Während Autos in Europa immer länger halten, zeichnet sich in China ein gegenteiliger Trend ab: Elektroautos werden dort immer schneller ausgemustert – oft bereits nach wenigen Jahren. Ursache dafür ist ein brutaler Preiskampf, rasante Modellwechsel und ein kaum existierender Gebrauchtwagenmarkt. Das Schicksal der Wegwerf-Handys scheint nun auch das Auto zu ereilen.
Wegwerf-Mentalität erreicht die Automobilbranche
Einwegprodukte sind aus der Mode- und Elektronikbranche bekannt. In China scheint dieser Trend nun auch auf Autos überzugreifen. Für viele Käufer ist das Fahrzeug längst ein „Smartphone auf Rädern“. Entsprechend schnell werden alte Modelle ersetzt und verlieren massiv an Wert. Der Markt ist extrem: Über 140 Hersteller kämpfen mit immer neuen Modellen um Kunden. Während europäische Autobauer oft Jahre für die Entwicklung benötigen, bringen chinesische Marken ihre Fahrzeuge in weniger als zwei Jahren auf die Straße – und das deutlich günstiger.
Preiskrieg macht E-Autos zu Wegwerfprodukten
Die Folgen sind drastisch: Elektroautos sind in China in den vergangenen Jahren deutlich billiger geworden, obwohl Technik und Reichweite zulegen. „Dieser Preiskrieg macht das Elektroauto zu einem Wegwerfprodukt“, sagt Auto-Experte Dr. Xing Zhou. Ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos fehlt weitgehend. Viele Fahrzeuge werden daher schon nach drei bis fünf Jahren ausrangiert. Statt weiter genutzt zu werden, landen sie auf riesigen Parkflächen und warten auf das Recycling.
Recycling hinkt hinterher
Die Recyclingprozesse für Batterien und Fahrzeuge hinken der wachsenden Zahl ausrangierter E-Autos hinterher. Zwar werden die wertvollen Batterien wiederverwertet, doch klare Prozesse fehlen oft noch. In Europa sieht das anders aus: Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz oder Volkswagen setzen weiterhin auf längere Lebenszyklen und funktionierende Recyclingketten. Dennoch bleibt die Frage: Wenn Autos immer schneller an Wert verlieren – kommt der Wegwerf-Trend irgendwann auch nach Europa?



