Studie warnt: Deutsche Wirtschaft kann sich nicht von China und USA entkoppeln
Deutsche Wirtschaft kann sich nicht von China und USA entkoppeln

Deutsche Außenhandelspolitik: Abkehr von China und USA wirtschaftlich kaum möglich

Die Zusammenarbeit mit Autokraten und Despoten in China und den USA bereitet vielen Akteuren in Wirtschaft und Politik erhebliche Kopfschmerzen. Laut einer aktuellen britischen Studie würde eine Entflechtung von diesen beiden globalen Supermächten jedoch einen extrem hohen Preis für die deutsche Volkswirtschaft fordern. Die tiefgreifenden Verflechtungen deutscher Großkonzerne mit den USA und China verhindern einer umfassenden Untersuchung zufolge eine einheitliche und kohärente deutsche Außenhandelspolitik.

Abhängigkeit führt zu geopolitischer Zwickmühle

Die Abhängigkeit von den beiden weltgrößten Volkswirtschaften ist der Studie nach so ausgeprägt und strukturell verankert, dass eine strategische Entkopplung mit schwerwiegenden ökonomischen Einbußen und Verlusten verbunden wäre. Dies geht aus der am Montag veröffentlichten detaillierten Analyse von Forschern der renommierten University of Sussex und des King’s College London hervor. Die Wissenschaftler untersuchten dabei minutiös die vielfältigen Abhängigkeiten von an den deutschen Börsenindizes Dax und MDax notierten Unternehmen in den kritischen Bereichen Absatz, Produktion und globalen Lieferketten.

„Führende Industrieunternehmen wie Siemens und BMW wurden in einem grundlegend globalisierten System aufgebaut und können sich weder von China noch von den USA entkoppeln, ohne verheerende Verluste zu erleiden“, erläuterte Steven Rolf, Politikökonom an der University of Sussex und einer der Hauptautoren der Studie. Diese innere Zerrissenheit des eigenen, lange etablierten Exportmodells bilde den eigentlichen Kern von Deutschlands aktueller geopolitischer Zwickmühle.

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Branchenspezifische Abhängigkeiten im Fokus

Der Studie zufolge zeigen sich die Abhängigkeiten in unterschiedlicher Ausprägung across verschiedene Wirtschaftssektoren. So sind insbesondere die deutschen Auto- und Maschinenbauer am stärksten vom riesigen chinesischen Markt abhängig, sowohl was den Absatz als auch die Produktion betrifft. Im Kontrast dazu seien Chemie- und Pharmafirmen in Deutschland für ihre Forschung, Entwicklung und teilweise auch Produktion deutlich mehr auf die USA ausgerichtet und angewiesen. Digital-, Telekommunikations- und Halbleiterunternehmen wiederum seien in hohem und besorgniserregendem Maße von kritischen Zulieferern und Technologien aus beiden Ländern, China und den USA, abhängig, was sie besonders verwundbar macht.

Konkrete Beispiele untermauern die Analyse

Die wissenschaftliche Untersuchung untermauert diese allgemeinen Feststellungen mit handfesten, konkreten Beispielen aus der Unternehmenspraxis:

  • So erziele der Automobilkonzern BMW mittlerweile mehr Umsatz in der Volksrepublik China als in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika. Gleichzeitig sei der bayerische Premiumhersteller vom chinesischen Batterielieferanten CATL für essentielle Zulieferungen im Wert von mehr als 1,4 Milliarden Euro abhängig, was die Verflechtung verdeutlicht.
  • Siemens, der Technologie- und Industriegigant, erwirtschafte allein 24 Prozent seines gesamten Konzernumsatzes in den USA und weitere zwölf Prozent im Reich der Mitte. Die globalen Lieferketten des Münchner Konzerns seien zudem in hohem Maße und auf komplexe Weise mit beiden Ländern verflochten, was eine einseitige Lösung unmöglich macht.

Herausforderung für die Bundesregierung

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen eindrücklich die enormen Schwierigkeiten und Dilemmata für die amtierende Bundesregierung in Berlin. Angesichts der zunehmenden geopolitischen und handelspolitischen Spannungen zwischen den USA und China fällt es schwer, eine klare und eindeutige strategische Linie zu formulieren. Die widersprüchlichen und teils gegenläufigen Interessen der deutschen Wirtschaft machen es nahezu unmöglich, eine einheitliche politische Linie und Außenhandelsstrategie zu finden, resümierte Studienautor Rolf. Diese Erkenntnis stellt die deutsche Politik vor eine der größten wirtschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre.

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