Hannes Jaenicke fordert mehr Engagement für den Umweltschutz
Der Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke hat sich in einem Interview mit der AZ zu seinen aktuellen Plänen geäußert. Mit seiner Stiftung Pelorus Jack Foundation startet er in Kürze eine bundesweite Spendenkampagne, um 50.000 Hektar Regenwald in Indonesien zu retten. Das Ziel: eine Million Euro bis Ende des Jahres. Die Kampagne wird von Unternehmen der digitalen Außenwerbung unterstützt, die Werbeflächen im Wert von einer Million Euro zur Verfügung stellen.
Warum der Regenwald in Indonesien bedroht ist
Jaenicke erklärte, dass das Projekt bereits seit 20 Jahren besteht. Ursprünglich wurde es von indigenen Dayaks gegründet, die den Wald vor der Palmöl-, Holz- und Kohleindustrie schützen wollen. Der deutsche Verein Fans For Nature kam später hinzu. Jaenicke lernte die Organisation kennen, als er einen Film über Orang-Utans auf Borneo drehte. Die Abholzungsrate in Indonesien steigt rasant, weshalb die letzten Primärwälder gerettet werden müssen.
Konflikttiere brauchen dringend Lebensraum
Der Hauptgrund für den Waldschutz sei nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die Rettung von Tieren. In Auffangstationen werden ständig Orang-Utans, Gibbons und Makaken abgegeben, die aus Palmölplantagen oder Kohlegebieten gerettet wurden. Ihnen fehlen Waldflächen zur Auswilderung. Jaenicke betont: „Es ist eine Win-win-win-Situation: Man schützt das Klima, rettet bedrohte Arten und schafft Arbeitsplätze für Einheimische.“
Wettrennen gegen die Palmöl-Industrie
Die benötigte Fläche von 50.000 Hektar könnte für 60 Jahre gepachtet werden. Wenn das Geld nicht zusammenkommt, droht der Verkauf an einen chinesischen Palmöl-Unternehmer. Jaenicke spricht von einem Wettrennen. Die Kampagne soll die Stiftung bekannter machen, denn sie existiert erst seit vier Jahren und arbeitet ohne Büro – der Sitz ist Jaenickes Wohnung. Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich.
Kritik an der aktuellen Umweltpolitik
Jaenicke äußerte sich kritisch zur politischen Lage. Seit den Regierungen von Donald Trump und Friedrich Merz sei der Umweltschutz quasi abgeschafft. „Es heißt immer, die Wirtschaft müsse angekurbelt werden, danach könne man sich um Nachhaltigkeit kümmern. Das halte ich für unsäglich dumm“, so der Aktivist. Er kritisierte auch den steigenden Fleischkonsum und die zunehmende Versiegelung von Flächen in Deutschland.
München als Vorbild?
Mit Blick auf Münchens neuen grünen Oberbürgermeister Dominik Krause zeigte sich Jaenicke optimistisch, warnte aber: „Er wird von der Autolobby heftigen Widerstand bekommen.“ Jaenicke lobte die Sperrung der Augustenstraße für Autos und hofft auf ein Pariser Modell für München. Städte seien für Menschen da, nicht für Autos.
Praktische Tipps für den Alltag
Auf die Frage, wie jeder seinen ökologischen Fußabdruck verbessern kann, empfahl Jaenicke, den Fleischkonsum zu reduzieren und auf Bio-Fair-Trade-Produkte zu achten. „Jeden Tag treffen wir Entscheidungen, die umweltrelevant sind. Man muss an den Schrauben drehen, die möglich sind.“ Er räumte ein, selbst bequem zu sein, und fahre bei schlechtem Wetter lieber Auto als Fahrrad.
Greenwashing in der Wirtschaft
Jaenicke sieht 90 Prozent der Nachhaltigkeitsversprechen von Unternehmen als Greenwashing. Kreuzfahrtschiffe seien nicht CO2-neutral, und viele Produkte würden fälschlich als umweltfreundlich beworben. Er empfiehlt, gezielt nach Zertifikaten wie Demeter, Naturland oder Bioland zu suchen.
Hoffnung trotz Rückschlägen
Trotz der düsteren Lage zeigte sich Jaenicke hoffnungsvoll. Er erinnerte an Erfolgsgeschichten wie die Reinigung des Rheins, der in den 1960er-Jahren eine Chemiekloake war und heute wieder zum Baden einlädt. Auch der Buckelwal habe ein Comeback geschafft. Sein persönlicher Wendepunkt war das Jahr 1986 mit der Sandoz-Katastrophe und Tschernobyl. Nach 18 Jahren Dokumentarfilm-Arbeit gründete er die Pelorus Jack Foundation, um dem Raubbau etwas entgegenzusetzen.



