Wal-Influencer meldet sich nach gescheiterter Rettungsaktion zu Wort
Der umstrittene YouTuber Robert Marc Lehmann, der als sogenannter „Wal-Flüsterer“ bekannt ist, hat sich nach der gescheiterten Rettung von Buckelwal Timmy an der Küste von Niendorf öffentlich geäußert. In einem einstündigen Video auf seinem YouTube-Kanal verteidigt er sein Vorgehen während der dramatischen Strandung Ende März und geht scharf mit anderen Beteiligten ins Gericht.
Lehmann betont seine Expertise und kritisiert Koordination
Gleich zu Beginn des Videos wird der Ton deutlich: „Jetzt reicht’s mir. Ich fahr’ jetzt hin, weil, wenn man ihn versucht zu retten, dann soll man es meiner Meinung nach auch richtig machen“, erklärt Lehmann mit Nachdruck. Er stellt sich selbst als Experten dar und behauptet, über die größte Fachkenntnis für solche Situationen in Deutschland zu verfügen. Nach eigenen Angaben war er bereits an zwölf Walrettungen beteiligt, wobei nach Informationen der BILD-Zeitung seine Rolle dabei überwiegend die eines Kameramanns war.
Als Lehmann am Timmendorfer Strand eintraf, übernahm er schnell die Führung. Doch die Stimmung kippte rasch. Er berichtet von „Stress“ und „Streit“ und wirft seinem Team vor, „unfreundlich“ behandelt worden zu sein. Die Rettungsmaßnahmen beschreibt er als „völlig unkoordiniert“ und kritisiert insbesondere die Einsätze der Wasserpolizei scharf. „Die Boote seien komplett diffus unterwegs gewesen und hätten den Wal bedrängt. Das kotzt mich an“, so seine deutlichen Worte.
Konflikt mit Wissenschaftlern und Abbruch des Einsatzes
Besonders hart geht Lehmann mit Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) ins Gericht. „Sie weiß nicht, was sie tut“, urteilt er über die Wissenschaftlerin. Der Konflikt eskalierte schließlich, als mutmaßlich die Einsatzleiterin über Funk intervenierte: „Wenn es hier um Selbstdarstellungszwecke geht, dann können wir das von seiner Seite aus abbrechen. Es geht mir darum, den Wal rauszugeleiten und nicht, der nächste Youtube-Star zu werden.“
Daraufhin brach Lehmann seinen Einsatz ab. Im Video zeigt er sich am Ende sichtlich getroffen: „Am Ende kann ich euch nur sagen, dass ich sehr, sehr traurig bin … vielleicht so sehr wie noch nie.“
Nachwirkungen und offene Fragen
Nach der gescheiterten Rettung wächst die Kritik an Lehmann. Bürgermeister Partheil-Böhnke (FDP) bewertet die Zusammenarbeit als schwierig und äußert sich überrascht: „Ich war etwas überrascht, dass seine Prognosen und seine Annahmen alle falsch waren.“ Unklar bleibt zudem, woher Lehmanns Ruf als „Wal-Flüsterer“ eigentlich stammt, da eine wissenschaftliche Spezialisierung auf Wale nicht belegt ist.
Letztlich gelang es Buckelwal Timmy erst in der Nacht, sich aus eigener Kraft zurück ins tiefere Wasser zu kämpfen – ein Erfolg, der trotz aller Kontroversen zumindest ein positives Ende nahm.



