Massiver Ansturm auf US-Zollrückerstattungssystem
Seit Montag ist das neue Online-System zur Beantragung von Rückerstattungen unrechtmäßig erhobener US-Zölle in Betrieb – und tausende Unternehmen machen bereits intensiv Gebrauch davon. Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) hat das Portal als Reaktion auf eine gerichtliche Anordnung eingerichtet, nachdem der Oberste Gerichtshof im Februar die von Ex-Präsident Donald Trump verhängten Zölle gekippt hatte.
„Wie bei einem Taylor-Swift-Konzert“
Die ersten Antragsteller berichten von einem massiven Ansturm auf das System. Rick Woldenberg, Chef des Lernspielzeug-Herstellers Learning Resources, verglich die Situation mit einem Konzert der Pop-Ikone: „Ich glaube, es war so ähnlich wie bei einem Taylor-Swift-Konzert, wo alle gleichzeitig auf den Knopf gedrückt haben.“ Sein Unternehmen, das zu den Klägern im Rechtsstreit gehörte, hat bereits etwa 5.000 Anträge eingereicht und fordert rund zehn Millionen Dollar zurück.
Learning Resources ist kein Einzelfall. Bis zum 9. April hatten etwa 56.497 Importeure die notwendigen Schritte für elektronische Rückerstattungen abgeschlossen, was einem Gesamtbetrag von 127 Milliarden Dollar entspricht. Insgesamt müssen bis zu 166 Milliarden Dollar an die Unternehmen zurückgezahlt werden.
System funktioniert trotz Bedenken
Obwohl viele Unternehmen Bedenken hinsichtlich der Stabilität des neuen Systems geäußert hatten, scheint es weitgehend reibungslos zu laufen. Jay Foreman, CEO des Spielzeugherstellers Basic Fun, bestätigte: „Bis jetzt läuft alles gut.“ Sein Team stand am Hauptsitz in Boca Raton, Florida, bereit, um sofort nach Systemstart Anträge einzureichen.
Cassie Abel, Chefin des Bekleidungsunternehmens Wild Rye aus Idaho, zeigte sich erleichtert: „Ich bin erleichtert, dass das Portal offenbar ordnungsgemäß funktioniert.“ Für die Einreichung ihrer Anträge über einen Zollmakler zahlte sie in der ersten Phase 250 Dollar.
Automatisierte Bearbeitung geplant
Nach Angaben von Lynlee Brown, Partnerin bei Ernst & Young im Bereich Global Trade, akzeptiert das System die meisten Anträge problemlos. Allerdings umfasst die erste Phase vorwiegend einfachere Fälle. Sobald Einträge akzeptiert sind, werden sie verarbeitet, wobei verdächtige Herkunftsangaben zur manuellen Überprüfung weitergeleitet werden können.
Die Rückerstattungen sollen automatisiert innerhalb von 60 bis 90 Tagen ausgezahlt werden. Unklar bleibt, ob eine frühe Einreichung die Bearbeitungsgeschwindigkeit beeinflusst – viele Unternehmen wollten jedoch kein Risiko eingehen und warteten nicht ab.
Wirtschaftliche Auswirkungen spürbar
Die Aussicht auf Zollrückerstattungen zeigt bereits konkrete wirtschaftliche Effekte. Am Dienstag trieb die Nachricht die Aktien indischer Meeresfrüchte-Exporteure deutlich nach oben:
- Coastal Corporation: bis zu 6% Kursgewinn
- Apex Frozen Foods: bis zu 6% Plus – bester Handelstag seit fast acht Jahren
- Avanti Feeds: bis zu 6% Anstieg auf Rekordhoch, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten
Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für indische Garnelen-Exporteure, was die Bedeutung der Zollentscheidung unterstreicht. Insgesamt zahlten mehr als 330.000 Importeure die umstrittenen Zölle auf 53 Millionen Sendungen importierter Waren.
Frust über notwendige Antragstellung
Trotz des funktionierenden Systems gibt es Kritik an der Verfahrensweise. Rick Woldenberg äußerte Frustration darüber, dass überhaupt Anträge gestellt werden müssen: „Sie haben ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, das besagt, dass sie zu viele Steuern kassiert haben. Warum muss ich ihnen also sagen, dass sie das Geld zurückschicken sollen?“
Der Oberste Gerichtshof hatte die Trump-Zölle gekippt, weil sie auf einem Gesetz basierten, das eigentlich für nationale Notfälle gedacht war. Die nun beginnende Rückerstattungsphase markiert das vorläufige Ende eines langwierigen juristischen und politischen Streits um die Handels- und Zollpolitik der USA.



