Ostsee-Drama: Darum erhält der gerettete Buckelwal keinen Peilsender
Ein junger Buckelwal hielt ganz Deutschland in Atem, als er vor der Lübecker Bucht strandete. Nach tagelangem, verzweifeltem Kampf zahlreicher Retter und Experten konnte sich das Meeressäuger in der Nacht zu Freitag endlich befreien. Nun schwimmt er im Zickzack-Kurs durch die Ostsee – doch sein weiteres Schicksal bleibt ungewiss. Die entscheidende Frage: Warum stattet man den Wal nicht mit einem Peilsender aus, um seine Route besser verfolgen zu können?
Die dramatische Rettungsaktion
Der Buckelwal kam immer wieder den flachen Ufern bedrohlich nahe, zunächst auf Boltenhagen zu, wo er nur noch 400 Meter vom Ufer entfernt war. Stunden später trieb es das Tier Richtung Travemünde. Begleitet von Rettern in Booten, die den Wal ständig im Blick behielten, gelang schließlich die Befreiung. Bagger waren im Einsatz, um dem gestrandeten Wal freizubekommen. Doch trotz des erfolgreichen Rettungseinsatzes bleibt die Sorge: Findet der Wal den Weg zurück in den Atlantik?
Tierschutzgründe verhindern Besenderung
Prof. Ursula Siebert von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) erklärt gegenüber Medien: „Besendungen dürfen weltweit und auch in Deutschland nur mit Tierversuchsgenehmigung durchgeführt werden. Bei einer unerwarteten Strandung wie dieser ist es in der Regel unmöglich, eine solche Genehmigung rechtzeitig zu erhalten.“ Zusätzlich wäre eine Artenschutzgenehmigung nötig. Der Fokus liege zunächst darauf, das Tier wieder flott zu bekommen.
Ein GPS-Tracker könnte zwar helfen, schnell zu reagieren, falls der Wal erneut strandet. Doch Siebert warnt vor unerwünschten Folgen: „Diese Information könnte irgendwohin gelangen und einen Waltourismus auslösen.“ Nach den anstrengenden Tagen sei es wichtig, dass sich das Tier ausreichend erholen könne. Jede zusätzliche Belastung durch einen Sender stelle ein extra Ereignis für den geschwächten Wal dar.
Weitere Argumente gegen die Besenderung
Meeresbiologe Robert Marc Lehmann spricht sich ebenfalls gegen einen Sender am Körper des Tieres aus. Ein praktisches Problem: Die Haut des Wals ist in schlechtem Zustand, sodass ein Sender mit Saugnäpfen nicht halten würde. Doch darüber hinaus lehnt der Experte die Methode grundsätzlich ab: „Immer besteht die Gefahr, dass sich das Tier mit dem Sender verletzt.“ Lehmann selbst besitzt keine Sender für solche Einsätze.
Überlebenschancen und weitere Entwicklung
Prof. Siebert betont, dass der Buckelwal während der gesamten Rettungsaktion eine reale Überlebenschance hatte: „Hätten wir diese als gering eingeschätzt, hätten wir die Bergung nicht befürwortet. Jetzt muss er schlaue Wege einschlagen.“ Der Wal schwimmt bereits in tiefere Gewässer, taucht länger und zeigt sich sehr aktiv. Diese Anzeichen geben Hoffnung, dass er den richtigen Weg finden wird.
Niemand kann vorhersagen, wohin der Wal als Nächstes schwimmt. Doch die Experten bleiben optimistisch, dass das Tier nach der traumatischen Strandung wieder zu Kräften kommt und seinen Weg in sichere Gewässer findet – auch ohne technische Überwachung durch einen Peilsender.



