Kovac: BVB fehlt Bayerns Qualität – Kritik an Spielweise zurückgewiesen
Kovac: BVB fehlt Bayerns Qualität – Kritik zurückgewiesen

Niko Kovac hat sich mit entschiedenen Worten gegen die anhaltende Kritik an der Spielweise von Borussia Dortmund gewehrt und mit Vorurteilen gegen seine eigene Arbeit aufgeräumt. Der Trainer des BVB reagierte im Interview mit der FAZ auch auf den häufig vorwurfsvoll verwendeten Begriff des „Kovac-Fußballs“.

Kovac weist Vorwürfe zurück

„Das hat mal einer in die Welt gesetzt, seitdem steht es wahrscheinlich im Raum“, meinte der Kroate: „Ich kenne die Vorurteile: ‚zu passiv, zu defensiv‘. Ein Blick in die Statistiken bestätigt das sicher nicht.“ Natürlich sei er mit Spielen wie zuletzt gegen Bayer Leverkusen (0:1) oder die TSG Hoffenheim (1:2) nicht zufrieden. Und natürlich seien die Ansprüche in Dortmund höher als bei anderen Vereinen.

Aber: „Ich frage Sie: Wer spielt – außer Bayern München – dauerhaft attraktiv in der Bundesliga? Und ist Attraktivität wichtiger als Erfolg? Man muss wissen, dass die Bundesliga keine Theaterbühne ist, auf der jede Vorstellung gleich verläuft, vieles ist unberechenbar.“ Kaum ein Klub könne jede Woche Spektakel liefern, sagte Kovac, der dabei aber auch ausdrücklich die Qualität im eigenen Team lobte.

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BVB fehlt Bayerns Individualität

„Ich denke, dass wir durchaus in dieser Saison auch sehr gute und attraktive Spiele gezeigt haben. Was uns vielleicht ein wenig fehlt, ist das, was die Bayern im Überfluss haben.“ Der bereits feststehende Meister aus München, erläuterte Kovac, verfüge über einen „unglaublich starken Kader mit besonderen Individualisten. 113 Tore in 31 Spielen sind außergewöhnlich. Das können im Moment nicht einmal die reichsten Klubs in England in dieser Form bieten. Das muss man neidlos anerkennen.“

Dortmund keine Ballbesitzmannschaft

Während sich die Bayern stets den Titel zum Ziel machen, gibt sich die Borussia für gewöhnlich demütiger und stellt die Qualifikation für die Champions League in den Vordergrund. Was laut Kovac allerdings kein Problem darstellt. „Dieser Verein hat Ambitionen, aber auch Jürgen Klopp hat als Trainer hier damals drei Jahre bis zu seiner ersten Meisterschaft gebraucht. Und der Fußball, den die Mannschaft damals spielte, der musste erst entstehen und beruhte zunächst auf Körperlichkeit und einer guten Defensive“, erklärte Kovac: „Aber Borussia Dortmund war in meiner Wahrnehmung in den vergangenen Jahren eher selten eine Ballbesitzmannschaft.“

Nicht gelten lassen wollte Kovac auch den Vorwurf, dass er kein Experte für die Entwicklung junger Spieler sei. „Ich habe auch schon gehört, dass ich angeblich mehr auf Erfahrung setze als die meisten anderen Trainer“, sagte der 54-Jährige geradezu amüsiert: „Aber da gibt es schon eine etwas längere Liste junger Spieler, die sich in den vergangenen Jahren und auch aktuell sehr gut unter meinem Trainerteam und mir entwickelt haben, bevor die jeweiligen Klubs sie teuer verkauft haben.“ Kovac zählte dabei Spieler wie Luka Jovic, Aurélien Tchouaméni, Felix Nmecha (bei Wolfsburg), Micky van de Ven, Jesús Vallejo, Aarón Anselmino und Jobe Bellingham auf.

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