Frühlingserwachen am Arbeitsmarkt der Seenplatte
Die berühmte Frühjahrsbelebung hat die Region Mecklenburgische Seenplatte erreicht. Im März ist die Zahl der Arbeitslosen um 461 Personen auf nunmehr 12.254 gesunken – ein deutlich stärkerer Rückgang als im Vorjahreszeitraum. Andreas Wegner, Geschäftsführer der Neubrandenburger Arbeitsagentur, spricht von einer "saisontypischen" Entwicklung, warnt jedoch vor vorschnellem Optimismus.
Positive Impulse durch Tourismus und Ostergeschäft
"Wir holen den Februar auf", erklärt Wegner mit Blick auf den vorübergehenden Anstieg der Arbeitslosenzahl im Vormonat. Mit einer aktuellen Erwerbslosenquote von 9,6 Prozent stehe die Region nicht schlechter da als vor einem Jahr. Angesichts der globalen wirtschaftlichen Lage sei dies durchaus als Zeichen für Stabilität zu werten.
Noch seien nicht alle jahreszeitlichen Effekte vollständig spürbar. Mit dem beginnenden Osterfest und der anlaufenden Tourismussaison geht der Agenturchef davon aus, dass sich der positive Trend in den kommenden Wochen fortsetzen wird.
Erfreuliche Entwicklungen in der Arbeitsvermittlung
Zu den ermutigenden Signalen zählt Wegner, dass im März erstmals seit Jahresbeginn mehr Menschen aus der Arbeitslosigkeit in Beschäftigung vermittelt wurden (788) als sich aus Erwerbstätigkeit arbeitslos melden mussten (657). Besonders bemerkenswert: 34 Arbeitslose wagten im März den Schritt in die Selbstständigkeit. Seit Januar haben insgesamt 79 Menschen diesen Weg gewählt – 15 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Stellenangebote zeigen überdurchschnittliches Wachstum
Die Zahl der neu gemeldeten Stellen stieg im März auf 537 – ein Zuwachs von 55 gegenüber dem Vormonat. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 1.345 Stellenangebote registriert, was einem Plus von gut zehn Prozent gegenüber 2025 entspricht. Gesucht werden vor allem Fachkräfte, doch auch im Bereich ungelernte Arbeitskräfte gebe es Bewegung, wie Wegner betont.
Positiv zu vermerken ist zudem der weiter gesunkene Bedarf an Grundsicherung: Mit etwas mehr als 14.000 erwerbsfähigen und rund 4.000 nicht erwerbsfähigen Beziehern – letztere überwiegend Kinder unter 15 Jahren – liegt die Zahl etwa 1.000 unter dem Vorjahresstand.
Demografische Herausforderungen bleiben bestehen
Auf der Schattenseite der Arbeitsmarktentwicklung steht weiterhin der Rückgang sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Hier spiegelt sich eine demografische Entwicklung wider, von der die Seenplatte stärker betroffen ist als viele andere Regionen Deutschlands: Nur halb so viele Menschen rücken ins erwerbsfähige Alter nach, wie in den Ruhestand gehen.
"Diese Entwicklung wird sich noch einige Jahre fortsetzen", prognostiziert Wegner. Um die entstehende Lücke zu schließen, benötige die Region junge Menschen in Ausbildung und Beschäftigung sowie Zuwanderung – sowohl aus anderen deutschen Regionen als auch aus dem Ausland.
Integration zeigt Erfolge, aber auch Potenzial
Bislang könne der demografisch bedingte Rückgang nicht vollständig kompensiert werden, selbst durch die wachsende Zahl ausländischer Beschäftigter. Diese Entwicklung zeige zwar, "dass wir bei der Integration ganz erfolgreich sind", stellt der Agenturchef fest. Gleichzeitig mache der Umstand, dass etwa 15 Prozent der Arbeitslosen ausländischer Herkunft sind, deutlich, dass noch erhebliches Potenzial vorhanden sei.
Ausbildungssituation mit gemischten Signalen
In der Ausbildungslandschaft registriert Wegner "viel Bewegung": Von den rund 1.150 seit Herbst gemeldeten Ausbildungs- und dualen Studienplätzen sind bereits fast die Hälfte vergeben. Mit noch 650 offenen Stellen ist das Angebot erstmals seit langer Zeit geringer als die Zahl der 728 noch unversorgten Bewerber.
Diese Entwicklung sei jedoch weder belastbar noch beruhigend, wie Wegner erklärt. Vergebene Lehrstellen würden oft schneller aus dem System genommen, als sich Bewerber nach einer Zusage von der Suche abmeldeten. Die Ausbildungsbereitschaft einheimischer Betriebe bleibe unvermindert hoch, während gleichzeitig durch steigende Anforderungen in vielen Berufen zahlreiche junge Menschen Unterstützungsbedarf hätten.
Mit Maßnahmen wie Einstiegsqualifizierungen, Langzeitpraktika und assistierter Ausbildung versuche die Arbeitsagentur, Bewerber und Betriebe erfolgreich zusammenzubringen und so den Fachkräftemangel langfristig zu bekämpfen.



