demmin gefährden Haustiere
Löschteiche als Todesfallen: Gefahr für Tiere in Kessin und Demmin

Löschteiche als unterschätzte Gefahr für Tiere in Mecklenburg-Vorpommern

Eigentlich dienen Löschteiche in Dörfern und Städten dazu, im Notfall Menschenleben zu retten. Doch in der Gemeinde Kessin bei Grapzow und im Demminer Wohnviertel Achtermanns Acker haben sich diese Gewässer zu tödlichen Fallen für Wild- und Haustiere entwickelt. Die Ursache liegt in der technischen Sanierung der Teiche, die zwar den Wasserverlust stoppt, aber neue Risiken schafft.

Die Sanierung in Kessin: Ein zweischneidiges Schwert

Im November 2025 hat die Gemeinde Kessin den Löschteich in der Dorfmitte grundlegend saniert, nachdem jahrelang Probleme mit versickerndem Wasser bestanden. In Zusammenarbeit mit dem Anglerverein Grapzow wurden Fische umgesetzt, der Teich geleert und mit neuem Vlies sowie einer dicken, langlebigen Folie ausgelegt. Diese Maßnahme sollte die Funktionalität des Löschteichs langfristig sichern, doch sie brachte unerwartete Konsequenzen mit sich.

Während der Sanierungsarbeiten verirrten sich vier Tiere in das leere Teichbecken: drei Füchse und eine Katze. Wehrleiter Ricardo Herbst berichtete dem Nordkurier, dass er am Morgen des 1. November mit zwei Kameraden ausrücken musste, um die Tiere zu retten. „Weil die Folie so glatt ist, kamen die Tiere nicht mehr aus dem Becken heraus“, erinnerte sich Herbst. „Ich vermute mal, dass die drei Füchse die Katze gejagt haben, dann sind alle vier in das Becken gestürzt.“ Die Feuerwehr legte Vlies über die glatte Folie, um den Tieren eine Fluchtmöglichkeit zu bieten.

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Anhaltende Gefahr und erste Todesfälle

Die glatte Folie stellt auch nach Abschluss der Sanierung ein ernsthaftes Problem dar. Sobald Wild- oder Haustiere in den Teich fallen, finden sie aufgrund der rutschigen Oberfläche keinen Halt mehr und können nicht entkommen. Der hüfthohe Zaun um den Teich bietet dabei kein wirksames Hindernis für die Tiere.

Besonders betroffen sind Hauskatzen der Anwohner. Mindestens eine Katze hat in dem Teich bereits ihr Leben verloren, was große Besorgnis unter Katzenbesitzern und auch bei Bürgermeister Berno Heidschmidt auslöst. „Kann schon sein, dass da mal ein Tier ertrinkt“, sagte Heidschmidt. „Da bleibt einem nichts weiter übrig, als die Tiere einzusperren, wenn man sichergehen will.“

Gemeindliche Maßnahmen und rechtliche Vorgaben

Bürgermeister Heidschmidt betonte, dass die Gemeinde Kessin alle gesetzlichen Vorgaben für den Löschteich eingehalten hat. „Wir haben den Teich eingefriedet, so wie es vorgeschrieben ist“, erklärte er. Zudem sind ein Rettungsring und ein Seil vorhanden, die primär für die Rettung von Kindern und Erwachsenen gedacht sind. „Einem Menschen kann da eigentlich nichts passieren“, so der Bürgermeister.

Als weitere Maßnahme plant die Gemeinde, den Teich bis zum Rand der Folie aufzufüllen. Dadurch soll die Wassertiefe reduziert werden, sodass Tiere in Zukunft leichter aus dem Gewässer entkommen können. Diese Anpassung könnte das Risiko für Wild- und Haustiere deutlich verringern.

Vorbild aus Demmin: Kreative Lösungen mit Autoreifen

Im Demminer Wohnviertel Achtermanns Acker hat man ähnliche Probleme mit einem sanierten Löschteich erlebt. Auch dort verendeten Tiere, weil sie aufgrund der glatten Folie nicht mehr aus dem Wasser klettern konnten. Die lokale Verwaltung suchte nach praktikablen Lösungen und entwickelte eine innovative Idee: Mehrere Aufstiegstreppen aus alten Autoreifen wurden installiert, um Tieren einen sicheren Ausstieg zu ermöglichen.

Der Bauamtsleiter in Demmin berichtete, dass man mit anderen Kommunen, die vergleichbare Schwierigkeiten haben, im Austausch stand und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchte. Trotz dieser Maßnahmen ist man sich auch in Demmin bewusst, dass Unfälle nicht vollständig verhindert werden können. Die Aufstiegshilfen stellen jedoch einen wichtigen Schritt in Richtung mehr Tiersicherheit dar.

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Fazit: Ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Tierschutz

Die Situation in Kessin und Demmin zeigt, dass technische Sanierungen von Löschteichen nicht nur Vorteile mit sich bringen. Während die Maßnahmen die Funktionalität der Gewässer verbessern, entstehen neue Gefahren für die Tierwelt. Die Gemeinden stehen vor der Herausforderung, einen Ausgleich zwischen den Anforderungen des Brandschutzes und dem Schutz von Wild- und Haustieren zu finden.

Lösungen wie das Auffüllen der Teiche oder die Installation von Aufstiegshilfen können dazu beitragen, die Risiken zu minimieren. Dennoch bleibt die Aufklärung der Anwohner und die Sensibilisierung für die Gefahren entscheidend. Letztendlich unterstreichen diese Fälle, wie wichtig es ist, bei kommunalen Bauvorhaben auch die Auswirkungen auf die Umwelt und die Tierwelt im Blick zu behalten.