Das Ende einer Ära: Playmobil schließt letztes deutsches Werk
Seit 1974 bevölkern die charakteristischen Playmobil-Figuren die Kinderzimmer weltweit. Doch nun geht eine bedeutende Epoche der deutschen Spielzeugproduktion zu Ende. Das Mutterunternehmen Horst-Brandstätter-Group hat beschlossen, das letzte verbliebene deutsche Playmobil-Werk im mittelfränkischen Dietenhofen zum 30. Juni 2026 zu schließen. Diese Entscheidung betrifft unmittelbar 350 Beschäftigte, die seit Jahrzehnten die kultigen Kunststofffiguren hergestellt haben.
Sozialplan sichert Übergang für betroffene Mitarbeiter
Nach intensiven Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretern konnte nun ein umfassender Sozialplan vereinbart werden. Dieser sieht die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor, die den betroffenen Mitarbeitern beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse helfen soll. Zusätzlich werden Abfindungszahlungen geleistet, um die wirtschaftlichen Folgen der Werkschließung abzufedern.
„Wir haben mit den Arbeitnehmervertretern eine faire Lösung für alle Beteiligten gefunden“, teilte das Unternehmen in einer offiziellen Stellungnahme mit. Die Horst-Brandstätter-Group betonte, dass man sich der sozialen Verantwortung gegenüber den langjährigen Mitarbeitern bewusst sei und einen geordneten Übergang ermöglichen wolle.
Produktion wandert ins Ausland ab
Die Fertigung der berühmten Playmobil-Figuren wird künftig ausschließlich in ausländischen Werken fortgeführt, insbesondere in Malta und Tschechien. Diese Entscheidung spiegelt die wirtschaftlichen Herausforderungen wider, mit denen das Unternehmen in den vergangenen Jahren konfrontiert war.
Die Horst-Brandstätter-Group hat in den letzten Jahren erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Innerhalb weniger Jahre verlor das Unternehmen etwa ein Drittel seines Umsatzes, was auf die nachlassende Relevanz der Playmobil-Produkte in modernen Kinderzimmern zurückzuführen ist. Die Konkurrenz durch digitale Spielzeuge und veränderte Spielgewohnheiten haben dem traditionellen Spielzeughersteller zugesetzt.
Unternehmen sucht nach neuer Strategie
Trotz der aktuellen Herausforderungen zeigt sich Firmenchef Bahri Kurter optimistisch für die Zukunft. Auf der Spielwarenmesse im Januar 2026 kündigte er an, dass eine Trendwende möglich sei. Das Unternehmen plant, im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada mit neuen Produktlinien zu punkten.
Besondere Hoffnungen setzt Playmobil auf spezielle Fußballspieler-Figuren, die berühmte Sportler darstellen sollen. Diese Lizenzprodukte könnten dem Unternehmen helfen, wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen und neue Zielgruppen zu erreichen.
Die Schließung des Dietenhofener Werks markiert nicht nur das Ende einer Produktionsstätte, sondern symbolisiert auch den Wandel in der globalen Spielzeugindustrie. Während die Produktion ins Ausland verlagert wird, bleibt die Entwicklung und das Design der Figuren weiterhin in Deutschland angesiedelt.
Für die Region Mittelfranken bedeutet die Werkschließung einen herben Verlust an industriellen Arbeitsplätzen. Die betroffenen Mitarbeiter, viele von ihnen mit jahrzehntelanger Betriebszugehörigkeit, stehen nun vor der Herausforderung, sich beruflich neu zu orientieren. Die vereinbarte Transfergesellschaft soll dabei unterstützen, Qualifikationen anzupassen und Vermittlungsmöglichkeiten zu erschließen.



