Tschernobyl-Folgen: Radioaktivität in deutschen Wäldern noch messbar
Tschernobyl: Radioaktivität in deutschen Wäldern messbar

Vier Jahrzehnte nach dem verheerenden Reaktorunfall von Tschernobyl sind die Auswirkungen in Deutschland immer noch spürbar. Insbesondere in süddeutschen Wäldern finden sich erhöhte Werte radioaktiver Substanzen. Dies betrifft vor allem Wildschweinfleisch und Pilze, die weiterhin mit Cäsium-137 belastet sein können.

Ursache: Cäsium im Waldboden

Das radioaktive Cäsium, das sich nach dem Unglück von 1986 in Waldböden abgelagert hat, wird von Pilzen aufgenommen. Über die Nahrungskette gelangt es in Wildschweine, die unter anderem Hirschtrüffel fressen, die das Element besonders stark anreichern. Laut Martin Steiner, Leiter des Fachgebiets Radioökologie beim Bundesamt für Strahlenschutz, besteht jedoch keine akute Gefahr, solange man nicht übermäßig große Mengen dieser Lebensmittel verzehrt.

Belastung nur bei selbst gesammelten Produkten

Die erhöhte radioaktive Belastung beschränkt sich auf bestimmte selbst gesammelte oder erlegte Lebensmittel. Supermarktware unterliegt strengen Kontrollen und ist unbedenklich. Das Bundesumweltministerium empfiehlt, den Verzehr von frischen Wildpilzen auf 200 bis 250 Gramm pro Woche zu beschränken, bei Kindern entsprechend weniger.

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Unterschied zwischen Acker- und Waldböden

Bei dem Reaktorunfall gelangten verschiedene radioaktive Stoffe in die Atmosphäre, darunter Jod, Cäsium, Strontium und Plutonium. Heute ist in Deutschland nur noch Cäsium-137 relevant, wie das rheinland-pfälzische Landesumweltministerium mitteilte. Mit einer Halbwertszeit von rund 30 Jahren ist es erst zu etwa 60 Prozent zerfallen. In Ackerböden ist Cäsium fest gebunden und wird von Pflanzen kaum aufgenommen. In Waldböden hingegen ist es mobiler und wird stärker von Mikroorganismen, Pflanzen und Pilzen aufgenommen.

Kontrollpflicht für Jäger

Jäger sind verpflichtet, bei der Vermarktung von Wildfleisch Eigenkontrollen durchzuführen. Die amtliche Lebensmittelüberwachung überprüft stichprobenartig Schwarzwildfleisch aus Handel, Gastronomie und spezialisierten Metzgereien. Das Bundesverwaltungsamt (BVA) erstattet Jägern die Kosten für Wild, das wegen zu hoher Strahlenbelastung nicht verkauft werden darf. Im vergangenen Jahr wurde dies für knapp 3000 Tiere bundesweit gezahlt.

Regionale Schwerpunkte

Der Großteil der belasteten Tiere stammt aus Bayern (etwa 2300) und Baden-Württemberg (491). Anderes Wild war deutschlandweit nicht betroffen. Die radioaktiven Stoffe lagerten sich vor allem im Süden Deutschlands ab, etwa südlich der Donau und im Bayerischen Wald.

Ein Fotograf wies mit einem Experiment nach, dass die Folgen von Tschernobyl auch in der DDR die Gesundheit gefährdeten – was die SED-Führung geheim halten wollte.

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