Tesla fährt den Krankenstand in seiner Deutschland-Fabrik in Grünheide drastisch nach unten – doch die Methoden des US-Autobauers sorgen für heftige Kontroversen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, liegt der Anteil der krankgemeldeten Mitarbeiter inzwischen bei unter fünf Prozent. Vor knapp zwei Jahren waren es zeitweise noch rund 17 Prozent.
Harte Maßnahmen gegen hohe Krankmeldungen
Um diese Senkung zu erreichen, greift Tesla zu teils ungewöhnlichen und umstrittenen Mitteln. So wurden krankgeschriebene Mitarbeiter in der Vergangenheit unangekündigt zu Hause besucht. Zudem stellt das Unternehmen in mehreren Fällen die Lohnfortzahlung ein. Die Begründung: Es liege keine fortgesetzte Erkrankung vor.
Laut dem Bericht verschickt Tesla auch interne Briefe an betroffene Mitarbeiter. Darin heißt es: „Keine weitere Entgeltfortzahlung“. Das bedeutet konkret: Wer erneut krank wird, erhält im Zweifel kein Geld mehr. Die Beschäftigten sollen demnach genau erklären, was ihnen fehlt, und ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbinden.
Arbeitsrechtler üben scharfe Kritik
Arbeitsrechtler schlagen Alarm. Der Bonner Professor Gregor Thüsing sagt, die Forderungen gingen zu weit. Niemand müsse seine Diagnose offenlegen. Bereits im Jahr 2024 musste Tesla nach Druck der IG Metall zurückgehaltene Lohnzahlungen in Höhe von rund 160.000 Euro nachzahlen. Der Konflikt zwischen Management und Belegschaft schwelt damit weiter.
Tesla verteidigt seine Strategie
Tesla selbst sieht die Situation völlig anders. Im Werk sei ein neuer „Geist“ entstanden, heißt es. Mit Extras wie einem Aktienprogramm, einem Fitnessstudio und weiteren Angeboten für Mitarbeiter wolle man die Motivation steigern. Der niedrige Krankenstand im Unternehmen sei ein Zeichen dafür, dass sich die Kultur im Werk positiv verändert habe.
Auch die Zahlen geben Tesla Rückenwind: Die Nachfrage zieht an, die Produktion soll steigen. Bis Ende Juni will der Konzern rund 1000 neue Mitarbeiter einstellen, die Produktion soll auf bis zu 6000 Autos pro Woche erhöht werden. In Deutschland haben sich die Neuzulassungen zuletzt mehr als verdoppelt.
Wettbewerbsdruck bleibt hoch
Für Tesla bleibt der Druck hoch: Der Standort Grünheide steht im Wettbewerb mit deutlich günstigeren Produktionsbedingungen etwa in China. Um mithalten zu können, setzt der Konzern weiter auf Effizienz und offenbar auch auf einen deutlich strengeren Umgang mit Krankmeldungen. Die Debatte um die Arbeitsbedingungen bei Tesla in Deutschland dürfte damit noch lange nicht beendet sein.



