Walforscher warnt: Buckelwal vor Poel in kritischem Zustand - Experte rät erneut zu strikter Ruhe
Walforscher: Buckelwal vor Poel in kritischem Zustand - Ruhe nötig

Walforscher warnt: Zustand des Buckelwals vor Poel hat sich verschlechtert

Die Situation des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals hat sich nach Einschätzung des Berliner Walforschers und Meeresbiologen Fabian Ritter deutlich verschlechtert. „Der ragt tatsächlich deutlich weiter aus dem Wasser. Das ist keine gute Sache“, erklärte Ritter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der gesunkene Wasserstand verschärfe die Lage erheblich, da das Tier nun stärker unter seinem eigenen Gewicht leide.

Kritische Position und Rettungsversuche

Der Wal scheint nach Ritters Beobachtungen auf Grund zu liegen und ist nicht in der Lage, sich zu bewegen. Über Stunden versuchten Teammitglieder einer privaten Rettungsinitiative, mit Spülgerät den Grund unter dem Tier zu vertiefen, wie Live-Streams dokumentierten. Diese Bemühungen zeigen die Verzweiflung der Helfer, doch der Experte äußert deutliche Bedenken.

Fabian Ritter bringt immense Erfahrung in die Bewertung der Situation ein:

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  • 20 Jahre Mitglied im Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission (IWC)
  • 10 Jahre Leiter des Meeresschutzbereichs bei Whale and Dolphin Conservation (WDC)
  • Autor von fünf Büchern über Wale

Besorgniserregende Bewegungen und physische Belastung

Am Dienstagmorgen waren die Brustflossen des Wals deutlicher zu sehen als zuvor. Das Tier bewegte diese Flipper immer wieder, was Ritter unterschiedlich interpretiert: „Entweder als Auswirkung davon, dass das Tier weiter aus dem Wasser ragt, oder dass es eine gewisse Bewegungsfreiheit hat.“ Die akute Bedrohung hänge von mehreren Faktoren ab, darunter die Beschaffenheit des Untergrunds, die Liegeposition, die Strömungsverhältnisse und mögliche innere Verletzungen.

Trotz der kritischen Situation zeigt der Wal erstaunliche Vitalität: „Soweit ich das sehe, ist der Atem nach wie vor kraftvoll. Dieser Wal hat ganz offensichtlich eine Kämpfernatur“, so Ritter. Dass das Tier nach den wiederholten Strandungen noch lebt, bezeichnet der Experte als „im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit“ und betont die Einzigartigkeit dieses Falls.

Ethische Frage: Eingreifen oder Natur ihren Lauf lassen?

Ritter bekräftigt seine klare Empfehlung: „Ich empfehle, diesen Wal jetzt einfach strikt in Ruhe zu lassen“. Nachdem das Tier am Montag auf unnatürliche Weise geschwommen war und zwei Stunden später erneut auf einer Sandbank lag, sieht der Experte weitere Eingriffe kritisch. „Wir Menschen scheinen das nur schwer aushalten zu können“, reflektiert Ritter die emotionale Bindung der Öffentlichkeit zu dem Wal.

Die Situation stellt eine grundlegende ethische Frage dar:

  1. Weiteres Eingreifen mit dem Risiko, das Tier noch mehr zu schädigen, zu stressen und sein Leiden möglicherweise zu erhöhen?
  2. Oder Akzeptanz, dass nach allen Versuchen die Natur ihren Lauf nehmen sollte?

„Es handelt sich um ein Wildtier. Wildtiere sterben überall auf der Welt“, erinnert Ritter an die natürlichen Prozesse, die für die Öffentlichkeit oft schwer zu ertragen seien. Die emotionale Verbindung zu diesem besonderen Wal erschwere eine rationale Entscheidung zusätzlich.

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