BVB-Juwel Inacio: Startelfdebüt mit Standing Ovations
BVB-Juwel Inacio überzeugt beim Startelfdebüt

Es wäre die Kirsche auf der Sahnetorte gewesen. Doch Noah Atubolu hatte etwas dagegen. Nach ziemlich genau einer Stunde hatte Startelf-Debütant Samuele Inacio die große Chance auf seinen ersten Treffer. Nach mustergültiger Vorarbeit von Maximilian Beier scheiterte der 18-Jährige jedoch freistehend aus sechs Metern. Seine Direktabnahme mit der rechten Innenseite parierte der Freiburger Keeper.

Und dennoch bekam der italienische U-Nationalspieler 13 Minuten später Standing Ovations. Bei seiner Auswechslung erhob sich das Dortmunder Publikum, Stadionsprecher Nobby Dickel brüllte unter tosendem Beifall ins Mikrofon: „Er hat sich einen Riesen-Applaus verdient.“

Der Italiener ist ein Musterbeispiel für den neuen Dortmunder Weg. Dabei dient der FC Bayern als Vorbild.

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BVB-Juwel Inacio überzeugt bei seinem Startelfdebüt

„Das ist ein verrückter Moment für mich“, erklärte ein sichtlich ergriffener Inacio nach der Partie in einem vereinsinternen Social-Media-Clip.

Diese Lorbeeren hatte er sich redlich verdient. Inacio strotzte vor Spielfreude, dribbelte mutig drauflos und ließ sich weder von deutlichen erfahreneren Gegenspielern oder der Kulisse beeindrucken.

„Fußballerisch wussten wir, dass er hohe Fähigkeiten hat. Das hat er in der U-Nationalmannschaft gezeigt, das zeigt er bei uns in den unteren Mannschaften“, gab sich BVB-Coach Niko Kovac wenig überrascht vom überzeugenden Debüt seines Youngsters.

Kollege Maximilian Beier attestierte ihm, ein „sehr gutes Spiel“ gemacht zu haben: „Er ist ein talentierter Junge, der ein brutales Dribbling hat. Der soll auf dem Platz machen, was er will. Der ist so gut, den muss man einfach machen lassen.“

BVB überzeugt auch in der Offensive

Inacio hatte großen Anteil daran, dass der BVB – anders als in vielen Spielen dieser Saison – auch offensiv mit Kreativität und starken Kombinationen überzeugte.

Besonders eine Aktion stach heraus: Vor dem 2:0 trieb der Youngster bei einem Konter den Ball Richtung SC-Strafraum, bewahrte Ruhe und Übersicht und setzte Vorlagengeber Julian Brandt mustergültig in Szene. Guirassy köpfte anschließend zum zweiten Dortmunder Treffer ein.

„Er hat einige erfrischende Momente gehabt. Ich hätte ich natürlich das Tor sehr gegönnt, das war eine ganz gute Chance. Er hat gezeigt, dass er einen guten Fuß hat, dass er dribbeln kann, dass er zum Abschluss kommen und den letzten Pass spielen kann. Es war ein vielversprechendes Startelfdebüt, aber überbewerten sollten wir es auch nicht“, lobte Sportdirektor Ole Book.

Kovac lobt: „Mit Hingabe, mit Leidenschaft, mit Intensivität“

Körperlich muss und wird Inacio noch zulegen. In einigen direkten Duellen wurden seine Defizite sichtbar – was bei einem 18-Jährigen (er wurde am 2. April volljährig) jedoch völlig nachvollziehbar ist. Dass er sich seinen Startelfeinsatz verdient hat, liegt vor allem an seiner Einstellung.

„Was mir imponiert, ist die Art und Weise wie fleißig er ist, wie er trainiert. Mit Hingabe, mit Leidenschaft, mit Intensivität. Das fordere ich. Gerade von jungen Spielern“, so Kovac.

Was den BVB-Trainer ebenfalls begeistert haben dürfte, ist Inacios Arbeit gegen den Ball. Mehrmals suchte er Zweikämpfe und scheute diese nicht. Nach einem Duell mit Maximilian Eggestein setzte er energisch nach, bis er den Ball eroberte und zurück auf Nico Schlotterbeck spielte. Der BVB-Kapitän applaudierte noch während der Ballannahme in Richtung des Youngsters.

Genau dieses Mindset dürfte Inacio bei Kovac und auch innerhalb der Mannschaft beliebt machen. „Er ist total integriert. Er ist jemand, der sehr fleißig arbeitet, der die kleinen Sachen auch richtig macht. Der bereit ist zu helfen, Tore tragen, Bälle tragen“, beschrieb Book sein vorbildliches Verhalten.

Kein Wunder also, dass Kovac ihm diese Chance gab. Denn neben „Naturtalent“ bringt Inacio laut Kovac auch „Arbeitstalent“ mit.

BVB-Juwele stehen für neuen BVB-Weg

Dass Niko Kovac in den Schlussminuten (88.) auch noch den erst 16 Jahre alten Mathis Albert ins Spiel brachte und ihm zu seinem Profidebüt verhalf, rundet das Bild ab. Kovac, der bislang nicht als großer Talente-Förderer beim BVB in Erscheinung getreten war, belohnt damit gute Trainingsleistungen und professionelle Einstellung.

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Die beiden Debüts stehen sinnbildlich für den neuen Weg, den der BVB wieder verstärkt einschlagen will: Jungen, hoffnungsvollen Talenten mehr Spielzeit geben und ihnen – bei entsprechenden Leistungen – den Durchbruch ermöglichen.

Die Dortmunder Wunschvorstellung: 16 oder 17 nahezu gleichwertige Topspieler im Kader, dahinter junge Talente, die behutsam aufgebaut werden. Ein Modell, das der FC Bayern unter Vincent Kompany in dieser Saison eindrucksvoll vorlebt.

BVB-Juwele machen Lust auf mehr

Für Inacio war es im vierten Profi-Einsatz der erste Sieg. In den drei vorherigen Spielen gegen Bayern (2:3), Leverkusen (0:1) und Hoffenheim (1:2) hatte er in Kurzeinsätzen jeweils Niederlagen hinnehmen müssen.

So oder so: Der Auftakt ist geglückt. Mit einem breiten Grinsen verließ er unter Standing Ovations den Platz. Nach der Partie ging er gemeinsam mit seinem Youngster-Kollegen Albert in Richtung Südtribüne, um sich feiern zu lassen.

Ein Gefühl, das die beiden in naher Zukunft noch häufiger erleben könnten.