In den 1970er- und 1980er-Jahren war der Multiboy in Ostdeutschland unverzichtbar. Er zerkleinerte, mixte und wurde zum Symbol praktischer Erfindungen. Heute feiert ihn eine ganze Generation als Kultobjekt.
Multiboy: Ein Stück DDR-Geschichte aus Sachsen
Entwickelt wurde der Multiboy in den späten 1970er Jahren im Volkseigenen Betrieb (VEB) Elbtalwerk Heidenau in Sachsen. Das Werk, bereits 1919 gegründet, produzierte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Werkzeugmaschinen und Kohlebauausrüstung, später dann Haushaltsgeräte. Ende der 1970er Jahre kam der Multiboy LZ250 auf den Markt, Anfang der 1980er folgte das verbesserte Modell LZ251 mit einfacherer Handhabung und robusterer Bauweise.
Der Name war Programm: „Multi“ stand für Vielseitigkeit, „Boy“ für einen modernen, englisch klingenden Begriff, der sich auch für den Export eignete. Das Gerät besteht aus einem kompakten Motorblock, einer Arbeitsschale, einem scharfen Messer und einem Deckel. Wird der Deckel nach unten gedrückt, startet der Motor; lässt man los, stoppt er sofort. Mit einer Leistung von bis zu 650 Watt zerkleinerte der Multiboy fast alles – Nüsse, Käse, Gemüse oder Obst.
Multiboy: Bis heute in der Küche heimisch
Trotz eines stolzen Preises von 145 DDR-Mark war der Multiboy heiß begehrt und oft schwer zu bekommen. Wer einen besaß, pflegte ihn sorgfältig – und viele dieser Geräte funktionieren noch heute tadellos. Heute kann man den Zerkleinerer für deutlich weniger Geld kaufen: Auf Ebay gibt es erste Angebote ab 25 Euro.
Die Langlebigkeit liegt nicht nur an der soliden Bauweise, sondern auch am emotionalen Wert. Der Multiboy steht für Erinnerungen an Familienessen und Sonntagskuchen. In sozialen Medien wie TikTok feiern Nutzer die Qualität des DDR-Küchengeräts. Unter einem Post schreibt ein Nutzer: „Ich habe ihn vor fünfzig Jahren von meinen Eltern bekommen und er hilft mir heute noch im Haushalt.“ Andere kommentieren: „Ich habe zwei Stück und die bekommste nicht kaputt“ und „Ich benutze den Multiboy sehr oft. Er läuft wie eine Brumme. DDR-Ware, nicht kleinzukriegen.“
Fazit: Ein Kultobjekt mit Geschichte
Der Multiboy ist mehr als ein Küchengerät – er ist ein Symbol für ostdeutsche Ingenieurskunst und Robustheit. Generationen nutzten ihn für die schnelle Zubereitung von Speisen, und bis heute ist er in vielen Haushalten im Einsatz. Sein Revival als Kultobjekt zeigt, dass gute Qualität und nostalgische Erinnerungen unvergänglich sind.



