Münchens erster Waldgarten: Grüne Revolution in Berg am Laim
Ein eigener Garten in München bleibt für viele Bewohner ein unerfüllter Traum. Doch eine innovative Alternative eröffnet nun neue Perspektiven für naturbegeisterte Stadtmenschen. Ein engagierter Verein entwickelt derzeit den ersten Waldgarten Münchens im Stadtteil Berg am Laim. Dieses einzigartige Projekt kombiniert Gemeinschaftssinn mit ökologischer Nachhaltigkeit und schafft eine essbare grüne Oase mitten im urbanen Raum.
Vom Computerjob zur Gartenarbeit: Freiwillige gestalten mit
An einem sonnigen Sonntagvormittag herrscht reges Treiben auf der Wiese an der St.-Michael-Straße. Etwa dreißig Freiwillige buddeln Löcher, transportieren Erde und setzen Sträucher ein. Unter ihnen ist Volker, der bewusst einen Ausgleich zu seiner Computerarbeit sucht. "Mir geht es nicht primär um Botanik", erklärt er, während er eine Alpen-Johannisbeere (Ribes Alpinum) pflanzt. "Hier finde ich die perfekte Balance zum digitalen Arbeitsalltag." Während auf seinem Balkon nur wenige Kräuter gedeihen, bietet der Waldgarten Raum für Bäume und Sträucher aller Art.
Die Vision: Eine essbare Stadt für München
Die Initialzündung für das Projekt kam von Quentin Orain, der in einer Fernsehdokumentation über Berlins Waldgarten inspiriert wurde. "Wenn die das können, schaffen wir das auch", dachte sich der Münchner und setzte seine Vision in die Tat um. Ein Waldgarten unterscheidet sich grundlegend von traditionellen Schrebergärten: Statt Parzellen und Zäunen steht hier die Gemeinschaft im Mittelpunkt. "Bei uns kann jeder mitmachen", betont Orain. Die Fläche ist dicht bepflanzt mit essbaren Gewächsen – von Walnuss- und Apfelbäumen über Kiwis und Trauben bis hin zu Walderdbeeren, Minze und Oregano als Bodendecker.
Nachhaltigkeit und Gemeinschaftsgeist
Birgit Stenzel schätzt besonders den nachhaltigen Ansatz des Projekts: "Es werden ausschließlich mehrjährige Pflanzen verwendet. Das ist ökologisch sinnvoll und ich finde es wunderbar, dem Wachstum über Jahre zuzusehen." Neben klassischen Beerensträuchern finden sich auch mehrjährige Kohl-, Lauch- und Zwiebelsorten sowie exotischere Gewächse wie Quitten, Feigen, Maulbeeren und Zwetschgen. Der Waldgarten soll dauerhaft öffentlich zugänglich bleiben und regelmäßige Pflegeaktionen bieten Raum für gemeinsames Gärtnern und Lernen.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Die Realisierung des Projekts erforderte beträchtlichen Einsatz. Nach der Vereinsgründung dauerte die Suche nach einer geeigneten Fläche eineinhalb Jahre. Nur der Bezirksausschuss Berg am Laim signalisierte Unterstützung. Die Verhandlungen mit der Stadt München führten schließlich zur Freigabe der Grünfläche an der St.-Michael-Straße, wo bereits etwa vierzig Obstbäume standen. Quentin Orain, der bereits den Mitmach-Supermarkt "Food Hub" gründete, verfolgt eine größere Vision: "Ich träume von einer essbaren Stadt München, in der Parks und Straßen mit pflückbaren Obstbäumen, Kräutern und Beeren bepflanzt sind." Dies würde Importe reduzieren und lokale Ressourcen stärken.
Vielfältige Teilnehmer und weitere Projekte
Die aktiven Waldgärtner bilden eine bunte Mischung aus erfahrenen Baumschneidern und kompletten Neulingen. Während bereits etwa zweihundert Pflanzen eingesetzt wurden, stehen noch zahlreiche Aufgaben an: Rasen mähen, Unkraut zupfen, Bewässerung, Ernte, Baumschnitt sowie das Anbringen von Spalieren für Himbeeren und Brombeeren. Informationsschilder sollen Besuchern die verschiedenen Pflanzen erklären. München verfügt über mehrere Gemeinschaftsgärten, die auf der Plattform "urbane-gaerten-muenchen.de" kartografiert sind. Der Waldgarten in Berg am Laim markiert jedoch einen innovativen Schritt Richtung nachhaltiger Stadtbegrünung.



