Trumps Zolloffensive nimmt neue Dimensionen an
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump setzt ihre aggressive Handelspolitik unvermindert fort und hat am Donnerstag neue Maßnahmen angekündigt, die erneut Schockwellen durch den Welthandel senden. Trotz zahlreicher gerichtlicher Rückschläge in der Vergangenheit zeigt Trump mit diesen jüngsten Entscheidungen, dass er an seiner umstrittenen Zollstrategie nicht nur festhält, sondern sie systematisch ausbaut.
100 Prozent Zoll auf patentgeschützte Arzneimittel
Im Zentrum der neuen Maßnahmen steht ein drastischer Zollaufschlag von satten 100 Prozent auf patentgeschützte Arzneimittel. Dieser Schritt zielt explizit darauf ab, internationale Pharmakonzerne zur Ansiedlung in den Vereinigten Staaten zu bewegen. Großkonzerne müssen die neuen Zölle bereits in 120 Tagen zahlen, während kleinere Unternehmen eine etwas längere Frist von 180 Tagen erhalten. Unternehmen, die sich tatsächlich für eine Produktionsverlagerung in die USA entscheiden, können die Zölle unter bestimmten Umständen sogar komplett auf null reduzieren.
Für Deutschland und die Europäische Union insgesamt sowie andere Nationen mit separaten Handelsabkommen gilt jedoch eine wichtige Ausnahme: Sie sind von diesen neuen Arzneimittelzöllen ausgenommen. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe war bewusst gewählt – genau ein Jahr nachdem Trump im Rosengarten des Weißen Hauses mit seinen ersten Zolltafeln den Welthandel unter Schock gesetzt hatte.
Revolution bei Stahlzöllen: Neue Berechnungsgrundlage
Für die deutsche Wirtschaft weitaus relevanter sind die gleichzeitig angekündigten Neuerungen bei Zöllen auf Stahl, Aluminium und Kupfer. Bei Stahlbalken und ähnlichen Produkten soll der Zollsatz von 50 Prozent künftig nicht mehr auf den Preis des Exporteurs erhoben werden, sondern auf den deutlich höheren Preis, der am amerikanischen Markt tatsächlich fällig wird. Diese fundamentale Änderung der Berechnungsgrundlage soll die Zolleinnahmen der US-Regierung erheblich steigern.
Ein hochrangiger Regierungsbeamter begründete diesen Schritt mit den Worten: „Wir haben nicht die gewünschten Zolleinnahmen erzielt, da die Welt die angegebenen Kosten für Stahlimporte nach Amerika künstlich gesenkt hat.“ Mit der neuen Regelung soll dieser künstlichen Verbilligung nun ein Ende bereitet werden.
Vereinfachung bei komplexen Produkten
Für andere Produkte wie Waschmaschinen könnte der Zollsatz hingegen sogar fallen. Solange sie zu mehr als 15 Prozent aus Stahl, Aluminium oder Kupfer bestehen, wird künftig ein einheitlicher Satz von 25 Prozent fällig. Bisher war der 50-prozentige Satz nur auf den Anteil des Produkts fällig geworden, der tatsächlich aus einem dieser Stoffe bestand – eine komplexe Berechnung, die nun vereinfacht wird.
Diese jüngsten Maßnahmen zeigen deutlich, dass Trumps Handelspolitik trotz zahlreicher gerichtlicher Niederlagen weiterhin dynamisch entwickelt wird. Während der Oberste Gerichtshof viele seiner früheren Zölle gekippt hat, arbeitet die Regierung kontinuierlich an neuen Mechanismen und Regelungen, um ihre protektionistischen Ziele zu verfolgen. Die internationale Handelsgemeinschaft muss sich auf weitere Turbulenzen einstellen, da Washington seinen unilateralen Kurs fortsetzt.



