Jürgen Klopp wird Bier-Botschafter bei der WM 2026
Jürgen Klopp (58) übernimmt eine neue Rolle: Während der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko im Sommer 2026 wird er als Botschafter des Bier-Sponsors Anheuser-Busch auftreten. Im Interview spricht der ehemalige Liverpool-Trainer über das Mammut-Turnier, Superbowl-Feeling und seine Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft.
Erwartungen an das DFB-Team
Auf die Frage nach seinen Erwartungen an das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann antwortet Klopp: „Ehrlich: Ich weiß es nicht! Wir haben einen wirklich guten Trainer, ein wirklich gutes Team. Aber wir brauchen auf verschiedenen Positionen wichtige Spieler. Zum Beispiel Kai Havertz, der jetzt wieder in Form kommt. Er ist wichtig. Wir haben auf einige Positionen nicht sechs, sieben, acht oder neun Spieler, aus denen wir wählen können. Wenn alle fit sind, haben wir eine großartige Mannschaft.“
Klopp erinnert an die Europameisterschaft 2024: „Was wir nicht vergessen sollten: Wenn der Schiri bei der EM 2024 das Handspiel von Cucurella pfeift, dann verläuft dieses Turnier komplett anders. Da haben wir gezeigt, dass wir uns in so ein Turnier reinkämpfen können. Wie die Argentinier, die sich 2022 reingekämpft haben. Frankreich hat die besseren Spiele gemacht, aber am Ende hat Pragmatismus gewonnen.“
Chancen auf den WM-Titel
Wie groß sind die Chancen, dass deutsche Fans mit einem Bier mit deutschen Wurzeln auf den WM-Titel anstoßen? „Möglich ist alles! Aber ich kann zehn andere Teams aufzählen, die ebenfalls große Chancen haben. In einem Wettbewerb wie diesem braucht man zuerst Glück. Und muss von Verletzungen verschont bleiben. Sowohl in der Zeit davor als auch beim Turnier selbst. Und dann ist es wichtig, Qualität zu haben. Aber wir haben nicht viel mehr Qualität als andere Länder. Es sind absolute Weltklasse-Nationen dabei: Weltmeister wie Argentinien, Frankreich, Spanien, England natürlich. Dazu die Niederlande. Auch Portugal könnte ein Überraschungs-Team sein. Norwegen hat mit Erling Haaland wahrscheinlich eine goldene Generation. Und sie haben jetzt einige große Teams besiegt.“
Undav und die Diskussion um den Stürmer
Zur Diskussion um Deniz Undav sagt Klopp: „Wir haben vorne viele Optionen. Aber ich will mich da nicht einmischen. Das ist eine Diskussion, die in der Öffentlichkeit geführt wird. Ich kenne Deniz Undav aus seiner Zeit in Brighton – und dass er nicht auf geradem Weg in den internationalen Fußball gekommen ist. Aber er hat sich seinen Erfolg hart erarbeitet. Ich mag die Art, wie er spielt.“
Klopp als Botschafter von Anheuser-Busch
Klopp zeigt sich begeistert von seiner neuen Rolle: „Das ist schon bedeutend. Und ich hätte nie gedacht, dass es mal dazu kommt. Ich bin Deutscher. Manchmal denken wir, wir sind größer als alles andere. Manchmal machen wir uns kleiner, als wir sind. Aber für mich ist es wirklich so, dass ich mich fühle, als wäre ich Teil der Superbowl-Halbzeitshow und der Werbung drumherum. Es ist eine Auszeichnung! Bei der Anfrage fühlte ich mich geehrt.“
Erinnerungen an vergangene Weltmeisterschaften
Anheuser-Busch InBev feiert 40 Jahre WM-Sponsoring. Klopp erinnert sich: „Die erste Erinnerung war, glaube ich, die WM 1974 mit dem Spiel Deutschland gegen Chile. Als Paul Breitner den Ball aus der Distanz reingehämmert hat. Und dann sind da all die Erinnerungen an die 90er. Damals habe ich in Frankfurt gelebt und studiert, bin relativ jung Vater geworden. Das Tor von Andi Brehme, das uns zum Weltmeister 1990 gemacht hat. Oder 2014. Ich liebe es, WM-Spiele zu sehen.“
Favoriten auf den Titel
Auf die Frage nach seinen drei Topfavoriten antwortet Klopp: „Ich kann nicht drei Favoriten nennen, weil es zu viele gibt. Es hängt von so vielen Faktoren ab: Wie startet man ins Turnier, wie geht man mit Rückschlägen um? Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Weltmeister einfach durch solche Spiele gegangen ist. Jedes Spiel ist eine Herausforderung.“
Er ergänzt: „Man sollte die britischen Teams im Blick haben. Denn wenn sie einen Weg finden, für das Turnier bereit zu sein, werden sie weit kommen. Sie haben eine gute Generation an Spielern. Schottland kann seinen Gegnern immer und auf unterschiedliche Weise weh tun, sie haben eine gute Mannschaft. Aber letztlich wird es wohl so sein, dass spätestens ab dem Viertelfinale nur noch die großen Mannschaften und Favoriten dabei sein werden.“
Zukunft als Trainer
Ob Klopp selbst noch einmal bei einer Weltmeisterschaft als Trainer an der Seitenlinie stehen wird? „Gott sei Dank muss ich heute keine Entscheidung darüber treffen. Klar, diese Frage kann man auf 500 Millionen verschiedene Arten stellen, und ich habe keine Ahnung, wie man sie richtig beantwortet. Ich bin jetzt bei der Weltmeisterschaft dabei – nur nicht in der Rolle, die ihr denkt. Also freue ich mich wirklich sehr darauf, auf diese spezielle Rolle.“
Talentförderung in Deutschland
Zum Thema Talentpool in Deutschland sagt Klopp: „So etwas passiert nicht über Nacht und dauert länger, das zu analysieren. Ja, Frankreich hatte historisch immer einen Riesen-Pool an Talenten. Spanien auch. Und wir haben erkannt, dass wir etwas ändern müssen. Und versuchen, unseren Talenten mehr Unterstützung zu geben. Ja, vielleicht sind es nicht 40, 50 Spieler, aus denen Julian Nagelsmann wählen kann. Aber man kann daran arbeiten, dass es besser wird – und genau das tun wir. Das sehe ich tagtäglich. Ich sehe viele Spieler, die wirklich, wirklich, wirklich gut sind. Mit Musiala und Wirtz haben wir zwei der größten Offensiv-Talente der Fußball-Welt. Und solche Spieler wollen wir noch mehr fördern zum Beispiel mit der neuen U21-Liga. Und ganz ehrlich: Italien hätte wahrscheinlich unsere Probleme gerade gern. Die sind als eine der großen Fußballnationen in einer viel schwierigeren Situation.“
WM mit 48 Teams und sechs Wochen
Erstmals sind 48 Mannschaften bei der WM dabei, das Turnier geht über sechs Wochen. Klopp kommentiert: „Es ist mehr Zeit, aber es werden für die Teams nicht viel mehr Spiele. Aber natürlich ist es eine Herausforderung. Wir erwarten viel von den Spielern. Deshalb sollten wir ihnen auch ein wenig mehr Freizeit geben, wo sie einfach den Kopf ausschalten. Einen Film schauen, essen gehen – irgendwas. Das Turnier wird in den Spielen entschieden. Und die gewinnt man durch Einstellung – Mentalität und Durchhaltevermögen entscheiden. Es ist gut, dass man mehr Zeit hat, um als Gruppe zusammenzuwachsen, und es könnte Herausforderungen geben, wenn es nicht gut läuft. Aber alles, was passiert, ist eine Herausforderung für den Trainer, immer alles zu managen. Es ist zum ersten Mal so ein langes Turnier, es gibt keinen Plan. Jetzt ist es ein großes Turnier mit schwierigen Bedingungen – Hitze, Klima, das Wetter. Auch für mich wird es eine Art Camp für sechs Wochen.“
Lieblingsspiel der Vorrunde
Auf welches Spiel freut sich Klopp besonders? „Unbemerkt? Ja, das wäre schön. Wird aber nie passieren. Auf welches Spiel ich mich aber besonders freue, ist Schottland gegen Brasilien. Das wird cool und interessant, weil zwei komplett unterschiedliche Fußballphilosophien aufeinanderprallen.“
Trikot-Flockung
Mit welchem Namen würde Klopp sein Deutschland-Trikot beflocken? „Müller!“ Und welcher Müller? „Können Sie sich aussuchen. Vielleicht Dieter …“



